Der Fifa-Kongress ist dem Vorschlag des Fifa-Rats gefolgt und hat die Neubesetzung der Ethikkommission bestätigt. Der Rat hatte empfohlen, die Kolumbianerin María Claudia Rojas zur neuen Chefermittlerin und den ehemaligen Präsidenten des Europäischen Gerichtshofs, Vassilios Skouris aus Griechenland, zum Vorsitzenden der rechtsprechenden Kammer zu ernennen.

Beide Kandidaten wurden bei dem Treffen der 211 Mitgliedsverbände in Manama mit großer Mehrheit gewählt. Sie erhielten jeweils 188 von 194 gültigen Stimmen. Die Wahl galt als Formsache. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) enthielt sich nach eigenen Angaben.

Der Wahl ging die Absetzung der ehemaligen Führung unter dem Schweizer Cornel Borbély als Chefermittler und dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer zuvor. Die Absetzung war von Borbély und Eckert selbst sowie in der internationalen Medienöffentlichkeit kritisiert worden.

Der Fifa-Kongress stimmte zudem über die Governance-Kommission ab, die die politische Integrität der Fifa-Strukturen überwacht. Der Portugiese Luís Miguel Poiares Maduro wurde als Chef der Behörde abgesetzt und durch den Inder Justice Mukul Mudgal ersetzt. DFB-Vizepräsident Rainer Koch wurde als neues Mitglied in das Gremium aufgenommen – mit 97 Prozent Zustimmung.

Der DFB ist sowohl im Fifa-Kongress als auch über Präsident Reinhard Grindel im Fifa-Rat vertreten. Grindel hatte die Empfehlung des Rats für die Neubesetzung der Ethikkommission mitgetragen, bedauerte aber das Verfahren. Er hätte sich gewünscht, "dass der Prozess der Neubildung der einzelnen Kommissionen – Ethik, Governance und Disziplinar – transparenter gewesen wäre", sagte Grindel. Die Vorschlagslisten hätten früher bekannt gegeben werden müssen. Er habe sie erst gesehen, als er im Fifa-Rat über sie entschieden hatte. "Das ist sicherlich nicht das, wie wir in Zukunft solche sensiblen Entscheidungen durchführen sollten."

Wahl könnte angefochten werden

Wegen dieser späten Bekanntgabe der Listen könnte der Fifa-Rat sogar gegen Fifa-Statuten verstoßen haben. Die personelle Liste für die Besetzung der Kommissionen habe nicht wie vorgesehen vier Monate vor der Wahl der Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura vorgelegen, bestätigten Fifa-nahe Quellen. Das wird damit begründet, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichend Personalvorschläge durch die Konföderationen gegeben hätte. Experten zufolge könnte die Wahl des Kongresses daher angefochten werden. 

Grindel hatte sich aber nicht nur gegen das Verfahren, sondern auch gegen den Inhalt der Wahl selbst ausgesprochen. "Ich habe vor der Entscheidung gesagt, dass es ein schlechtes Zeichen für den Reformprozess wäre, wenn Herr Eckert und Herr Borbély nicht in ihren Ämtern verbleiben", hatte der DFB-Präsident im ZDF-Morgenmagazin noch vor der Abstimmung des Fifa-Kongresses gesagt. Die Reaktionen auf die Absetzung würden seine Meinung bestätigen. Dennoch sagte Grindel, dass die neuen Chefs, Rojas und Skouris, eine faire Chance verdient hätten.

Fifa-Präsident Gianni Infantino begründete die zahlreichen Änderungen in den Gremien damit, dass alle Regionen vertreten sein sollten. "Die Fifa ist kein deutsch-Schweizer Verein", sagte er.

Ex-Spitze kritisiert Verfahren

Eigentlich wollte die bisherige Führung der Ethikkommission ihre Stellung für vier weitere Jahre behalten. Der Fifa-Rat hatte den Borbély und Eckert allerdings nicht für eine Wiederwahl nominiert. Eckert war knapp fünf Jahren im Amt, Borbély zwei.

Borbély und Eckert kritisierten die Entscheidung als politisch motiviert. Die Verfolgung von mehreren Hundert offenen Fällen im Fifa-Skandal sei gefährdet, die Reformen würden um Jahre zurückgeworfen, sagte Borbély. Die Ethikkommission hatte in den vergangenen Jahren gegen mehr als 60 Fifa-Funktionäre ermittelt und dabei den ehemaligen Verbandsvorsitzenden Joseph Blatter sowie den früheren Uefa-Chef Michel Platini zu mehrjährigen Sperren verurteilt.

Fifa - Infantino bekennt sich zur Korruptionsbekämpfung Diejenigen, die sich bereichern wollten, müssten den Fußball verlassen, sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino. © Foto: Hamad I Mohammed/ Reuters