Als es in Mitrovica noch ein gemeinsames Team gab, standen Bardhec Seferi und Tihomir Marković vor dem Spiel nebeneinander. Der eine betete zu Allah, der andere zu Gott. Dann bildete die Mannschaft einen Kreis: "Hajde Trepça jonë, ti je Kampion!", Hoppauf, Trepca, wir werden Meister.

Marković, Nummer 1, Tormann, war der beste Freund von Seferi, dem Mittelfeldabräumer mit der Nummer 5. Über all die Jahre teilten sie sich ein Zimmer bei Auswärtsspielen. Mehr als 300-mal ging Seferi durch die grüne Eisentür des Stadions seiner Heimatstadt Mitrovica: vor ihm die jubelnde Menge, hinter ihm die Teamkollegen in schwarz-grünen Dressen. Bis zum 25. Mai 1989, dem letzten gemeinsamen Tag der Vereinsgeschichte. Bis zu jenem Zeitpunkt, als die Politik Einzug in die Stadien des Kosovo nahm. Die zunehmende serbische Repression im Land erreichte bald auch den Trepca-Verein. Bardhec Seferi, ein Albaner und Tihomir Markovic, ein Serbe, sollten in Zukunft nicht mehr im gleichen Team spielen.


Gemeinsame Geschichte, keine Zukunft

Schon dort kündigte sich an, was kurz darauf geschah. Aus Belgrad kam wenig später die Weisung, dass alle albanischen Spieler einen Vertrag unterschreiben sollten. Ein Loyalitätsbekenntnis, mit dem sie ihre serbische Zugehörigkeit bestätigen und ihre albanischen Wurzeln negieren sollten. Die Albaner weigerten sich und traten aus. Hätten sie unterschrieben, hätten sie damit den Kosovo nicht anerkannt. "Da wollten wir nicht mitmachen, also haben wir das Team verlassen", sagt Seferi heute. Er ist ein groß gewachsener Mann, 56 Jahre alt, mit Halbglatze und versteinerter Miene, der Anfang Februar über den mit Erdklumpen überzogenen Rasen seines alten Stadions schlendert. Und das Ende seines alten Vereins schnell erzählt: Der Albaner musste den Platz räumen, der Serbe blieb. Mehr als zehn Jahre lang sollte Seferi nicht mehr durch die grüne Eisentür gehen.

Es war das Ende eines gemeinsamen Fußballvereins, der nicht zwischen Nationalitäten, Religionen und Sprachen unterschied. Und an dem sich erzählen lässt, warum der Konflikt um den Kosovo bis heute schwelt. Heute gibt es in Trepca einen albanischen und einen serbischen Verein, mit gemeinsamer Geschichte, aber ohne gemeinsame Zukunft.

Die Albaner gründeten 1989 eine illegale Mannschaft, die fortan parallel existierte. Wie nach dem Weltkrieg kickten die albanischen Spieler in den neunziger Jahren auf improvisierten Feldern. Die albanische Diaspora in Tirana finanzierte neue Trikots, als Hauptquartier dienten Schulen und Privatwohnungen. "Die serbische Polizei hat unsere Turniere unterbrochen, ist aufs Spielfeld gestürmt und hat auf uns eingeschlagen", sagt Seferi. Einmal saß er zwölf Stunden in Haft, nur in kurzen Hosen, Stutzen und Sportschuhen. Trotz der ständigen Gefahr und fehlender Sitzmöglichkeiten kamen bei manchen Spielen bis zu 5.000 Zuschauer. "Manchmal haben wir ein Spiel an einem Ort begonnen, sind geflüchtet und haben anderswo weitergemacht", erinnert sich ein Fan. Der KF Trepca setzte daraufhin ein Häkchen unter das c und begann in der kosovarischen Liga zu spielen. Doch genauso wenig, wie Serbien heute den jungen Staat anerkennt, akzeptierte es damals den Wunsch nach einer eigenen Liga.

