Pep Guardiola hat in seiner ersten Saison als Trainer des FC Bayern München an entscheidender Stelle dem Rat seiner Spieler vertraut – und ist damit gescheitert. Das sagte Bayern-Kapitän Philipp Lahm im Interview mit der ZEIT. Beim Champions-League-Halbfinale, das Bayern 2014 zu Hause gegen Real Madrid mit 0:4 verlor, habe Guardiola "sechs von uns vor dem Spiel zu sich geholt und gefragt, wie wir agieren wollen", erinnert sich Lahm in dem Gespräch. Die Mannschaft sei allerdings anderer Meinung als der Trainer gewesen.

"Zu diesem Zeitpunkt war Pep Guardiola der Meinung, die Spieler müssen sich wohlfühlen, also hat er entschieden, wir spielen so, wie die Mannschaft es wollte", sagte Lahm. Nach der Niederlage war Guardiola für die Wahl seiner Taktik stark kritisiert worden.

Lahm nimmt in dem Gespräch seinen früheren Trainer in Schutz. "Danach wurde es so ausgelegt, als funktioniere sein System nicht. Aber eigentlich war es gar nicht sein System." Jeder hätte sehen können, "dass das niemals Peps Spiel sein kann". Guardiola habe seine Lehre aus dem Debakel gezogen und dieses Verfahren nie mehr wiederholt. "Und er wird es wohl nie mehr so machen."

Kritik an Uli Hoeneß

In dem Gespräch erneuert Lahm, der nach der Saison seine Profi-Karriere beenden wird, im Zusammenhang mit seiner gescheiterten Berufung zum Sportdirektor des FC Bayern seine Kritik an Uli Hoeneß. "Ich bin auf Kooperation aus, arbeite gerne zusammen, will die Stärken von allen nutzen, weil man so besser die Schwächen von manchen ausmerzen kann. Das ist meine Denkweise, so bin ich, so bin ich groß geworden, und so habe ich es in den letzten Jahren versucht", sagte Lahm. Nur so könne man "das Gefüge zusammenhalten: indem man akzeptiert, dass andere auf einigen Gebieten besser sind, als man selbst. Und ich glaube, das gilt auch für andere Bereiche des Unternehmens."

Auf die Frage, ob es in dieser Führungsfrage einen Konflikt mit Uli Hoeneß gebe, antwortet Lahm: "Jetzt nicht mehr." Er sei "überhaupt nicht nachtragend", dass seine Berufung zum Sportdirektor nicht zustande gekommen sein. "Mein Gefühl sagte mir einfach, Uli Hoeneß ist so sehr voller Tatendrang, da ist, erst mal, kein Platz mehr für mich."