Vor sechs Tagen präsentierte RB Leipzig einen neuen Spieler. Bruma heißt er, ein portugiesisches Talent von Galatasaray Istanbul. RB postete ein Foto, wie Bruma seinen Vertrag unterschrieb, und eröffnete ungewollt einen Blick in sein Innenleben: Auf dem Leipziger Schreibtisch standen Salzburger Mozartkugeln.

Ein Zufall natürlich, Mozartkugeln sind ja auch äußerst lecker. Aber in der von Red Bull geschaffenen Fußballwelt sind sie ein pikantes Detail, keine Peanuts. Denn eigentlich sollte Leipzig und Salzburg nichts mehr verbinden.

So bestätigte es zumindest die Uefa. Sie gab am Dienstag bekannt, dass RB Leipzig und der kleine Bruderclub aus Salzburg in der Champions League starten dürfen. Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden. Denn Artikel 5 der Champions-League-Regularien (PDF) regelt die Integrität des Wettbewerbs. Das Kernanliegen: Die gleichen Leute dürfen nicht mehr als einen Verein im gleichen Wettbewerb steuern. Die Uefa untersuchte. Das Ergebnis: Alles sauber.

Wieder gewinnen die Dreisten. Die Entscheidung belegt erneut, wie Red Bull die Regeln der Fußballverbände maximal ausreizt, sie austrickst und damit den Wettbewerb gefährdet. Dass beide zugelassen wurden, erinnert an die Zeit, als die Deutsche Fußball Liga (DFL) RB Leipzig lizenzierte und lächerliche Logoänderungen als ausreichend akzeptierte. Die DFL fürchtete um ihre 50+1-Regel, die RB mit einer Klage womöglich zu Fall gebracht hätte, und kam daher dem Brausehersteller entgegen. Für viele Fans ist das der größte Sündenfall der jüngeren Fußballgeschichte. 2013 war das. Die Uefa ist offenbar ähnlich sorglos. Zu diesem Spiel gehören ohnehin beide: Red Bull, die Schlupflöcher mit dem Bulldozer einrennen, und die Verbände, die mit sich spielen lassen. Formell verhielt sich RB wohl korrekt, doch den Geist der Regel lebt die Uefa-Entscheidung nicht.

Der Deal mit Leipzig ist möglich, weil der andere Club, RB Salzburg, formell jetzt wieder ein von Red Bull unabhängiger Club ist. Red Bull sei nur noch in Leipzig aktiv, Salzburg hatte seine Satzung und sein Personal geändert. Red Bull drückte seinen Anteil am Club dann so weit, dass die Firma auf dem Papier nur noch Hauptsponsor und nicht mehr bestimmende Partei sind. Red Bull tut so, als sei Salzburg wieder eigenständig. Und die Uefa glaubt es.

Eigentlich ist es die Aufgabe der Uefa, ihren Wettbewerb zu schützen. Doch die Änderungen, die beide Clubs in den vergangenen Monaten vornahmen, um in die Champions League zu kommen, wirken wie Maskerade. Leipzigs Vorstand Oliver Mintzlaff zum Beispiel wurde erst im Frühjahr als Global Head of Soccer aller Red-Bull-Filialen abgezogen. Ein Kniff, wie so vieles, was RB unternimmt, um seine Investments wie gewöhnliche Vereinstätigkeiten aussehen zu lassen.

Stimmen die Berichte, gibt es weiterhin enge Absprachen von Leipzigs Kernfiguren Ralf Rangnick und Oliver Mintzlaff mit der Salzburger Filiale. Ralf Rangnick war bis 2014 Sportdirektor von beiden Clubs und sagte 2014 Sätze wie diesen: "Wenn wir einen Spieler entdecken, dann geht es nur noch darum, dass ich entscheiden muss, ist es eher einer für Salzburg oder eher einer für Leipzig." Spieler werden schon seit Jahren wie Figuren zwischen den Clubs hin- und hergeschoben.

Als RB Salzburg im vergangenen Juli in der Champions-League-Qualifikation scheiterte, lief Salzburgs Andreas Ulmer aus Versehen in der zweiten Hälfte mit einem Leipziger Trikot auf.

Der Verdacht liegt nahe: Red Bull entscheidet, was in Leipzig passiert, und Red Bull entscheidet noch immer, was in Salzburg passiert. Etwas anderes zu glauben wäre naiv. Wenn nun Leipzig in der Champions League auf Salzburg trifft, könnten Torwartfehler oder Schiedsrichterentscheidungen zu unangenehmen Diskussionen führen. Die Integrität des Spiels ist gefährdet.