Der Fußballweltverband Fifa hat die Führung seiner unabhängigen Ethikkommission um den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert abgesetzt. Eckert und der Schweizer Ermittler Cornel Borbély wurden Fifa-nahen Quellen zufolge nicht wieder für ihre Posten vorgeschlagen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Damit können sie am Donnerstag vom Kongress nicht wiedergewählt werden.

Stattdessen schlug der Fifa-Rat, das ehemalige Exekutivkomitee des Fußballweltverbands, dem Bericht zufolge den Griechen Vassilios Skouris und María Claudia Rojas aus Kolumbien für die Spitze der Ethikkommission vor. Auch der frühere Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof, Luís Miguel Poiares Maduro aus Portugal, wurde nicht wieder als Vorsitzender der Governance-Kommission vorgeschlagen.

Eckert saß der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission seit knapp fünf Jahren vor, Borbély war seit zwei Jahren Chef der Untersuchungskammer. Die beiden wollten ihre Posten für vier weitere Jahre behalten.

Die Ethikkommission um Borbély und Eckert hatte in den vergangenen Jahren gegen über 60 Fifa-Funktionäre ermittelt und unter anderen den ehemaligen Verbandsvorsitzenden Joseph Blatter sowie den früheren Uefa-Chef Michel Platini zu mehrjährigen Sperren verurteilt. Auch gegen den Fifa-Chef Giovanni Infantino hatte die Ethikkommission vergangenes Jahr ermittelt. Die Untersuchungen wurden aber nach mehreren Wochen eingestellt, weil der Schweizer nicht gegen Verhaltensregeln verstoßen habe. Intern soll Infantino sich und seine Council-Kollegen als "Geiseln" der Kontrollgremien bezeichnet haben, was er öffentlich bestreitet.

Der DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte vor seiner ersten Sitzung als Mitglied der Fifa-Regierung gesagt, dass er die Wiederwahl der renommierten Eckert und Borbély unterstütze. "Ich bin dafür, dass Eckert und Borbély ihre Arbeit fortsetzen, weil sie zur Wiederherstellung der Integrität der Fifa einen entscheidenden Beitrag geleistet haben", sagte Grindel.

Medienberichte: Ermittlungen wegen Pogba-Transfer nach Manchester

Nach französischen Medienberichten ermittelt die Fifa zudem wegen möglicher Unregelmäßigkeiten beim Rekordtransfer von Paul Pogba im vergangenen Sommer. Die Medien berufen sich auf Dokumente der Enthüllungsplattform Football Leaks. Im Mittelpunkt steht demnach der Spielervermittler Mino Raiola, der den Transfer des französischen Nationalspielers von Juventus Turin zu Manchester United eingefädelt hatte. Die Fifa teilte mit, dass das Transferabgleichungssystem TMS des Weltverbands "Informationen" angefordert habe.

An dem mit bislang 105 Millionen Euro teuersten Vereinswechsel der Fußballgeschichte soll Raiola 49 Millionen Euro verdient haben. Hintergrund der Ermittlungen soll der Verdacht auf einen Interessenkonflikt sein, weil Raiola bei dem Transfer sowohl für Juventus als auch für Manchester und den Spieler als Agent aufgetreten sein soll.