Die Champions League ist ein Hort monarchistischer Superlative. In der Königsklasse greifen die Clubs, egal in welcher Sportart, nach der Krone Europas oder steigen zumindest auf dessen Thron. Sie grenzen sich ab vom sportlichen Fußvolk und zelebrieren den besten Sport ihrer Generation. Seht her, ihr Menschen, und staunet! Besser geht es nicht.

Greift man jedoch zur Fernbedienung, kommen einem erhebliche Zweifel, ob Medien und Zuschauer die royalen Veranstaltungen wirklich wertschätzen. Während die Champions League des Fußballs hoch und runter gesendet wird und das ZDF etwa horrende Summen für die Übertragungsrechte auf den Tisch blättert, ist von den Besten der anderen Sportarten kaum etwas zu sehen. Spätestens wenn Katrin Müller-Hohenstein im Aktuellen "Sportstudio" des ZDF (ja, die Anführungszeichen stehen da richtig) zum berüchtigten "Was sonst noch geschah?" ansetzt, wird klar, wie gering die königlichen Auftritte von Handball, Basketball oder auch Hockey geschätzt werden: 70 Minuten Fußball, zwei Minuten Rest.

Es ist nichts Neues in der deutschen Sportmedienlandschaft, der Fußball wird zur Monokultur, erdrückt alle anderen Sportarten, auch ZEIT ONLINE muss sich diesen Vorwurf gefallen lassen. Wie leid- und schmachvoll das ist, erfahren die Volleyballer von Berlin Recycling gerade aufs Neue. Der Club ist zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte ins Final Four der Volleyball-Champions-League eingezogen. Das letzte Mal gelang das einer deutschen Mannschaft vor zehn Jahren. Die Teilnahme am Finalturnier in Rom ist somit die größte Leistung eines deutschen Volleyballteams in diesem Jahrzehnt – dennoch dürfen die Hauptstädter nicht auf mehr als auf Müller-Hohensteins Zwei-Minuten-Resterampe und ein Extraformat im rbb hoffen.

Nichts gegen die fundierte Berichterstattung des ARD-Regionalsenders: Nur verdienen Die Meister, die Besten, Les grandes equipes, The Champions angesichts ihrer außergewöhnlichen Leistung wirklich nur einen Auftritt im Berlin-Brandenburgischen Regionalfernsehen? Würdigt man so die landesweit besten Athleten eines Sports? Doch das ist nichts Neues. Die mediale Versagensgeschichte ist – zumindest im Volleyball – lang.

Bei der WM in Polen, um nur das jüngste Beispiel zu nennen, kämpfte sich das deutsche Nationalteam mit furiosem Volleyball ins Halbfinale. Erst in der Verlängerung des Tiebreaks schieden sie gegen den Gastgeber aus. Deutschland wurde Dritter, Polen Weltmeister. Während die Volleyballer des Nachbarlandes zu Nationalhelden wurden, wussten die Menschen diesseits der Oder nicht einmal, dass eine WM stattgefunden hatte. Kein einziges Livebild wurde hierzulande gezeigt. Offenbar hatte der Deutsche Volleyballverband die Möglichkeiten der eigenen Mannschaft unterschätzt. Wie sonst ist es zu erklären, dass ihnen ein wichtiger Passus der TV-Verträge entging?

Lieber Blackburn Rovers gegen Aston Villa

Als nämlich der Münchener Sender Sport1 das Potenzial der Volleyballer erkannte – reichlich spät, aber immerhin –, nahm er das Halbfinale fix ins Programm auf. Doch kurz vor Anpfiff strich er das Match wieder aus dem TV-Plan: Der polnische Rechteinhaber, ein Pay-TV-Sender, hatte vertraglich vereinbart, dass Nachbarländer keine Partien der polnischen Mannschaft im Free-TV zeigen durften. Deutschland spielte den besten Volleyball seit Jahrzehnten – und kaum jemand bekam es mit.

Selbiges droht nun auch den Berlin Recycling Volleys. Das Champions-League-Halbfinale des Hauptstadtclubs ist nicht live im Fernsehen zu sehen. Bisher hatte Sport1 alle Spiele auf seinem Bezahlsender Sport1+ gesendet. Bloß jetzt, da das Spiel am Wochenende stattfindet, kollidiert das Event mit einem anderen, wichtigen Liveereignis: die Blackburn Rovers (22.) treffen auf Aston Villa (12.) in der englischen Zweiten Liga. Zweitklassiger Abstiegsfußball, noch dazu aus einem anderen Land, wird also der Champions League eines anderen Sports vorgezogen.

Ein Sprecher des Münchener TV-Senders erklärte dazu, dass "Sport1+ sich aus Reichweitengesichtspunkten für dieses reizvolle Duell aus der zweiten englischen Liga entschieden hat". Als privater Sender folgt man also der Marktwirtschaft statt dem Niveau. Nur was sagt das über die Zuschauer aus? Sie scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, Weltklassesport abseits des Fußballs wertzuschätzen.