Wer spielte wie gegen wen?

FC Bayern München – SC Freiburg 4:1
Eintracht Frankfurt – RB Leipzig 2:2
Borussia Dortmund – Werder Bremen 4:3
TSG Hoffenheim – FC Augsburg 0:0
1. FC Köln – FSV Mainz 05 2:0
Hertha BSC – Bayer Leverkusen 2:6
Borussia Mönchengladbach – SV Darmstadt 98 2:2
FC Ingolstadt – FC Schalke 04 1:1
Hamburger SV – VfL Wolfsburg 2:1

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Hamburg gegen Wolfsburg, das neueste Sequel des Gruselschockers aus der Dino-Reihe. Vorausgegangen waren zwei Megablockbuster mit dem Bösewicht HSV. Im ersten Teil aus dem Jahr 2014 schlotterte der HSV in der Relegation in Fürth mit zwei Unentschieden über die Ziellinie. Im zweiten Teil verkrochen sich die Zuschauer ein Jahr später vor Schreck und Schaudern noch tiefer in die Sessel: Der HSV traf in der Karlsruher Nachspielzeit per umstrittenem Freistoß.

Der dritte Teil, der am vorigen Samstag aufgeführt wurde, war auch gut. Erst der Last-minute-Ausgleich in Schalke vor einer Woche: das 2:1-Siegtor kurz vor Abpfiff, obwohl der HSV wieder mal schwer rumkickte und kaum öfter als diese zwei Mal aufs Tor schoss. Danach Platzsturm, die Polizei ritt auf Pferden auf den Rasen, Pierre-Michel Lasogga wurde von einem Ordner abgeführt, weil der ihn für einen Fan hielt. Offenbar erkennt man den Profisportler nicht an seiner Figur. Dino 3 war schon wieder dolles Kino, konnte aber nicht ganz an die beiden Vorgänger heranreichen. War ja nicht mal Relegation, war ja Rettung in der regulären Saison. Klar, immer Relegationsdrama, das sind hohe Ansprüche. Aber der HSV hat das Publikum nun mal verwöhnt, hat die Maßstäbe hochgelegt. Nun bietet er rotuinierten Grusel. An Wirkung verlor der dritte Teil auch, weil der Gegenspieler dieses Mal nicht ein sympathischer Außenseiter war, dem alle Herzen zuflogen. Sondern Wolfsburg. Die Rolle des Guten war unpassend besetzt.


Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bayern gegen Freiburg. Aus mehreren Gründen. Wegen der roten Janker, die die ehemaligen Bayern-Größen wie Ballack, Pflügler oder Salihamidžić zum Spalier der aktuellen Meister trugen. Man wusste nicht, ob man die Dinger hässlich oder spießig oder beides finden soll. Wegen Anastacia, die in der Pause sang, und die nicht nur ein Lahm-Trikot trug, sondern offenbar auch eine Lahm-Jeans. Im Original. Wegen der auch die zweite Halbzeit zum berechtigten Ärger Christian Streichs sieben Minuten verschoben wurde. Wegen der Choreografie, die der Verein bei einer Eventagentur anlässlich des Abschieds eines verdienten Spielers in Auftrag gegeben hatte. Wegen der GoPros, die wie im Vorjahr an den Gläsern für die Weizenbierdusche (Wegschütten ist das Beste, was man mit Weizenbier machen kann) befestigt waren. Und überhaupt, wieder schossen die Bayern zwei Tore in der Nachspielzeit. Bitte in der nächsten Saison aufhören damit.

Vor allem aber musste man wehmütig werden. Xabi Alonso ging, der etwa in der Zeit von 2004 bis 2012 zu den drei besten Mittelfeldspielern der Welt zählte und auch als Ü-30 gefiel. Und natürlich wegen Philipp Lahm, dem Größten unserer Zeit, der unter Tränen und unter dem Applaus des Weltadels des Fußballs ging. Gigi Buffon sendete Videogrüße. Jorge Valdano, argentinischer Weltmeister, pries in der SZ Lahms Diskretion: "Man sah ihm nie an, wie unermüdlich er war. Man konnte meinen, dass er sogar sein Talent verbarg." Auch Fernando Torres würdigte seinen ehemaligen Gegenspieler: "Ich glaube, dass Lahm vielen anderen deutschen Spielern die Augen geöffnet hat: dass sie andere Charakteristiken haben können als die, die man bei Deutschen voraussetzt." Hermann Gerland sagte: "Wenn Philipp Lahm Fußball spielt, das ist wie 'ne Currywurst von Dönninghaus." 

Der Fußball wird ohne die Strategen Alonso und Lahm weitergehen, aber er könnte nicht nur ein bisschen schlechter, sondern auch ein bisschen dümmer werden.

Wer stand im Blickpunkt?

Pierre-Emerick Aubameyang. Der holte sich die Kanone, die Auszeichnung für den besten Torjäger. Am letzten Spieltag traf er zwei Mal. In seinen vier Dortmunder Jahren steigerte er sich jeweils, nun hat er 31 Tore. Damit hat er den Vereinsrekord von Lothar Emmerich von 1966 eingestellt. Die zwei sind auch sonst ähnliche Typen. Aubameyang traf zunächst bei einem der elegantesten Tore der Saison nach einer balletthafen Pirouette en dehors, einer ganzen Drehung vom Standbein weg. Dann versenkte er kurz vor Schluss einen Elfmeter. Wobei der BVB ein bisschen pokerte. Marco Reus hatte zuvor schon vom Punkt getroffen, einen erfolgreichen Schützen zu wechseln, ist ungewöhnlich. Hätte Aubameyang verschossen, wie zuletzt häufig, hätte das die Dortmunder Platz 3 kosten können. Ob sich der Gabuner bei dem Verein mit Treue bedankt, ist unklar: Der Übersetzer des Field-Reporters zuckte zusammen, statt zu übersetzen, schaute ihn an, hob die Brauen und fing an, mit ihm zu diskutierten.

Robert Lewandowski, der vor dem Spieltag die Torliste angeführt hatte, ging dagegen leer aus. Zwar ist er der erste Spieler der Bundesliga-Geschichte, der mit 30 Toren kein Torschützenkönig wurde, und der erste seit Gerd Müller, der zwei Mal hintereinander mindestens 30 Tore schoss. Trotzdem war Lewandowski auf der Meisterfeier ein bisschen geknickt. Eine letzte Chance, wenigstens mit Aubameyang gleichzuziehen, vergab er, als eine Flanke in der Bavarian Time (engl. für überlange Nachspielzeit) bei ihm landete. Doch sein Kopfball erreichte nur Joshua Kimmich, der dann traf. Es sah fast so aus, als hätte Lewandowski mit Absicht aufgelegt.