Um den Friedensprozess im Nahen Osten voranzubringen braucht es Courage oder vielleicht Menschen wie Gerhard Schönbacher: "Wenn es in der Menschheitsgeschichte niemanden mit Visionen gegeben hätte, dann hätten wir wahrscheinlich noch kein Licht und kein Auto und wären auch nicht auf dem Mond gewesen", sagt der Österreicher. Das ist die Kategorie, in der er denkt und wahrscheinlich braucht es das auch. Sein Mondflug ist die Middel East Peace Tour. Ein Radrennen, das ab 2018 mit 500 Teilnehmern stattfinden soll und in sieben Etappen über 700 Kilometer durch Jordanien, Ägypten, Israel und Palästina führen wird. Zunächst ist die Tour auf fünf Jahre geplant. Eine Friedensfahrt auf dem Rad, wenn alles klappt.

Schönbacher ist ein früherer Tour-de-France-Teilnehmer und richtet nun Radrennen in Österreich und Australien aus. Nun also der Nahe Osten. Ende April teste er mit einem Probelauf auf der Originalstrecke, um zu sehen, ob sein Vorhaben realistisch, naiv oder beides ist.  

Das schaffen, was der Politik nicht geglückt ist

Was sich jetzt schon sagen lässt: Den Start zur Tour de France, der in einigen Wochen in Düsseldorf sein wird, schlägt die geplante Middle East Tour: In Amman geht es im antiken römischen Theater los. Vor den steinernen Rängen des Halbrunds drehen knapp zwei Dutzend Radsportler ihre Runden. Schönbacher sieht den nächsten März bereits vor sich: "Das Einschreiben könnte man ja sogar auf der alten Bühne des Amphitheaters veranstalten", sagt er und breitet die Arme aus. Dann legt er den hehren Gedanken seines Rennens dar, den fast alle auf dieser Testreise wiederholen werden: "Ich möchte, dass durch das Rennen der Gedanke des Friedens transportiert wird. Vielleicht erreicht er mit den vielen Menschen, die durch den Sport zusammenkommen, tatsächlich etwas, was Politik und Religion nicht geglückt ist."

Auch beim Probelauf treffen schon Europäer auf Jordanier. Etwa 15 Sportler aus Europa testeten die Strecken vorab, unter ihnen ist auch Annemiek van Vleuten, Profi aus den Niederlanden und amtierende Zeitfahrmeisterin ihres Landes. Auf dem Platz vor der Arena in Amman spielt eine lokale Musikgruppe. Mittendrin die Radsportler. Zum Beispiel die 14-jährige Haya, Mitglied einer jordanischen Trainingsgruppe: "Ich liebe den Radsport, ich genieße das. Manchmal fahre ich mit dem Rad auch zur Schule", sagt sie, "und wir haben täglich Training, mal 100 Kilometer, dann 60, 70, so etwa. Wir sind vier Mädchen in der Gruppe, trainieren aber auch gemeinsam mit den Jungs."

Der Test in Ägypten fällt weg

Dann geht es für Schönbacher und den Tross weiter. Die zweite Tourstation soll die Felsenstadt Petra sein, ein Monument der Antike. Emad Hijazeen, Chef des Nationalparks, in dem sich die Anlage der vorrömischen Stadt befindet, ist zum Zieleinlauf gekommen. "Das Rennen ist eine wunderschöne Sache für uns", sagt er. "Wir brauchen den Tourismus aus wirtschaftlichen Gründen, er bringt aber auch Menschen zusammen. Und der Sport auch. Ich freue mich also darüber, wenn das Rennen bei uns Station macht." Sport und Tourismus könnten eine Normalität kreieren, die den Frieden greifbarer macht. So sieht es Hijazeen und auch der Österreicher Schönbacher.

In Ägypten, wo im März 2018 die vierte Etappe, ein Einzelzeitfahren am Ufer des Roten Meeres rings um Taba, ausgetragen werden soll, konnte diese Normalität nicht getestet werden. Die Grenzen waren wegen der Anschläge in Alexandria und Tantra im März geschlossen.