Der Fußballfan hat derzeit eine schwere Zeit. Es ist tiefste Sommerpause, die Schein-Events U21-EM und Confed-Cup sind durch, die Bundesliga beginnt erst Mitte August. Wimbledon und die Tour de France sind zwar nett, aber auf dem Rasen ist nun mal auf dem Rasen. Verzweifelt wenden sich die Fans also der Qualifikation der Europa League zu. Dort finden an diesem Donnerstag die Rückspiele statt. Mit vielen, vielen Mannschaften, von denen man noch nie gehört hat.

Alle reden derzeit etwa über den FC Progrès Niederkorn. Die Luxemburger haben am Dienstag in einem vorgezogenen Spiel die Glasgow Rangers aus der Quali geworfen – da wackelte das Steuerschlupfloch! Nach einem 0:1 im Hinspiel sorgte Niederkorn mit einem 2:0 im Stade Josy Barthel, dem Nationalstadion Luxemburgs, für eine vermeintliche Überraschung.

Vermeintlich, weil Niederkorn zwar ein Amateurverein ist, aber immerhin dreifacher luxemburgischer Meister (zuletzt 1981) und vierfacher luxemburgischer Pokalsieger (zuletzt 1978). In der Liga konkurriert Niederkorn mit Teams mit klangvollen Namen, wie dem FC Differdingen 03, dem Rekordmeister F91 Düdelingen und CS Fola Esch.

Die BBC bezeichnete den Fauxpas der Rangers, die mit 54 Titeln mehr Landesmeisterschaftstitel gewonnen haben als irgendein anderer Verein weltweit, als "schlimmste Niederlage" des Clubs ever. Aber solch verbale Ausschweifungen sind keine Neuigkeit. Schon 2016 goss der britische Sender Öl ins Feuer, als er die 0:1-Niederlage von Celtic Glasgow in der zweiten Runde der Champions League bei den Lincoln Red Imps als "Schock von Gibraltar" bezeichnete. Aber wieso Schock? Immerhin können die Red Imps 22 gibraltarische Meisterschaftstitel vorweisen, von denen sie ganze 14 in den letzten 14 Jahren gewonnen haben.


Nicht ganz so beeindruckend ist ihre Pokalbilanz. Diesen gewannen sie nur 17-mal. Acht davon in Folge zwischen 2004 und 2011. Als Gibraltar 2014 als 54. Verband in die Uefa aufgenommen wurde, wurde es ihr Privileg, als erste gibraltarische Mannschaft in der Champions League zu spielen. Ein Spieler des Gewinnerteams gegen Celtic von 2016 war übrigens ein hauptberuflicher Taxifahrer, der noch kurz vor dem Spiel in seiner Droschke saß. Das Siegtor wurde von einem hauptberuflichen Polizisten geschossen.

Ein weiter Weg für einen Verein, der erst 1976 als Lincoln FC gegründet wurde und während seiner Existenz fünfmal seinen Namen änderte. Dabei muss festgehalten werden, dass alle Namensänderungen innerhalb der letzten 17 Jahre stattfanden. Zuletzt 2012, als aus Lincoln OSG FC der Lincoln Red Imps FC wurde. Im Rückspiel gegen AEK Larnaka muss aber nun schon ein Wunder her, das Hinspiel verloren sie 0:5.

Noch mehr Namensänderungen kann der KF Tirana vorweisen. Achtmal wurde der Verein bereits umbenannt, seitdem er 1920 als Shoqëria Sportive AGIMI Tirana gegründet wurde. 1927 wechselte der Club seinen Namen in SK Tirana und begründete 1930 mit fünf weiteren Vereinen die erste offizielle albanische Meisterschaft, die er auch gleich gewinnen konnte. 

Im Laufe der Jahre (und Umbenennungen) kamen weitere 23 Meisterschaften (zuletzt 2009) und 16 Pokalsiege hinzu. Damit ist der KF Tirana der erfolgreichste Verein im albanischen Fußball. Wegen einer diffusen Gemengelage aus wirtschaftlichem und sportlichem Missmanagement ist der Club Ende der Saison erstmalig abgestiegen.

Erfolg soll die Verpflichtung des brasilianischen Trainers Zé Maria bringen, der vor allem als Spieler der Serie-A-Mannschaften von AC Parma, AC Perugia und Inter Mailand in Erinnerung bleiben wird. Größtes Talent der Albaner ist übrigens der 18-jährige Kongolese Merveil Ndockyt, wer kennt ihn nicht? Das Hinspiel verloren die Albaner bei Maccabi Tel Aviv jedoch 0:2.