ZEIT ONLINE: Herr Radtke, der Kicker berichtet, dass die U20-Nationalmannschaft aus China in der nächsten Saison in der Liga spielen wird, aus der Sie mit dem FK Pirmasens soeben abgestiegen sind. Was halten Sie von Ihrem Nachfolger?

Christoph Radtke: Ich habe dafür keine Worte mehr, im Verein herrscht komplette Fassungslosigkeit. Wir sind ein Verein in der Südwestpfalz, der gut gewirtschaftet hat und schließen wieder mit einem positiven Jahresergebnis ab. In Regionalliga steckt ja auch das Wörtchen Region. Wir sind einer der zwei bis drei Amateurvereine und fliegen jetzt aus dieser Liga raus. Sechs Mannschaften steigen ab und nun holt der DFB die chinesische Nationalmannschaft. Wir müssen das wohl hinnehmen, aber für mich ist das purer Kapitalismus.

ZEIT ONLINE: Dabei gab es eine Alternative.

Radtke: Wir hatten einen Antrag gestellt, die Liga auf 20 Teams aufzustocken, weil auch unser U23-Team als Achter der Oberliga absteigen muss, wenn wir absteigen. Aber statt uns zu behalten wird nun offenbar, man muss es wohl so sagen, eine Geldquelle aus China ausgewählt. Eine Horrormeldung.

ZEIT ONLINE: Sie hatten auch gegen einen Konkurrenten aus der Liga geklagt. Was war da los?

Radtke: Wir vermuten, dass Hessen Kassel seine Insolvenz verschleppt. Unsere Klage wurde aber abgelehnt. Stattdessen bekommt Kassel neun Punkte abgezogen, aber erst nächste Saison. Würde das für die abgelaufene Spielzeit passieren, wären wir drin geblieben.

ZEIT ONLINE: Eher selten steigen sechs Teams aus einer Liga ab. Die Meister der fünf Regionalligen steigen auch nicht direkt auf, sondern müssen in eine Playoff-Runde. Ärgert Sie das?

Radtke: Die Meister müssen aufsteigen. Aus unserer Liga ist der SV Elversberg nun zum zweiten Mal in Folge als Meister in der Aufstiegsrunde gescheitert. Und für uns ist es natürlich sehr bitter, mit 42 Punkten abzusteigen. Wir sind Amateure, unsere Spieler gehen alle regulär arbeiten. Niemand ist nur Fußballer.

ZEIT ONLINE: Der DFB hat sich offenbar bei den 19 anderen Teams erkundigt, niemand hatte gegen das chinesische Team Einwände. Hätte, hätte Fahrradkette, aber wenn Sie dringeblieben wären, hätten Sie sich über den Gegner aus China gefreut?

Radtke: Ich kenne die Situation der Teams in unserer Liga. Offenbach hat in der vergangenen Saison Insolvenz angemeldet. Hessen Kassel jetzt zum dritten Mal. Da können Sie sich vorstellen, dass die Prämie von 15.000 Euro, die der DFB den Clubs nun für das doppelte Freundschaftsspiel gegen China verspricht, ein Segen für alle ist. Dazu kommen noch Zuschauer- und Cateringeinnahmen. Für Vereine lohnt es sich also. Trotzdem sage ich, dass sich so etwas nicht gehört. Die Regionalliga ist immer noch die vierthöchste Liga in Deutschland, die den Profifußball tangiert. Solche Regelungen haben überhaupt nichts mit unserem Sport zu tun. Da geht es nur ums Geld. Und das kommt bei uns leider von ganz oben.