Bardec Seferi sitzt im Stadion, in dem er über 300-mal für Mitrovica aufgelaufen ist. ©Martin Fuchs

Nirgends wird die Spaltung des Kosovo deutlicher

Mitrovica steht wie keine andere Stadt im Kosovo für die ethnische Trennung zwischen Serben und Albanern. Als Folge des Krieges 1999 ist die Stadt geteilt in einen Südteil mit fast ausschließlich albanischer Bevölkerung und einen Nordteil, der überwiegend von Serben bewohnt wird. Die beiden Viertel werden von einer Brücke über den Fluss Ibar miteinander verbunden. Auf beiden Seiten stehen gepanzerte Fahrzeuge der KFOR, der militärischen Nato-Mission im Kosovo, die bis heute aus Sicherheitsgründen stationiert ist. Soldaten mit kugelsicheren Westen und Sturmgewehren patrouillieren auf der Brücke, die nicht für den Verkehr freigegeben ist und nur von Fußgängern überquert werden darf. Noch ist die Angst vor Ausschreitungen zu groß. Auf der einen Seite weht die albanische Flagge neben einem Denkmal des albanischen Patrioten Isa Boletini, der 1912 im Ersten Balkankrieg gegen serbische Eroberer kämpfte.

Keine fünf Gehminuten weiter nördlich bezahlt man mit Dinar und telefoniert im serbischen Netz. Die meisten Taxifahrer weigern sich, mit kosovarischem Kennzeichen über eine der beiden befahrbaren Brücken in den Norden, zu den Serben, zu fahren. Auf einem Hügel im Nordteil thront eine orthodoxe Kirche. Von hier aus kann man die spitzen Moscheetürme im Süden zählen. Folgt man einem kleinen Trampelpfad nach oben, erreicht man ein kolossales Betondenkmal aus der Zeit Jugoslawiens – zwei senkrechte Pfeiler, die durch eine Schale miteinander verbunden sind. Der Bau symbolisiert den Zusammenhalt zwischen den zwei größten ethnischen Gruppen der Stadt, Serben und Albanern. Er erinnert daran, dass man früher einmal gemeinsam hier lebte. Heute sind jene, die im Norden Helden sind, im Süden verhasst und umgekehrt.

Der serbische Machthaber Slobodan Milošević hatte seit Ende der achtziger Jahre systematisch die Rechte der Albaner in der damaligen Provinz Kosovo beschnitten, die dort mehr als 90 Prozent der Bevölkerung stellten. Mit dem Zerfall Jugoslawiens und den Unabhängigkeitsbewegungen in Slowenien, Kroatien und Bosnien wurde auch im Kosovo der Wunsch laut, die Provinz vom ehemaligen Vielvölkerstaat abzutrennen. Doch Milošević ging mit Repressionen gegen die Forderung vor, den Kosovo zu einem eigenen Staat zu machen. Kosovo-Albaner verloren ihre politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Autonomierechte, die Staatschef Tito ihnen im sozialistischen Jugoslawien zuerkannt hatte. Die albanische Bevölkerung wurde aus Universitäten, Betrieben und der staatlichen Verwaltung entlassen und verdrängt, an den Schulen wurde ein serbischer Lehrplan übernommen. Studentendemonstrationen in der Hauptstadt Pristina folgten, ab 1997 ging der Konflikt in eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen der albanischen Guerillabewegung UÇK und den serbischen Truppen über. Die Bilder von zerstörten Wohnsiedlungen und Flüchtlingstrecks gingen um die Welt.

In Seferis Mannschaft spielten sechs Serben, fünf Albaner und vier Bosniaken

Allein in Mitrovica wurden 12.000 Albaner aus ihren Häusern im Nordteil vertrieben. Im Südteil wohnen von den einst 4.000 Serben nur noch sechs. Bis heute gibt es auf beiden Seiten Familien, die ihre alten Wohnungen und Häuser nie wieder betreten haben. Nach dem Eingreifen der Nato fiel der Kosovo unter die Verwaltung der UN und erklärte 2008 seine Unabhängigkeit. Bisher erkennen 114 der 193 UN-Mitglieder den Kosovo an.

Der Krieg hat aber nicht nur Mitrovica gespalten, sondern auch den Club der Stadt. Heute gibt es in der Stadt zwei Teams mit demselben Namen: Im Süden trainiert der albanische KF Trepça, im Norden der serbische FK Trepča. Beide tragen Trikots in Schwarz und Grün, berufen sich auf dasselbe Gründungsjahr und werfen einander vor, die Trophäen aus alten Zeiten zu besitzen.

