Die jüngsten Nachrichten rund um die Fifa, auf die Schnelle gegoogelt:

Unter Sepp Blatter waren in der Fifa Korruption und Vetternwirtschaft monumental gewuchert. Mit mir wird alles besser, versprach Gianni Infantino, als er vor gut einem Jahr gewählt wurde. Und machte einfach weiter wie bisher. Vor einem Jahr warf der Chefaufseher Domenico Scala hin, weil er seine Ideen über Good Governance unter Infantino nicht umsetzen konnte. Nun trennt sich Infantino von den zwei wichtigsten Reformern, Cornel Borbely und Hans-Joachim Eckert. Wenn es noch einen Beweis gebraucht hat, der bezeugt, dass der Sauhaufen Fifa ein Sauhaufen bleibt – hier ist er.

Der Münchner Richter Eckert leitete fünf Jahre die Spruchkammer. Anfangs wurde er skeptisch bewertet, doch seine Kritiker hat er längst widerlegt. Auch dem Züricher Staatsanwalt Borbely, der der Untersuchungskammer vorsaß, hat der Fußball viel zu verdanken. Die Chefs der beiden Ethikkammern hatten in den vergangenen Jahren rund vierzig Fifa-Bosse wegen verschiedenster Verstöße suspendiert.

Sepp Blatter, Michel Platini, Jérome Valcke, Jack Warner oder Wolfgang Niersbach mussten ihre Karrieren beenden. Endlich räumte jemand auf in dieser kriminellen Organisation. Borbely und Eckert jagten Großwild. Von ihrem Ende erfuhren sie übrigens aus den Medien, nach der Landung in Bahrain, wo dieser Tage der Fifa-Kongress stattfindet. An einem Ort, an dem man vermutlich nicht aus dem Hotelbett heraus verhaftet wird.

Es wurde kolportiert, sie seien zu teuer gewesen. Mal nachgerechnet: Im Vorjahr kostete Borbelys Kammer die Fifa 1.635.353 US-Dollar, Eckerts Kammer schlug mit 1.545.687 Dollar zu Buche. Es waren also jährlich nur gut 3 Millionen Dollar, die die Fifa für die wichtigste Aufgabe im Weltfußball im Jahr ausgab, die Korruptionsbekämpfung. Das sind nicht mal zehn Prozent der 2016 für Rechtskosten getätigten Ausgaben. Borbely und Eckert waren jeden Cent wert. Geld hat die Fifa ja, die Saläre der Ratsmitglieder, so ist unwidersprochen zu lesen, sollen von 300.000 auf 450.000 Schweizer Franken pro Jahr erhöht werden.

Angeblich, hieß es aus dem Inneren der Fifa, hätten sich Borbely und Eckert nicht zur Wiederwahl angemeldet. Doch Borbely widersprach: "Wir haben viele laufende Untersuchungen, das wirft die Reformen um Jahre zurück." Sie wollten weiter ermitteln und richten.

Weitere Ermittlungen – vielleicht ist das das Stichwort, mit dem man der wahren Ursache der Trennung näher kommt. Auch Infantino stand im Fokus von Borbely und Eckert. Seine Privatreisen und andere Eskapaden ließen sie ihm zwar durchgehen, aber erst nach langer Prüfung. Womöglich störte sich auch der Machtzirkel Infantinos an den beiden. Leute wie der Russe Witali Mutko, Kuwaiter Ahmad Fahd al-Ahmad as-Sabah und Ahmad Ahmad, der neue Afrika-Chef aus Madagaskar, halten nicht viel von Ethik. "Unsere Absetzung", sagte Borbely, "war ausschließlich politisch motiviert".

Den Vergleich mit der Fifa hat Trump nicht verdient

Es ist ein fast faszinierend abgezocktes Manöver von Infantino, aber auch durchschaubares und riskantes. Gerade wenn man bedenkt, dass die US-Justiz unter dem Antimafiagesetz gegen die Fifa ermittelt. Auch die Politik schaut hin, aus dem Europarat verlautete es vor Monaten, unter Infantino seien keine Reformansätze zu erkennen. Offenbar will Infantino sogar dem 37-köpfigen Fifa-Rat Macht entziehen und den Ratsausschuss aufwerten, in dem neben ihm nur sechs weitere Mitglieder sitzen. "Der Ethik-Code", sagte Borbely, "ist nun ein wertloses Stück Papier." Eckert sprach von einer "extremen Gefährdung der Reform".

Blamiert ist auch die neue Generalsekretärin der Fifa, Fatma Samoura. Sie hatte vor wenigen Wochen Borbely und Eckert Unterstützung zugesagt. "Zu 100 Prozent." Eine Niederlage ist dies auch für den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. Er tritt der Fifa in einer kritischen Phase bei, er ist neu im Sumpf. Er hatte sich, wenn auch wankelmütig, für die zwei Juristen ausgesprochen. Oft hört man, es sei gut, wenn der deutsche Fußball in der Fifa wieder mehr Einfluss gewinne. Aber den hat er nicht.

Nun ziehen viele eine Parallele zu Donald Trump. Auch er hat, fast zeitgleich, einen Ermittler entlassen, der ihm auf der Spur war. Aber bei aller berechtigter Kritik am amerikanischen Präsidenten – den Vergleich mit der Fifa hat er nicht verdient.