Der deutsch-türkische Fußballer Deniz Naki ist von einem türkischen Gericht zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten und 22 Tagen verurteilt worden. Naki, der für den Drittligisten Amedspor im Kurdengebiet der Türkei spielt, hatte sich vor einem Jahr auf Facebook mit den Opfern des türkisch-kurdischen Konflikts solidarisiert. Dafür wurde er zunächst vom Fußballverband für zwölf Spiele gesperrt. Und schließlich wegen Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK angeklagt. 

Schon im November stand er deshalb vor Gericht, wurde damals allerdings freigesprochen. In einer weiteren Verhandlung folgten die Richter der Argumentation der Anklage und verurteilten den Ex-Bundesligaprofi. 

Westliche Prozessbeobachter wie der Linken-Europaabgeordnete Fabio De Masi kritisieren das Gericht: "Das heutige Urteil ist bedauerlich – und absurd", sagte Masi. "Derselbe Richter, der Herrn Naki vom Vorwurf der Terrorpropaganda im letzten Jahr freigesprochen hat und damals unterstrich, dass in der Türkei Meinungsfreiheit herrsche, verurteilt ihn heute. Die Unabhängigkeit der Gerichte von der Politik in der Türkei ist nicht mehr gewährleistet"

Özcan Mutlu, sportpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag, sagte, der Fall Naki zeige, dass jeder Regierungskritiker in der Türkei mit dem Schlimmsten rechnen müsse. Allein, dass das Verfahren wieder aufgerollt worden sei, sei eine "Farce und eine Schande für die türkische Justiz".

Naki, geboren in Düren und aufgewachsen in Deutschland, hatte unter anderem für Bayer 04 Leverkusen II und den FC St. Pauli gespielt, bevor er 2013 in die Türkei wechselte. In der Heimatstadt seines derzeitigen Vereins, der Provinzhauptstadt Diyarbakır, leben viele Kurden.