Fußball - Braunschweiger Fans stürmen Feld Nach Abpfiff des Relegationsspiels Braunschweig gegen Wolfsburg rannten Fans der Eintracht auf das Spielfeld. Eindrücke im Video

Trainer und Fußballpräsidenten sagen oft, dass Fans ihre Mannschaft zu Siegen treiben können. Doch sie können auch Siege verhindern. Eintracht Braunschweig spielte im Rückspiel der Relegation gegen Wolfsburg eine richtig gute erste Halbzeit und ging voller Erwartung in die zweite. Dann knallte es im Block zweimal, einmal laut, einmal sehr laut, zwei Fans hatten wieder mal Böller in den Innenraum geworfen.

Sofort war Hektik im Stadion. Ein Ordner musste medizinisch versorgt werden, erlitt ein Knalltrauma. Der Verein meldete später, dass er wieder "dienstfähig" sei, aber er wäre nicht der erste Mensch, der von so etwas bleibende Schäden davonträgt. Der Böller war aus einem der Blöcke geflogen, in denen der harte Kern der Ultras steht, die Cattiva Brunsviga. Woher genau weiß man nicht, vielleicht war es ein Einzeltäter, der keiner Gruppe zuzurechnen ist.

Jedenfalls ereignete sich nun die spielentscheidende Szene. Der Rest des Braunschweiger Publikums wendete sich ab und rief: "Ihr seid so blöd." Die Eintracht büßte ihre Eintracht ein. Und es kann, aber es muss kein Zufall sein, dass die Mannschaft genau in diesen Momenten die Ordnung verlor und das Gegentor kassierte, das das Spiel entscheiden sollte. Nach dem 0:1 durch Vieirinha war klar, das war's. Braunschweig hätte nur gemeinsam eine Chance gegen die viel reicheren Wolfsburger, die VW-Tante, gehabt.

Braunschweig war kurz davor, Wolfsburg in die zweite Liga zu schießen. War kurz davor, sich einen Bonus zu verdienen. Mit einem Absteiger Wolfsburg hätte außerhalb Wolfsburgs kaum einer gelitten. Es wäre eigentlich sogar ganz schön gewesen. Doch dann entwerteten die Braunschweiger Fans mit Böllern, Raketen und einem unsäglichen Auftreten nach dem Abpfiff die Leistung ihrer Elf und verursachten sogar deren Niederlage.

Es sollte ja eigentlich an diesem Abend um Fußball gehen und es ließ sich auch gut an. Braunschweig hatte die Niederlage, die am Donnerstag durch einen unberechtigten Elfmeter herbeigeführt wurde, gut weggesteckt. Viel Kampf, auch ein bisschen Spiel, die Elf kam zu Chancen durch Christoffer Nymann und Ken Reichel.

Der VfL Wolfsburg schien in der ersten Halbzeit alle Klischees bestätigen zu wollen: das vom seelenlosen Gebilde, das vom überflüssigen Anhängsel, dessen Zweck es ist, gelangweilte VW-Ingenieure zu bespaßen, das von der Millionentruppe ehemaliger Deutscher Meister und Champions-League-Sieger (Gomez und Gustavo), die selbst nicht wissen, warum sie in Wolfsburg spielen – abgesehen natürlich von der monatlichen Abrechnung.

"Ich bin auch stolz"

Braunschweig hätte sich am deutschen Fußball verdient machen können. Der Trainer Torsten Lieberknecht glaubte nach dem Spiel, "Sympathien in Deutschland" gesammelt zu haben. "Ich bin auch stolz." Würde man nur das Sportliche betrachten, könnte man ihm Recht geben. Aber das Sportliche war nicht das entscheidende Thema dieses Abends.

Lieberknecht sprach nämlich auch von "Dingen, die nicht auf den Platz gehören". Diese Dinge waren die Fans, sie stürmten nach dem Abpfiff zu Hunderten den Platz. Aber nicht mit den gleichen Absichten und dem gleichen Gemüt wie die vor zwei Wochen in Köln, Hamburg, Stuttgart. Die waren beseelt, wollten feiern. Die Braunschweiger hingegen wollten die Wolfsburger vermöbeln.