Eine der besten Mannschaften Jugoslawiens

Über die kann Seferi sehr viel erzählen. An einem Montagnachmittag im Februar joggen elf junge Männer in schwarzen Sporthosen und waldgrünen Trikots über Kunstrasen. In der Ramadan-Kelmendi-Straße in Südmitrovica hat die Europäische Union vor wenigen Monaten ein Fußballfeld errichten lassen. Es steht im ärmsten Viertel der Stadt und wirkt wie ein abgegrenztes Stück schönere Welt zwischen Müllbergen, die auf offenem Feld verbrannt werden. Es stinkt nach Kohle. Die wenigsten Häuser sind verputzt.

Hier, im Viertel der Roma und Sinti am Rand der Stadt, bereitet sich der KF Trepça auf die kommende Saison vor. Seferi spaziert langsam am Spielfeldrand entlang. Er ist in ein Gespräch mit Nexhmedin Haxhiu verwickelt, dem Präsidenten des Clubs. Seferi, der Profi, trainiert den Nachwuchs, Haxhiu, der Geschäftsmann, kümmert sich um neue Sponsoren. Zur Zeit Jugoslawiens, als es noch nicht zwei, sondern einen Fußballverein gab, war die finanzielle Situation deutlich besser. Mitrovica war damals die wichtigste Industriestadt des Kosovo. Der Bergwerkskomplex Trepča im Nordosten der Stadt galt als Kronjuwel der gesamten Provinz und war einer der größten Arbeitgeber Jugoslawiens. 22.000 Menschen arbeiteten um 1980 in den Minen und Fabriken, davon 14.000 aus Mitrovica selbst. Heute soll die Zahl der Angestellten auf 1.500 geschrumpft sein.

Durch den Handel mit Bodenschätzen wuchs einst für eine Saison auch die nach dem Bergbaukomplex benannte Fußballmannschaft zu einer der größten Jugoslawiens heran. "Ich habe in einer goldenen Ära gespielt", sagt Seferi, der frühere Fünfer. 1977 qualifizierte sich Trepca für die erste Liga und war damals mit Roter Stern Belgrad und Hajduk Split eine der stärksten Mannschaften Europas. Drei Jahre zuvor hatte Jugoslawien mit einem 9:0 gegen Zaire bei der Weltmeisterschaft in Deutschland den bis dahin höchsten WM-Sieg eines Nationalteams überhaupt geschafft, 1978/79 kam Roter Stern nach Siegen über Arsenal und Hertha BSC bis ins Finale des Uefa-Cups gegen Seriensieger Mönchengladbach. Trepca-Spieler standen im Kader der Nationalmannschaft.

Beste Freunde, früher

In Seferis Ligamannschaft standen – er zeigt ein Foto von 1982 – sechs Serben, fünf Albaner und vier Bosniaken. Er sieht die Namen auf ihren Trikots noch immer vor sich: Mrkić, Mašić, Turku, Rekazi. Und Marković, sein ehemaliger bester Freund. Der betreibt heute eines der wenigen Hotels im nördlichen Teil der Stadt: vier Sterne, Spa-Center, Restaurant, Wi-Fi. Manchmal treffen sich die beiden noch auf einen Kaffee und reden über die alten Zeiten. "Ich habe mit Tihomir öfter in einem Zimmer geschlafen als mit meiner Frau", sagt Seferi. "Bardhec und ich wären füreinander gestorben", sagt Tihomir. Seferi und Marković waren Teil der letzten Generation eines Fußballvereins, der bereits seit 1932 existierte. Die Gründungsväter waren serbische Minenarbeiter, die in Tunneln tief unter der Erde Blei, Zink, Silber und Gold aus dem Berg schlugen.

Heute ist im albanischen Viertel jeder Zweite arbeitslos, im Norden ist die Situation aufgrund der Unterstützung Serbiens ein wenig besser. "Wir bekommen monatlich Rechnungen für Strom, Wasser und Heizung nach Hause, müssen aber nichts davon bezahlen", sagt ein Student, der mit seinen Eltern und Geschwistern im Norden lebt. Um die serbische Bevölkerung im Kosovo zu halten, kommt Serbien ihnen mit Vorzügen wie diesen entgegen. Die Stadtverwaltung im Süden kritisiert das als verfassungswidrig.

