Alle Liebhaber des Fußballs müssen mit neuen Situationen umgehen lernen, das belegte die Szene des Spiels: Foul an Emre Can und der kolumbianische Schiedsrichter Wilmar Roldán bestrafte Sébastien Siani mit Gelb. Dann erhielt er ein Zeichen. Auf Hinweis des Videoschiris schaute er sich die Szene auf dem Bildschirm am Feldrand an und korrigierte auf Rot. Die Kameruner beschwerten sich, selbst die deutschen Spieler und Trainer schienen peinlich berührt, große Aufregung.

Roldán erhielt offenbar noch ein Zeichen und ging erneut Fernsehschauen. Dabei stellte er fest, dass er die Karte dem Falschen gezeigt hatte, trotz Videosichtung. Ernest Mabouka war der mit dem Foul an Can, also bekam er die Rote Karte.

Nun könnte man sagen: Gut, hat zwar ein bisschen gedauert, aber immerhin hat der Videobeweis einen Irrtum verhindert. Man sah aber auch, wozu er noch führen kann. Jeder kriegt nun mit, dass die Schiris nicht immer so viel Ahnung von Fußball haben, wie sie glauben und wie man hofft. Das war nämlich nie und nimmer eine Rote Karte, Mabouka hatte Can mit hohem Bein und offener Sohle erwischt, aber Can ging ebenfalls mit Schwung in den Zweikampf. Überhaupt war es bis dahin eins der ganz fairen Spiele. Gelb wäre angemessen, wäre besser gewesen, selbst für den Falschen. Das hat die blöde Petze am Bildschirm verbockt.

Videoschiri stiftet wieder Verwirrung

Erneut stiftete also ein Videoschiri, das neue Rechtsinstrument im Fußball, Verwirrung. Beim Spiel Chile gegen Kamerun hatte er zwei Abseitsentscheidungen nach Ewigkeiten aufgehoben, obwohl sie nicht unbedingt falsch waren. Und Deutschland gegen Kamerun war in dem Moment beim Stand von 0:1 praktisch gelaufen, weil die Kameruner nicht mit Trotz reagierten, sondern mit Resignation.

Dabei war es bis dahin spannender und ausgeglichener zugegangen als erwartet. Die deutsche Mannschaft, ohnehin eine B-Elf, wurde verändert. Lars Stindl musste raus, Leon Goretzka, Shkodran Mustafi, Jonas Hector auch, stattdessen liefen Marvin Plattenhardt, Kerem Demirbay und Timo Werner auf.

Die Ersatzelf der Ersatzelf musste eine dürre, fiese Halbzeit überstehen. Null Tempo, stockender Spielaufbau, technische Mängel, Fehlpässe. Emre Can unterliefen welche, Joshua Kimmich, Julian Draxler, Antonio Rüdiger, Niklas Süle, selbst Sebastian Rudy. Werner rannte ins Abseits oder Aus. Joachim Löw war sehr beunruhigt an der Außenlinie. Viel fehlte kurz vor Halbzeit allerdings nicht und die Kameruner wären in Führung gegangen.

Gegner im Halbfinale: Mexiko und Portugal

Auch in der zweiten Halbzeit schossen sie als erste aufs Tor. Doch dann gelang Demirbay mit Draxler ein Doppelpass, den Draxler hinter seinem Rücken mit der Hacke spielte. Das sah nicht nach Zufall aus. Demirbay zögerte zwar, überlegte, ob er mit dem schwachen rechten Fuß schießen sollte, schoss dann doch und traf. Zweites Länderspiel, erster Treffer, und damit noch einer, der sich für die WM im nächsten Jahr beworben hat.

Das gilt auch für Timo Werner, der gegen die sich auflösende Kameruner Abwehr zweimal traf. Ein Flugkopfball auf Flanke von Kimmich und ein Schuss nach einem Pass des eingewechselten Benjamin Henrichs. Damit hat Löw sein Versprechen wahrgemacht und alle Feldspieler eingesetzt. Nur der dritte Tormann Kevin Trapp ist beim Confed Cup noch ohne Einsatz.