Geht Aubameyang für 70, 80 oder 100 Millionen Euro nach Paris? Kosten die Champions-League-Rechte die TV-Sender 100 Millionen im Jahr oder das Fünffache? Fußball ist ein großes Geschäft, jedes Kind weiß das, man liest solche Nachrichten täglich.

Gleichzeitig kostet der Fußball den Steuerzahler viel Geld. Ohne Großaufgebote der Polizei kann kaum ein Spiel in der Bundesliga stattfinden. Dieser Sport zieht immer auch viele Fans an, die gegen Gesetze verstoßen und die andere gefährden. Zuletzt mal wieder die von Dynamo Dresden, die zu Tausenden im Army-Look in Karlsruhe einmarschierten und dort auch plünderten. Vor wenigen Monaten griffen Dortmunder Fans unbedarfte Gäste aus Leipzig an, darunter Frauen und Jugendliche.

Nach internen Angaben entfalle jede dritte Arbeitsstunde der nordrhein-westfälischen Bereitschaftspolizei nur für die Sicherheit im Fußball. Bis in die fünfte Liga geht das, Woche für Woche und nicht wie das Oktoberfest zwei Wochen im Jahr. Es gibt Hochrisikospiele, die von tausend Beamten gesichert werden. Es fühlt sich ungerecht an, wenn die Öffentlichkeit den Schutz dieses Business alleine zahlt. Zunehmend fragen sich nicht nur Fußballgegner, warum beispielsweise bei einem Spiel im Basketball nicht mehr als zwei Polizisten nötig sind – die dabei noch ein Eis essen können.

So dachte auch das Land Bremen. Es stellte der Deutschen Fußball Liga, der Vereinigung der Bundesliga-Clubs, für das Spiel Bremen gegen Hamburg vor zwei Jahren rund 425.000 Euro in Rechnung. Es war zu Massenschlägereien mit Verletzten und Sachschäden gekommen. Die DFL zahlte nicht, klagte und gewann. Das Verwaltungsgericht Bremen gab der DFL recht und auch wenn noch einige Instanzen folgen werden, dürfte es bei diesem Urteil bleiben.

Es gibt nämlich für die Stadt Bremen kaum ein gutes juristisches Argument. Ja, es gibt Fälle, dass jemand Gebühren für Polizeieinsätze zahlen muss. Für Gefahrentransporte fallen für Unternehmen Gebühren an, wenn sie von der Polizei gesichert werden. Entläuft dem Zirkus ein Elefant und die Streife fängt ihn, wird der Direktor zur Kasse gebeten.

Ein Fußballverein kann keine Gymnastikwettbewerbe veranstalten

Und die (wenigen) Juristen, die eine Beteiligung des Fußballs an den Kosten befürworten, führen den sogenannten Zweckveranlasser ins Feld. Das klassische Beispiel: Ein Ladenbesitzer präsentiert in seinem Geschäft Unterwäschemodels, vor seinem Schaufenster versammeln sich regelmäßig viele Menschen und legen den Straßenverkehr lahm. Der Ladenbesitzer tut, wie der Fußballverein, nichts Verbotenes, die Polizei darf ihm dennoch untersagen, weiterzumachen.

Aber diese Analogie ist zu unscharf, um einen Richter zu überzeugen. Der Ladenbesitzer könnte ja was anderes ins Schaufenster stellen, Puppen zum Beispiel. Den Fußballverein wird man aber kaum dazu zwingen können, Dressurreitturniere oder Gymnastikwettbewerbe zu veranstalten, damit halt nicht 50.000 oder mehr Menschen aller Schichten ins Stadion pilgern.

Vielmehr sticht in diesem Streitfall das Grundgesetz: Der Staat zahlt die Polizei, er hat das Gewaltmonopol, Ordnung und Gefahrenabwehr sind hoheitliche Aufgaben, zumindest im öffentlichen Raum. Randalierende Fans sind seine Sache. Auch wäre es hochriskant, wenn der Staat Sicherheit an private Dienstleister outsourcen würde.

Rechtlich muss sich die DFL also keine Sorgen machen. Sie könnte jedoch aus politischen Gründen noch mal nachdenken. Das Prinzip ist zwar im Fußball unbekannt, aber niemand hindert den reichen deutschen Fußball daran, sich freiwillig an den hohen Kosten zu beteiligen. Ohne ihn gäbe es sie nicht.