Eine Diktatur löste die andere ab

Bis heute liegen nirgendwo in Südosteuropa mehr Bodenschätze begraben als hier. Und doch gilt der Kosovo als eines der ärmsten Länder Europas. Erst kam die Wehrmacht und zwang die Kosovaren, für ihre Kriegsrüstung zu arbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste sich die Mannschaft mit Spielen auf improvisierten Feldern zufriedengeben, Umkleidekabinen gab es nicht. Die Spieler wuschen sich gemeinsam im Ibar, der damals einfach nur ein Fluss war. Bis er zur Grenze werden sollte, verging ein halbes Jahrhundert. Ein Regime löste das nächste ab: das sozialistische Jugoslawien die Besatzung der Nazis, das Regime des serbischen Präsidenten Slobodan Milošević die Ära Tito. Und mit der Politik wandelte sich auch der Fußball.

"Ob mit oder ohne Mauer, meine Wohnung bekomme ich nie mehr zurück", sagt Shefqet Begu. Der Mann, den im albanischen Teil alle "Qeti" rufen, verwaltet die Sporthalle und ist Gründer des Trepca-Fanclubs Torcida. Sein Büro liegt direkt an der Brücke. Früher lebte er im Norden, doch seine Wohnung wurde von Serben übernommen, und er flüchtete in den Süden. Dabei ging auch seine Trepca-Sammlung verloren – Zeitungsartikel, alte Teamfotos und Notizbücher, in denen er Spielstände und Ergebnisse notiert hatte. 12.000 Albaner wurden während des Krieges aus ihren Häusern in Mitrovica vertrieben. "Alle unsere Trophäen, die wir als gemeinsames Team gewonnen haben, sind spurlos verschwunden", sagt Begu. Als die Albaner nach dem Krieg in das alte Stadion zurückkehrten, war alles weg – alte Fotoalben, Medaillen, Pokale, Urkunden. Das Gras ging den Spielern bis zur Brust. Die Feuerwehr pumpte Wasser aus dem Ibar, um das verdorrte Feld zu bewässern. In den Nachkriegsjahren diente der Platz als Landebahn für KFOR-Hubschrauber.

"Ihr könnt doch nicht in Zeiten wie diesen Fußball spielen!"

Nach zwei Jahren kehrte auch Bardhec Seferi in sein altes Stadion zurück, um die nächste Generation zu trainieren. Später wurde der kahle Bau nach Adem Jashari benannt, dem ehemaligen Anführer und Gründer der UÇK. Noch heute hängt über den Tribünen ein Foto des bärtigen Mannes in Uniform. Die paramilitärische UÇK gilt den Albanern als Befreier, für Serben ist es eine kriminelle Organisation. Man wird im Norden Mitrovicas kaum einen Serben finden, der sich ein Fußballspiel im Süden ansieht. Heute spielt der FK Trepča in der serbischen und der KF Trepça in der kosovarischen Liga. Die Serben fahren für das Training in die vier Kilometer entfernte Gemeinde Zvečan, wo die albanische Minderheit nur drei Prozent der Bevölkerung stellt. Langsam wächst auf beiden Seiten eine Generation von Fußballfans heran, die vom jeweils anderen Verein noch nie etwas gehört hat. Die Kommunalverwaltung im Süden ist nicht daran interessiert, den Austausch zu suchen: "Es kann nicht zwei Klubs mit demselben Namen geben. Das Team im Norden ist für uns eine informelle Gruppe, die Fußball spielt", sagt der albanische Sportstadtrat Fidan Ademi.

Währenddessen fragt sich die alte Generation immer noch, wo die alten Trophäen und Teamfotos aus jugoslawischer Zeit hingekommen sind. Im neuen Adem-Jashari-Stadion in der Ramadan-Kelmendi-Straße stehen nur Auszeichnungen, die man nach 2000 gewonnen hat. "Unsere Geschichte", sagt Ademi, "wurde vom Norden gestohlen."

Die Erinnerungen liegen im Norden

Keine zehn Minuten von der Ibarbrücke entfernt lagert sie im grauen Eisenschrank von Petar Milosavljević. Von außen sieht das Büro des serbischen FK Trepča aus, als wäre schon lange niemand mehr vorbeigekommen. Die Auslage ist verstaubt, das Schild mit den kyrillischen Lettern verblichen. Zwischen Fastfood-Läden, Kiosken und Plattenbauten fällt der Schriftzug gar nicht auf. Doch im kleinen Kämmerchen hinter der Auslage lebt der Geist der goldenen Fußballjahre weiter. Es ist vollgestopft mit Pokalen, Wimpeln, gerahmten Fotos und Auszeichnungen.

