Wer noch immer nicht verstanden hat, worum es im Fußball geht, dem dürfte es spätestens heute klar geworden sein. Die Champions League wird ab 2018 nur noch im Pay-TV zu sehen sein. Ronaldo, Messi, Pogba, der beste Fußball der Welt verschwindet hinter einer Bezahlschranke. 70 Millionen pro Jahr soll das ZDF, das die Rechte bisher innehatte, geboten haben. Da konnten sie bei der Uefa nur grinsen. Dem Vernehmen nach zahlen Sky und DAZN, die sich die Rechte für Deutschland gesichert haben, 600 Millionen für drei Jahre, das Dreifache also. Der britische Sender BT Sport soll für seinen Markt gar 1,4 Milliarden zahlen. Dem Ausrichter der Champions League ist es schlicht egal, ob der gemeine Fernsehfan zuschauen kann. Es geht ums Geld und ums Geld und vor allem: ums Geld.

Es werden also noch mehr Milliarden in den schon jetzt völlig absurd aufgepumpten Fußballzirkus gepumpt. Die TV-Gelder sind längst die wichtigste Einnahmequelle der großen Clubs. Mehr Geld vom Fernsehen bedeutet noch höhere Ablösesummen, noch dickere Gehaltschecks, noch schnellere Fußballerautos. Aber nicht deswegen ist dieser Tag ein guter Tag für den Fußball. Sondern weil sich das Wesen des Business selten so klar zeigt wie in diesem Fall. Aber auch, wie man es ein wenig erden könnte.

Jetzt könnte es nämlich spannend werden. 70 Prozent der Fußballfans sehen die Grenze der Kommerzialisierung ihres Sports erreicht, so stand es kürzlich in einer Studie. 83 Prozent warnen, der Fußball entferne sich zu weit vom Fan. Es ist in diesen Monaten ein seltsames Unbehagen zu spüren ob der Auswüchse des Geschäftes. Schon längst wird debattiert, ob der Fußball gerade zu weit geht, nicht nur von Fußballromantikern. Selbst Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, warnte davor. Wohl weniger aus moralischen, denn aus geschäftlichen Gründen, aber das muss kein Widerspruch sein. Am Samstag beim Spiel gegen San Marino kamen nur 32.467 Zuschauer, um ein Pflichtspiel der DFB-Elf zu sehen. So wenig wie seit 2001 nicht mehr.

Gleichzeitig auf Helene Fischer pfeifen, passt dann nicht mehr

Es klingt platt, aber die Fans haben es in der Hand. Sie sind die Konsumenten, sie haben die Macht. Sie können ihre Ablehnung an der Stadionkasse artikulieren, und nun eben auch vor dem Fernseher. Indem sie ein Abo fürs Bezahlfernsehen abschließen oder eben nicht. Beim ZDF, das sich durch Gebühren finanziert, hatte der Zuschauer keinen Einfluss. Nun ist die Sache offensichtlicher, die Lösung auch. "Abschalten", sagte Peter Lustig stets am Ende von Löwenzahn

Fürs Fernsehschauen bezahlen und gleichzeitig Helene Fischer auspfeifen, weil der Fußball doch ach so kommerziell geworden ist, funktioniert dann nicht mehr. Fans können das Rädchen aufhalten. Sie entscheiden nun, ob sie das ultimative Hochglanzprodukt Champions League noch glänzender machen. Sie entscheiden, ob sie das Gehalt von Fußballern wie Cristiano Ronaldo mitfinanzieren wollen, der es dann wiederum mit allerlei Tricks versucht am Fiskus vorbeizuschmuggeln. Sie entscheiden, ob sie das Ungleichgewicht zwischen den Spitzenclubs und dem Rest weiter vergrößern, schon jetzt sind die Dauergäste in der Champions League der Konkurrenz in den heimischen Ligen so weit enteilt, dass viele Ligen etwa so spannend sind wie ein Tanztee im Seniorenheim.

Das war ja noch was von wegen Bildungsauftrag

Das kann man alles machen und dabei im Fernsehsessel sitzend vor sich hin murmeln, dass man doch einfach nur guten Fußball sehen wolle. Sich aber gleichzeitig über das pervertierte Fußballbusiness zu mokieren, ist bigott. Man darf sich natürlich keiner Illusion hingeben, die meisten Fans werden genau das tun. So wie wir Massentierhaltung ablehnen, unsere Wurst aber beim Discounter kaufen. So wie wir den Klimawandel blöd finden, und schon den nächsten Städtetrip mit dem Billigflieger geplant haben. Alles zutiefst menschlich, aber Ausreden gibt es dann keine mehr.

Auch für das ZDF ist die Entscheidung eine gute Nachricht, auch wenn es sich für den Sender zunächst nicht so anfühlt. Es muss sich nicht mehr vorwerfen lassen, mit Gebührengeldern den Milliardenbetrieb Profifußball am Laufen zu halten. Sie können mit den nun frei gewordenen Mitteln ein anderes, besseres Programm machen, womöglich gar guten Journalismus. Da war ja noch was von wegen Bildungsauftrag.

Das Finale der Champions League wird übrigens frei empfänglich sein. Allerdings nur, wenn sich ein deutscher Verein qualifiziert. Wir setzen in dieser Fußballwelt mal auf RB Leipzig.