Quizfrage: Welcher Trainer coachte zuletzt eine deutsche Mannschaft in einem Halbfinale der Europa League?

Es war Ricardo Moniz. Wer war das doch gleich? Er war mal kurz Trainer beim – und das ist fast noch kurioser – HSV, dem letzten deutschen Club, der unter die letzten Vier dieses Wettbewerbs stieß. 2010 war das, so lange ist es her. Der HSV verlor gegen Fulham, einem heutigen Zweitligisten aus England.

Danach erreichten Teams aus der Türkei, der Schweiz, der Ukraine, Portugal und Holland das Halbfinale, aber keins mehr aus Deutschland. Gewonnen hat diesen Pokal zuletzt Schalke vor zwanzig Jahren, als Kohl noch Kanzler war. Zuletzt scheiterten Dortmund und Wolfsburg im Viertelfinale, die beiden letzten deutschen Meister und Pokalsieger, die nicht Bayern München heißen. Es kam auch schon vor, dass selbst das Achtelfinale ohne deutsche Beteiligung stattfand.

Der deutsche Fußball hat einen Aufschwung erlebt. In Wembley standen 2013 Bayern und Dortmund im Finale der Champions League, ein Jahr später gewann die Nationalelf den WM-Titel. Vertreter und Vermarkter der Bundesliga schwärmen gerne von deren angeblicher Qualität, von der Liga der Weltmeister. Sie liegen nicht völlig falsch, die Bayern erreichten fünfmal hintereinander das Halbfinale der Champions League, auch der BVB setzt international manchmal Akzente.

Aber was ist eigentlich mit der zweiten Reihe? In der Bundesliga steigen seit Jahren die Umsätze durch Fernseh- und andere Gelder. Deutschland unterhält eine in der Welt einzigartige Nachwuchsschule mit vielen Zentren, Stützpunkten, Trainern, Ligen, Vereinen. Doch nach Bayern und, mit Abstrichen, Dortmund gelingt den deutschen Vereinen international wenig bis nichts. Schalke war beim 3:2 im Rückspiel gegen Ajax Amsterdam zwar gut, aber im Hinspiel gegen die inzwischen nicht mehr erstklassigen Holländer hätte 04 noch höher als 0:2 verlieren können. 

Schalke zum Beispiel zeigt, wie man Ressourcen verschleudert

Das Geld ist die Lieblingsausrede der Leute aus der Bundesliga, aber daran kann es nicht oder nicht nur liegen. Die Bundesliga hat mehr als die Clubs aus der Ukraine, Russland, Portugal, Türkei und Holland – allesamt Nationen, die die Europa League in diesem Jahrhundert gewannen. Schon gar nicht mangelt es an Talenten. Vielmehr hat der deutsche Fußball ein Problem mit der Qualitätsentwicklung auf Spitzenniveau. Anders gesagt: In der Führung der Vereine und Verbände fehlen Manager, Sportdirektoren, Trainer mit Sachverstand.

Man kann diese Versäumnisse am besten an Beispielen erklären. Schalke etwa zeigt, wie man Ressourcen verschleudert. Kaum ein zweiter deutscher Verein hat zuletzt so viele gute Fußballer hervorgebracht: Neuer, Höwedes, Matip, Kolašinac, Goretzka, Meyer, Sané, Draxler, Özil – sie alle wurden in Schalke ausgebildet oder kamen als Jugendliche hierher. Hätte man sie ein paar Jahre zusammengehalten, durch ein paar kluge Transfers ergänzt, ihnen einen Trainer zur Seite gestellt, der ihnen einen Plan an die Hand gibt, wäre Schalke sicher mindestens einmal Deutscher Meister geworden, hätte vielleicht auch im Europapokal was gerissen. Aber da war nie jemand.

Schon gar nicht ist oder war da jemand in Hamburg, Köln, Frankfurt, Berlin, Bremen, Stuttgart oder Hannover. Von diesen erwartet man schon gar nicht mehr viel, obwohl es Vereine mit Geld, Bedeutung, Tradition sind. Bremen kam immerhin 2009 ins Finale der Europa League. Seitdem ist Werder eher ein Abstiegskandidat. Hertha hingegen scheiterte in dieser Saison schon in der Qualifikation gegen einen Verein aus Dänemark.

Und warum gewinnt Leverkusen nix? Es gibt viele Ursachen, eine heißt Julian Brandt. Der ist ein vielseitig begabter Stürmer, für den sich zurecht Bayern München interessiert. Sieht man ihn in Leverkusen kicken, erkennt man aber, dass ihm offenbar keiner den letzten Schliff zum Topspieler gibt. Ähnlich erging es Julian Draxler in Wolfsburg und Schalke. Es gibt in Deutschland zu wenige, die den Talenten die entscheidenden Details auf dem Weg zur internationalen Klasse beibringen.