Die meisten kennen ihn nur wegen der Geschichte mit dem Zahn. Als Diego Demme sein bisher erstes und einziges Bundesligator erzielte, büßte er den rechten Schneidezahn ein. "Ich hab‘ nur gesehen, wie der Zahn rausgefallen ist", sagte Demme damals, nachdem er bei seinem Kopfball den Fuß des Gegenspielers ins Gesicht bekommen hatte. Der Zahn steht mittlerweile in einer Vitrine zu Hause.

Diego wer? Das dürften sich viele gefragt haben, an denen das Dentalproblem vorbeiging. Demme ist unter den vielen No-Names, die Joachim Löw mit zum Confed Cup nehmen will, noch der unbekannteste. In Leipzig und Umgebung aber kennen ihn viele. Hier war eigentlich klar: Wenn nach Timo Werner ein zweiter RB-Spieler in den Kreis der Nationalmannschaft vorstößt, dann ist Demme die logische Wahl. Zwar sind Werner, Yussuf Poulsen oder Naby Keita die Stars, Demme ist aber einer der wichtigsten, wenn nicht vielleicht sogar der wichtigste Spieler im Kader.

Laufleistung, Einsatzwille, Zweikampfstärke. Im defensiven Mittelfeld stopft er Löcher, gibt seinen Mitspielern Sicherheit, um vorne zu glänzen. Durchschnittlich 12 Kilometer läuft er pro Spiel, wirft sich in jeden Zweikampf. Viele mögen ihn für einen Nobody halten, doch Demme steht auch für die sportliche Entwicklung beim viel kritisierten Club.

Bälle jagen

Im Januar 2014 wechselte Demme vom SC Paderborn nach Leipzig, damals noch ein Drittligist. Mit ihm stieg RB in die 2. Liga auf. Der in Herford geborene Demme war unter Alexander Zorniger gesetzt. Dann übernahm Ralf Rangnick und Demme hatte es zunächst schwer. Erst nach ein paar Monaten wurde er zur Stammkraft und blieb es. Auch in der Bundesliga. In der kommenden Saison dann wohl in der Champions League.

110 Spiele hat das 1,70 Meter große Kraftpaket mittlerweile absolviert. "Diego Demme ist ein Paradebeispiel für die Entwicklung, die bei uns stattfinden kann", sagt der Sportdirektor Rangnick über ihn. "Er ist absoluter Stammspieler und Leistungsträger und bringt die richtige Mentalität und Einstellung, gepaart mit einer guten Technik und der Fähigkeit Bälle zu erobern, mit." Bälle jagen, das ist seit jeher das Grundprinzip des Leipziger Spiels und genau Demmes Metier.

Auch sein Trainer, Ralph Hasenhüttl, lobt: "Er ist ein absolutes Vorbild. Es ist beeindruckend, wie er sich weiterentwickelt hat und nie aufhört, die manchmal auch unliebsame Arbeit zu leisten. Mit seiner Leidenschaft und seiner Laufstärke ist er prädestiniert für unseren Spielstil."

Die extreme Leistungssteigerung, die beim 25-Jährigen stattgefunden hat, beruht eben vor allem auf Fleiß und Willenskraft, aber Demme schwört auch auf vegane Ernährung. Interviews mit ihm sind oft sehr kurz, Demme ist kein Selbstdarsteller. Auf Fragen antwortet er so viel wie nötig und so wenig wie möglich, ohne dabei unhöflich zu sein. Oft wirkt er dabei gelangweilt, selten huscht mal ein Lächeln über sein Gesicht.

"Ein kleiner Gattuso"

Als Reaktion auf die Nominierung sagte Demme dann auch artig ein paar Sätze in die Kameras des Red-Bull-Medienteams. Das sei "eine neue Aufgabe", die Mannschaft habe "ein riesen Niveau" und er wolle "alles aufsaugen und es einfach nur genießen". Auf den ersten Blick mag das beliebig wirken, aber Demme ist ein intelligenter Spieler. Er weiß, dass der Medienzirkus dazugehört, mögen tut er ihn aber nicht.

Auf dem Platz ist das schöne Spiel nicht unbedingt Demmes Metier. Sein italienischer Vater hätte sich das sicher anders gewünscht. Den Vornamen Diego hat der Papa wegen seiner Liebe zum argentinischen Weltstar Maradona ausgesucht. Dabei ähnelt der Filius eher einem anderen Fußballstar, findet Nationaltrainer Jogi Löw: "Ein kleiner Gennaro Gattuso. Einer, der giftig in die Zweikämpfe geht, physisch stark ist, der die Räume gut verteidigt." Ein Raubein und Hitzkopf, wie es der angesprochene Italiener bisweilen war, ist Demme aber nicht.