Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) stand offenbar seit 2005 auf der Gehaltsliste des Industriekonzerns Ferrostaal. Thomas Bach habe demnach 125.000 Euro im Jahr verdient, um für den Konzern internationale Geschäftskontakte herzustellen. Das berichtet das Recherchekollektiv Correctiv, dem der Vertrag vorliegt.

Bach habe sich auf Anfrage nicht äußern wollen. Demnach waren die Aufgaben von Bach die "Herstellung von Kontakten und, falls erforderlich, Teilnahme an Verhandlungen mit Regierungen, Behörden, Verbänden sowie Unternehmen." Dafür wurde ihm neben seinem Jahresgehalt auch eine Reisepauschale von 5.000 Euro zugesichert.

In dem Vertrag wird dokumentiert, warum Bach für das Unternehmen interessant ist. Neben Kontakten mit Regierungen sollte er auch bei der "Herstellung von Kontakten zur Unterstützung der Problemlösung bei (internationalen) Standortentscheidungen" genauso wie bei der "Herstellung von Kontakten bei wirtschaftspolitischen Problemstellungen" tätig werden. Für den damaligen Mutterkonzern von Ferrostaal, die MAN Group, sollte der IOC-Präsident zudem als Handelsvertreter tätig sein. Für erfolgreiche Verkäufe im Wert von mehr als 29 Millionen Euro erhielt er einen "Sonderbonus". Das Produktportfolio der Gruppe enthält unter anderem Busse, Lastwagen, Motoren, Druckmaschinen, Dieselkraftwerke und Gasturbinen.

Bach war während der vertraglichen Vereinbarung mit Ferrostaal als IOC-Vizepräsident tätig. Correctiv berichtet zudem, Ferrostaal habe die Münzmaschinen für Olympiamedaillen 2008 in Peking geliefert. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Ferrostaal war unter anderem auch an Rüstungsgeschäften beteiligt. In den 2000er Jahren bestach das Unternehmen Amtsträger in Griechenland und Portugal, um den Verkauf von U-Booten des Unternehmens ThyssenKrupp zu realisieren. Nach einem Urteil des Landgerichts München zahlte Ferrostaal 2011 rund 140 Millionen Euro Geldbuße.

Für Bach ist das nicht die erste öffentlich bekannt gewordene Beratertätigkeit. 2008 wurde öffentlich, dass er einen Beratervertrag mit Siemens unterhält. Siemens zahlte dem IOC-Präsidenten ein Jahreseinkommen von 400.000 Euro. Auch Siemens musste nach einem Schmiergeldskandal in Deutschland und den USA mehr als eine Milliarde Euro Strafe zahlen. Nach dem Bekanntwerden von Bachs Vertrag löste Siemens den Kontrakt auf. Als IOC-Chef ist Bach ein wichtiger Sportfunktionär. Er hat Einfluss auf die Vergabe der Olympischen Spiele und deshalb Kontakte zu Regierungsvertretern weltweit.

Bach bestreitet seit Jahren, dass es zwischen seinen Tätigkeiten einen Interessenkonflikt gibt. Er habe immer zwischen Ehrenämtern und seinen beruflichen Tätigkeiten als Lobbyist oder Anwalt unterschieden. Bach ist seit 2013 Präsident des IOC.