Milosavljević, der in die Jahre gekommene Sekretär, schlurft im Trainingsanzug zum Eisenschrank hinter seinem Schreibtisch. Seit 1954 ist er bei Trepca, zuerst als Trainer, später als Manager und Sekretär. Bis heute hat er kein Spiel verpasst. Nur in das Stadion im Süden geht er nicht mehr. "Ich möchte keine Probleme machen", sagt der 78-Jährige. Und dann: "Ich vermisse die gemeinsamen Zeiten." Als die Albaner in den neunziger Jahren das Team verlassen mussten, sagt Milosavljević, habe er wegen jedes Einzelnen geweint, besonders aber wegen Seferi, der für ihn wie ein Sohn gewesen sei. "Als ich sah, dass er nach dem Krieg noch am Leben war, musste ich wieder weinen, diesmal vor Glück."

2000 ist Milosavljević zum Präsidenten des Serbischen Fußballverbands gegangen und hat ihn um eine Bewilligung gebeten, den Club weiterzuführen. "Seid ihr verrückt geworden? Ihr könnt doch nicht in Zeiten wie diesen Fußball spielen!", soll der gesagt haben. Aber Milosavljević konnte. Auch wenn es nie wieder so werden würde wie früher. Wenn der alte Sekretär die Teamfotos in Schwarz und Weiß an den Wänden ansieht, huscht ein Lächeln über sein Gesicht. Sein Blick bleibt an einem Pokal von 1976 hängen. Im Jahr darauf hat Trepca den größten Erfolg seiner Geschichte gefeiert, ist in die erste jugoslawische Liga aufgestiegen und hat im Pokalfinale 1978 erst in der Verlängerung gegen NK Rijeka verloren.
Ein Teil der alten Trophäen stand all die Jahre über im Regal von Petar Milosavljević, ganz nah beim albanischen Team. Woran ist eine Versöhnung gescheitert: an der Überwindungskraft von Fans und ehemaligen Spielern, in den Norden zu gehen und an Milosavljevićs Tür zu klopfen? Oder am mangelnden politischen Willen, die geteilte Stadt wieder zu einen? 

Es geht zwei Schritte vor, einen zurück

In den vergangenen Monaten hat sich die Rhetorik zwischen Serbien und dem Kosovo verschärft. Im Norden Mitrovicas wurde im Dezember 2016 eine Mauer errichtet, die Albaner als Abschottungsversuch deuten. Serbische Nationalisten schickten einen Propagandazug in den Nordkosovo, auf dem in 21 Sprachen zu lesen war: "Kosovo ist Serbien." Die kosovarische Regierung entsandte ihre Sondereinheit an die Grenze, was die serbische Regierung als "Kriegsspiel" deutete. Serbiens Präsident Tomislav Nikolić drohte: "Wenn Serben im Kosovo umgebracht werden, schicken wir die Armee."

"Banale Dinge wie ein Zug oder eine Mauer haben im Nordkosovo noch immer das Potenzial, die Lage zum Eskalieren zu bringen", sagt der Balkanexperte der österreichischen Landesverteidigungsakademie, Predrag Jureković. Oliver Schmitt vom Wiener Institut für osteuropäische Geschichte stellt fest: "Die Provokationspolitik erinnert an alte Zeiten, und Serbien hat gezeigt, dass es sich so etwas wieder leisten kann."

Die Mauer in Mitrovica wurde im Februar wieder abgetragen. Medien schreiben von einem "Zeichen der Annäherung". Die Kommunalverwaltung im Norden hat jedoch angekündigt, eine neue Mauer bauen zu wollen. Mit EU-Vertretern habe man sich geeinigt, dass diese statt zwei Meter nur noch 80 Zentimeter hoch sein soll. Annäherungsversuche in Mitrovica laufen eben so: es geht zwei Schritte nach vorne und einen zurück.

2016 wurde der Kosovo in die Fifa aufgenommen und versucht sich nun für die WM 2018 zu qualifizieren. Zum Ärger von Serbien, das weit davon entfernt ist, den Kosovo anzuerkennen. Die internationalen Fußballverbände achten darauf, die beiden Länder für Qualifikationsspiele nicht in eine gemeinsame Gruppe zu losen. Milosavljević träumt bei den Trepca-Klubs dennoch weiter. "Ich möchte die beiden irgendwann in der gleichen Liga spielen sehen", sagt er. "Aber es hört ja niemand auf mich."


Eine längere Fassung des Artikels ist zuerst im Reportagemagazin Datum erschienen.