ZEIT ONLINE: Herr Doktor Langenbach, wie viele ausgeschlagene Zähne mussten Sie bei dieser Eishockey-WM, die in diesen Tagen in Köln und Paris stattfindet, schon ersetzen?

Alexander Langenbach: Bisher hielten sich unsere Einsätze zum Glück in Grenzen. Insgesamt vier Mal mussten wir Spieler behandeln. Alles kleinere Geschichten. Da waren nach einem Bandencheck oder Stockschlag zum Beispiel Schneidekanten von Zähnen abgebrochen, sodass wir nur vereinzelte Zähne wieder aufbauen mussten.

ZEIT ONLINE: Dennoch grinsen viele Eishockeyspieler mit Zahnlücken in die Kameras. Sind ausgeschlagene Zähne das Berufsrisiko in dieser Sportart?

Langenbach: Ja, aber so pauschal lässt sich das nicht sagen. Es hängt davon ab, wie alt die Spieler sind und in welchen professionellen Ligen sie spielen. Die meisten jungen Spieler haben sehr gute Zähne. Sie haben teilweise noch nicht mal ein kleines Loch. Meistens tragen die jungen Spieler einen Mundschutz, der sie vor schwereren Verletzungen schützt. Bei älteren Spielern mit einer langen Karriere sieht das dagegen schon anders aus.

ZEIT ONLINE: Verraten Sie uns, wie?

Langenbach: Da gibt es dann schon die eine oder andere Lücke. Ältere Spieler tragen seltener einen Mundschutz. Außerdem ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, einen Zahnunfall zu erleiden, größer, je länger sie spielen. Da fehlt dann schon hin und wieder ein Zahn.

ZEIT ONLINE: Sie haben einen Behandlungsstuhl in der Arena, in der die Spiele ausgetragen werden. Wie wichtig ist es bei Zahnunfällen denn, dass sie schnell behandeln können?

Langenbach: Fliegt ein Zahn raus, sollte man, so schnell es geht, reagieren. Dafür gibt es sogar spezielle Zahnrettungsboxen, in denen die Zähne in einer bestimmten Flüssigkeit aufbewahrt werden, bis sie eventuell wieder eingesetzt werden können. Innerhalb einer Stunde kann man einen Ausgeschlagenen mit 90-prozentiger Sicherheit wieder repositionieren. Je länger man wartet, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, den ursprünglichen Zahn zu retten. Bei fünf Stunden sind es nur noch 50 Prozent.

ZEIT ONLINE: Ein Problem ist doch sicher, dass die Spieler – selbst wenn sie gerade einen Zahn verloren haben – nicht auf ihren Stuhl wollen, sondern möglichst schnell wieder aufs Eis.

Langenbach: So ist das. Wir entscheiden sofort und ermöglichen zunächst eine kleine Versorgung, damit die Spieler wieder aufs Eis können. Es geht also um die erste Wundversorgung. Nur bei größeren Sachen würden wir die Spieler eingehender untersuchen und aus dem Spiel nehmen.

ZEIT ONLINE: Welche Verletzungen im Mundraum sind denn typisch für Eishockeyspieler?

Langenbach: Im Wesentlichen sprechen wir hier ja über Zahntraumatologie. Dabei geht es um einzelne Zähne, die abgebrochen sind, weil die Spieler einen Ellenbogen oder einen Stock ins Gesicht bekommen haben. Es kommt vor, dass Schneidekanten von Zähnen abbrechen oder dass Zähne weit nach innen gedrückt werden, sodass wir diese wieder in ihre Ausgangslage bringen und verdrahten müssen. Aber auch Kieferbrüche oder Platzwunden an den Lippen versorgen wir.

ZEIT ONLINE: Bei kleineren Blessuren auf dem Fußballplatz gibt es meist eine kühlende Behandlung mit Eiswasser oder Eisspray, dann geht's weiter. Gibt es Vergleichbares auch bei Zahnverletzung?

Langenbach: Vereisen ist eher kontraproduktiv, das würde höllische Schmerzen auslösen. Man kann natürlich mit einer Spritze betäuben. Offene Wunden können zudem mit Fibrinkleber versorgt werden. Aber im Einzelfall muss man abwägen, ob der Spieler weitermachen kann oder nicht.

"Eine Brücke, dazu muss man allerdings auch Nachbarzähne abschleifen." © Doug Pensinger/Getty Images