Wer spielte wie gegen wen?

FSV Mainz 05 – Hertha BSC 1:0
Borussia Dortmund – Eintracht Frankfurt 3:1
FC Augsburg – 1. FC Köln 2:1
RB Leipzig – SC Freiburg 4:0
TSG Hoffenheim – Gladbach 5:3
VfL Wolfsburg – FC Ingolstadt 3:0
Bayer Leverkusen – Bayern München 0:0
Werder Bremen – Hamburger SV 2:1
SV Darmstadt – FC Schalke 04 2:1

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Hoffenheim gegen Gladbach, 5:3, in Worten: fünfzudrei. Die Bundesliga musste zuletzt ja viel einstecken. Die Spielkultur sei mau, niemand wisse wirklich etwas mit dem Ball anzufangen, alles sehe eher aus wie Rugby. Selbst Mario Gómez, auf dessen Grabstein mal nicht "Fußballästhet" stehen wird, beklagte sich neulich über das Gemurkse. Stimmt auch, aber nicht immer: 1:0, 2:0, 2:1, 2:2, 3:2, 4:2, 4:3, 5:3. Schiedsrichter Christian Dingert beschleunigte den Puls der Zuschauer zusätzlich mit gleich mehreren eklatanten Fehlentscheidungen, wie zum Beispiel einem klaren Handspiel vor dem Gladbacher 2:2. Freunde geschlossener Abwehrreihen kamen in diesem Spiel nicht auf ihre Kosten, aber haben Sie das 4:2 von Mark Uth gesehen?

Überhaupt ist es kein Zufall, dass bei vielen nett anzusehenden Spielen Hoffenheim beteiligt ist, eine der wenigen Mannschaften der Liga, die weiß, was mit dem Ball am Fuß zu tun ist. Neben RB Leipzig ist die TSG das Team der Saison, nächstes Jahr könnte Real Madrid nach Sinsheim kommen und alle reden über den jungen Trainer Julian Nagelsmann, der vielleicht irgendwann einmal Real Madrid trainieren wird. Nagelsmann, der – dieser heidnische Witz muss erlaubt sein – einen Namen trägt, der hervorragend zum Osterwochenende passt, saß dann auch am Samstagabend im ZDF-Sportstudio. Er traf dort zweimal an der Torwand, redete von Schnelligkeit im Kopf und versicherte mit seinem Pepe-Nietnagelsmann-Grinsen, er werde im heimischen Kleiderschrank schon irgendwo einen Anzug für die Champions League finden.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Mal ehrlich, oder? Den FC Bayern braucht kein Mensch. Jahr für Jahr schläfern sie die Liga mit ihrer Dominanz ein, nur um dann international doch nichts zu gewinnen. Wozu der ganze Aufwand, die teuren Spieler, die Flagship-Stores in New York und Trainingsspielchen in China und, am schlimmsten, das sie womöglich selbst langweilende ewige Kreisen an der Tabellenspitze, wenn dann im Viertelfinale der Champions League finito ist? Das ginge auch billiger. Nun spricht die Diskrepanz zwischen dem Vorsprung in der Liga und dem bemitleidenswerten Auftritt gegen Real Madrid mal wieder nicht für den Rest der Bundesliga. Aber immerhin sind die Ligaspiele zwischen zwei internationalen K.-o.-Spielen qua bajuwarischer Abgelenktheit ausnahmsweise mal kein Selbstläufer. Der FC Bayern schonte allerhand Stammpersonal und kam deshalb gegen Bayer Leverkusen nur zu einem 0:0. Am Ende spielten die Bayern gar mit einem Mann mehr. Man merkte es kaum, was einem zu der Erkenntnis führt, dass die Münchner sich sowohl in Unterzahl (gegen Real) als auch in Überzahl (gegen Bayer) schwertun. Vielleicht sollte jemand Carlo Ancelotti mal die Sache mit den Roten Karten erklären.

Wer stand im Blickpunkt?

Der BVB. Vier Tage nach dem Anschlag gelang, was gegen Monaco nicht klappte: ein Schritt in die Normalität. 3:1 gegen Eintracht Frankfurt. Das erste Tor des Nachmittags schoss Marco Reus gleich nach drei Minuten mit der Hacke, er saß am Dienstag nicht mit im Bus, weil er noch nicht fit war. Ein Tor voller Leichtigkeit. Das zweite machte Sokratis Papastathopoulos, der sich nach dem Monaco-Spiel mit am heftigsten über die Ansetzung beschwert hatte ("Ich fühle mich wie ein Tier und nicht wie ein Mensch.") und nun den Ball mit mehr als 100 Stundenkilometern in den Winkel hämmerte. Ein Tor voller Wut.

Im Gegensatz zum Mittwoch kann man die Tore gegen Frankfurt getrost als Teil der Therapie ansehen. Vielleicht lag das bisschen mehr Leichtigkeit daran, dass dieses Spiel wieder mehr Fußballspiel sein durfte als ein Dienst an der Gesellschaft. Dass sich die Spieler nicht erneut Sätze wie den des Innenministers Thomas de Maizière anhören mussten, der sagte, wir dürften uns nicht einschüchtern lassen, was sich leicht sagt, wenn man in einer gepanzerten Staatslimousine durch die Gegend kutschiert wird, aber etwas schwieriger, wenn noch die Metallsplitter einer Bombe aus der eigenen Kopflehne herausgepuhlt werden müssen. Im Spiel gegen Monaco hat nämlich auch nicht der Fußball gewonnen, wie einige Medien nach dem Spiel geflissentlich titelten. Der Fußball hat verloren, weil Spieler gegen ihren Willen spielen mussten und die bis dahin wichtigste Partie der Saison zu reiner Symbolik verkam, begleitet vom Sound hohler Anschlagsrhetorik.

Während die Ermittler immer noch nicht wissen, wer nun für den Anschlag verantwortlich war, sprach Thomas Tuchel nach dem Spiel über Traumabewältigung. Was geschehen ist, sei längst nicht verarbeitet, aber es gehe voran. "Während der 90 Minuten ist es leichter", sagte der BVB-Kapitän Marcel Schmelzer. Nach dem Spiel feierten die Dortmunder ihren Sieg vor der Südtribüne, in den Händen ein Trikot des verletzten Verteidigers Marc Bartra. Der wurde mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen.