Die Deutschen drehten süße, spaßige Ehrenrunden. Sie rannten auf Kommando auf die Fans zu, die eigentlich gar nicht da waren, und rutschten grölend auf Knien und anderen Körperteilen auf dem Rasen in ihre Richtung. Ein paar Russen standen im Block und gerieten aus dem Häuschen. Man sah erstaunliche Jubelbilder beim Finale des Confed Cups, man sah auch traurige Chilenen. Dieses lange unbeliebte Turnier wurde am Ende mit echten Gefühlen gewürdigt.

Die Gastgeber hatten es den Deutschen ja leicht verübelt, dass sie ohne die Besten hierherkamen. Nun gaben die Sieger ein gutes Bild ab. Der internationalen Presse antwortete der Keeper Marc-André ter Stegen, Man of the Match, erst auf Englisch, dann auf Spanisch. Auch tröstete er den Uefa-Offiziellen, der ihn mit Julian Draxler verwechselt hatte, was ihm peinlich war.

Die deutsche zweite Mannschaft gewann durch ein 1:0 gegen Chile den Confed Cup, die Mini-WM. Ohne Kroos, Neuer, Özil, Boateng und Müller besiegte sie die Kontinentalmeister aus Südamerika, Afrika, Asien und Mittelamerika. Das darf man eine Überraschung nennen. Nun stellt mancher die Frage, wie gut dann erst die beste Elf sein muss, und ob der deutsche Fußball in den nächsten Jahren alles dominieren wird, zumal auch am Freitag die U21 Europameister geworden war.

Übergroßer Optimismus aus deutscher Sicht könnte etwas voreilig sein, dafür war das St. Petersburger Finale ein gutes Beispiel. Es bestand aus vier Phasen, verteilt auf je zwei Halbzeiten. In der ersten Phase waren die Deutschen im Spielaufbau und balltechnisch absurd unterlegen. Nur weil die Chilenen im letzten Drittel viele falsche Entscheidungen trafen, fiel kein Tor. Die Südamerikaner schossen, wenn Abspielen empfehlenswerter gewesen wäre, und umgekehrt.

Die zweite Phase leitete Marcelo Díaz ein. Der Mann spielte mal beim HSV. Muss man mehr sagen? Jedenfalls drehte er sich mit dem Ball in den Laufweg Timo Werners, der ihn ihm abnahm. Ganz leicht und leicht unverdient kam die deutsche Elf zum Führungstor. Dem folgte die stärkste deutsche Phase mit ein paar gefährlichen Angriffen, begünstigt jeweils durch Nervositätsanfälle der chilenischen Abwehr.

Die erste Phase der zweiten Halbzeit war ein einziger Infight. Fouls, Reklamationen, Provokationen. Die Chilenen waren temperamentvoll wie Cayennepfeffer. Einmal forderten sie Elfmeter, der Schiedsrichter sollte den Videoassistenten einschalten. Allerdings hatte dieses Ansinnen nie Aussichten auf juristischen Erfolg. Doch offenbart wurde, was uns allen blüht: Die Spieler haben schnell gelernt, ein Rechteck in die Luft zu malen, das Zeichen für den Videobeweis.

Technikfalle

Was dabei rauskommen kann, erlebten die Zuschauer bei Milorad Mažić, dem serbischen Schiedsrichter. Gonzalo Jara hatte Werner mit dem Ellenbogen ins Gesicht gecheckt. Jara bekam Gelb statt Rot. Es wird immer klarer: Die neue Technik wird den Schiris nicht nur eine Hilfe sein, sondern oft auch eine Falle. Nun kann sich jeder ein Bild davon machen, wie viel sie von dem Spiel verstehen, über das sie richten. Die Ausrede, es sei ja alles so schnell gegangen, fällt ab sofort weg. Morbus tomati droht auch in der Bundesliga.

Die letzte Phase war eine Abwehrschlacht der Deutschen. Chile spielte wieder Fußball, griff aber meist in Unterzahl an. Die im Schnitt mehr als fünf Jahre älteren Chilenen hatten offenbar keinen Saft mehr. Als sie einmal doch zum Schuss kamen, knäulte Edson Puch die Kugel in die Wolken.

Die Statistik war auf Seiten des Verlierers. Die Chilenen schossen öfter aufs Tor, die Deutschen hatten nicht mal 40 Prozent Ballbesitz. Deutschland war aber überlegen in den Sekundärtugenden Widerstandsfähigkeit, Geduld, Effizienz, Pflichtbewusstsein und Teamgeist. Das zeichnete sie das ganze Turnier über aus.