Erinnert sich noch jemand daran, dass die Stiftung Warentest fast die Fußball-WM in Deutschland verhindert hätte? Beträchtliche Sicherheitsmängel wollte sie im Januar 2006 in deutschen Stadien festgestellt haben, nur ein Alarmsignal von vielen damals, auch vor No-Go-Areas in Ostdeutschland wurde gewarnt. Vor der WM 2010 in Südafrika fürchteten viele Ausschreitungen und dass die Stadien nicht fertig werden, vor der WM 2014 in Brasilien soziale Unruhen und Tote, die EM 2016 in Frankreich wollten manche nach den Terrorattacken in Paris am liebsten absagen. Es kam alles anders.

Welt- und Europameisterschaften im Fußball laufen oft nach demselben Schema ab: Erst wird schwarzgemalt, nach dem Anpfiff ist alles vergessen. Dann schlägt das Spiel der Welt die Welt in den Bann. Mit dem Confederations Cup in Russland, der an diesem Samstag in Sankt Petersburg mit dem Spiel des Gastgebers gegen Neuseeland eröffnet wird, könnte das zum ersten Mal anders werden. Mit ihm beginnt die Ära der schwierigen, vielleicht gar freudlosen Turniere.

Nun wird die Sportwelt von einem ihrer schwärzesten Tage eingeholt. Im Dezember 2010 trafen die Herren der Fifa, darunter Sepp Blatter und Franz Beckenbauer, zwei fatale Entscheidungen. Sie hätten ihre Gunst an England vergeben können, wo Fußballstimmung immer besonders ist (vielleicht hätten sie ja gar den Brexit verhindert). Auch Spanien stand, mit Portugal, zur Wahl. Doch sie vergaben die WM-Turniere, erstmals im Doppelpack, an Russland (2018) und Katar (2022), obwohl beide die jeweils schlechtesten Bewerbung abgegeben hatten.

Nein, woanders gibt es das in diesem Maß nicht

Seitdem steht Katar in der Kritik, wegen Menschenrechtsverletzungen, Sklaverei, Tausenden toten Arbeitern. Und überhaupt, eine WM in der Wüste kommt einem endgültigen Ausverkauf des Fußballs gleich. Russland mag eine nicht ganz so skandalöse Wahl gewesen sein, aber auch Confed Cup und WM in diesem und im kommenden Jahr wird man nicht ohne Bauchschmerzen schauen können.

Die Liste der Verfehlungen ist lang: Wie in Katar starben auch in Russland Arbeiter auf Baustellen, wenn auch nicht so viele. Das hat jüngst die NGO Human Rights Watch festgestellt. Selbst die Fifa räumt ein, dass in Sankt Petersburg für ihre Hochglanzwelt nordkoreanische Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden. Wie schon bei den Olympischen Spielen in Sotschi gibt es viel Korruption, eine staatsnahe Gruppe verdient an den Stadienbauten.

Der russische Präsident Wladimir Putin wird wieder versuchen, das Turnier zur Inszenierung seiner Macht zu nutzen. So war es auch bei Olympia 2014 in Sotschi; anschließend annektierte er die Krim. Sein Herausforderer Alexej Nawalny wird das Spektakel persönlich nicht stören, er wird bis nach dem Finale in Haft sitzen.

Welches Spiel da in Russland gespielt wird, konnte die Sportwelt bereits erleben: Unter Duldung oder gar auf Anweisung des Staates wurden vor den Winterspielen in Sotschi 2014 systematisch russische Athleten gedopt. Das war einerseits Betrug, andererseits wurden gesunde Menschen benutzt, um Russland strahlen zu lassen. Und 2016 applaudierten russische Abgeordnete, als während der EM in Frankreich  russische Fans randalierten, darunter Rechtsextreme.  

Und bevor nun wieder die Kritiker von rechts und links daherkommen und sagen, das gäbe es woanders genauso. Nein, in diesem Maß gibt es das woanders eben nicht. England hat auch Hooligans, aber ihr Tun wird allseits verurteilt, nicht erst auf internationalen Druck. Auch in Deutschland und den USA wird gedopt, aber wen man dort erwischt, der wird bestraft.