Wer spielte wie gegen wen?

Borussia Dortmund – Hamburger SV 3:0 (1:0)
TSG Hoffenheim – Bayern München 1:0 (1:0)
1. FC Köln – Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0)
Werder Bremen – Schalke 04 3:0 (1:0)

Sind die Bayern schon Meister?

In diesem Kalendermonat darf man die Frage schon stellen, vorerst muss sie aber verneint werden. Die Bayern mussten zum Tabellendritten nach Hoffenheim, gegen dieses Ligaproletariat schont man seine Juwelen. Carlo Ancelotti wechselte sieben Mal gegenüber dem Spiel am vergangenen Samstag. Unter anderem durfte seit längerer Zeit mal wieder Renato Sanches auflaufen, Münchens 19-jähriger Portugiese. Er spielt im defensiven Mittelfeld, wobei das nur ein ungefährer Richtwert ist. Wer ihm zusieht, zweifelt an einer Positionsvorgabe. Eigentlich sind alle um ihn herum damit beschäftigt, dem Wusel zu erklären, wohin er sich wann zu bewegen hat. Hoffenheims Siegtorschütze Kramarić wurde bei seinem sehenswerten Torschuss von Sanches alleingelassen. So viel bayerische Unordnung kennt man nur vom Weißwurstzuzeln, einer unappetitlichen und umstrittenen Kulturtechnik. Wenigstens haben Münchens Verteidiger mal was zu tun, wenn Sanches spielt.

Wie gut Manuel Neuer wirklich ist, zeigt sich immer dann, wenn er fehlt. Sein Ersatz Sven Ulreich hielt die Bayern zwar mit einigen Paraden im Spiel, beim Tor hätte man ihm den Fernschuss aber per Eieruhr ankündigen sollen. In der zweiten Halbzeit drückte Bayern auf den Ausgleich, doch die vielen Chancen endeten an irgendeinem Körperteil von Hoffenheims Oliver Baumann, der sagenhaft war. Es war Hoffenheims erster Sieg gegen die Münchner. Zu Recht darf sich die TSG nach diesem Spiel Hoffnungen auf den Vizemeistertitel machen. Und: Bayern-Krise? Falls das bald irgendwo stehen sollte: Hier haben Sie es zuerst gelesen.

Wer wird Rückrundenmeister?

Vielleicht ja Werder Bremen. Die haben einen richtigen Lauf. Über den Grünkohl, das Wintergemüse des Nordens, sagt man: Je länger er reift, desto besser wird er. Gleiches gilt für Werder. Der Tabellenplatz steigt mit den Temperaturen. Im Herbst kränkelte das Team durch die Liga, nach dem 3:0 gegen Schalke ist Werder Achter. Was ist geschehen? Max Kruse und Claudio Pizarro führen ein junges Team als erfahrene Stürmer an, Werder schoss in den vergangenen drei Spielen elf Tore, holte 19 von 21 möglichen Punkten aus den vergangenen sieben Spielen. Weil das Ligamittelfeld so eng beisammen wie nie zuvor ist, müssen Bremens Spieler nun Fragen zu Europa beantworten. Und dabei geht es nicht um Politik.

Chancen auf den Rückrundentitel hat auch der BVB, wenn auch jeder Erfolg für Thomas Tuchel ein Pyrrhussieg zu sein scheint. So wie gestern. Der BVB ließ viele Chancen liegen. Vor allem Pierre-Emerick Aubameyang benötigte einige Anläufe und 93 Minuten, bis er das Tor zum 3:0 traf. Vorher musste der BVB lange und hart schuften. Tuchel: "Fahrlässig. So ein Aufwand, den wir hier betrieben, da wird mir angst und bange, wenn ich an unser Programm noch denke." Am Samstag geht es nach München, zu den Weißwurstkannibalen, dann ist Champions League, bald gegen die Bayern im Pokal.

Warum kam sogar Angela Merkel?

Weil die ersten fünf der Rückrundentabelle spielten, darunter Bayern, Dortmund, Hamburg und Bremen. An diesem Spieltag haftete mehr deutsche Nachkriegstradition als an einem Mercedes SL 500. Eigentlich rechnete man fast damit, dass die Traditionsclubkonferenz auch an die musealen Bundesligaorte Kaiserslautern und Nürnberg schalten würde, das Bild in Schwarz-Weiß getaucht, der Ball aus Lederfetzen.

Wir schaffen das! Angela Merkel war am Dienstagabend in Köln zu Gast. © Martin Meissner/Dpa Picture Alliance

Stattdessen sah man die Kanzlerin. Sie war nach Köln gereist, um ein Flüchtlingsprojekt vorzustellen und sich über die Flüchtlingshilfe des FC zu informieren. Wegen des Kölner 1:0-Fußballs oder der andauernden Frankfurter Torlosigkeit fährt man da ja sicherlich nicht hin. Zuletzt hatte sie vor vier Jahren ein Bundesligaspiel besucht. Die Kölner Fans waren natürlich vorbereitet:


Am Mittwoch spielen:

Borussia Mönchengladbach – Hertha BSC
FSV Mainz 05 – RB Leipzig
VfL Wolfsburg – SC Freiburg
FC Augsburg – FC Ingolstadt
SV Darmstadt 98 – Bayer Leverkusen (alle 20 Uhr)