Wer spielte wie gegen wen?

Schon Schiller wusste: Das Herz und nicht die Meinung ehrt den Mann. Herzlichen Glückwunsch zum Herzchensieger des Spieltags, SC Freiburg.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Hallo, liebe Neukunden des Eurosport-Players, Ihr Player lief nicht. Daher erzählen wir, die wir über den Laptop und HDMI geschaut haben, Ihnen hier gerne, dass der HSV am Freitag 3:1 gegen den 1. FC Köln gewann, eine Nacht lang Tabellenführer war und seiner Stadt einen Abend schenkte, der in der Stadtchronik gleich nach der Sturmflut und der Eröffnung der Elbphilharmonie Platz nehmen wird. Wir sahen auch einen Rekord, der zum HSV passt. Hamburgs Dennis Diekmeier ist nun der torloseste Spieler der Bundesligageschichte. 183 Spiele lang hat er nicht getroffen. Und was sahen Sie? Ein schwarzes Bild. Der Eurosport-Player hatte noch Sommerpause. Das ist ärgerlich, die DFL lässt sich sehr gut dafür zahlen, den Freitagabend von Sky an Eurosport zu geben. Alles für die Katz, brüllten Sie, und klammerten sich an Ihr Bier, das Einzige, was flüssig lief. Eurosport wird Sie mit 10 Euro entschädigen, wir können Ihnen sagen: Köln ist noch in der Post-Modeste-Phase. Der Trennungsschmerz vom Wunderstürmer sorgt für unsicheres Auftreten, es ist alles noch recht planlos. Spricht man hingegen in diesen Tagen über den HSV, fallen dem Hanseaten unbekannte Vokabeln wie Stabilität, Teamgeist und Souveränität ein. Und Kyriakos Papadopoulos sicherte sich schon jetzt die Schwalbe der Saison. Sie haben also wirklich einiges verpasst.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Den Schisserfußball aus Bremen und Berlin. Wegen der Angsthasen stehen Bayern und Dortmund jetzt schon ganz oben. Gegen die Großen spielt man nicht mit, sondern bibbert bloß rum. Die relevanten Fragen für Bremen und Hertha hießen: Wann macht ihr ihn uns rein? Tut es sehr weh? Ein Plan, der nicht gelingen kann. Manuel Neuer musste keinen Ball halten. Berlins Trainer Pal Dardai sagte: "Vielleicht war es besser, dass wir verloren haben." Äh, nein. Werder und die Hertha, das war uninspirierter als zwölf Jahre Merkel-Regierung. Nur der Wahlkampf ist langweiliger.

Hoffnung macht unser Herzchensieger Freiburg. Er bewies beim 1:0-Führungstor, wie man mit drei Leuten gegen neun Leipziger Verteidiger treffen kann. Danach allerdings trat das ein, was Christian Streich vorher gesagt hatte: Die werden auf uns losgehen. 29 Mal ballerte Leipzig aufs Tor, nie gab es in der langen Leipziger Vereinsgeschichte mehr Torschüsse in einem Spiel. Das 1:4 war gnädig, war aber der Preis, wenn man versucht, mitzuspielen.

Wer stand im Blickpunkt?

Zwei Torschützen, denen man es gönnt. Es gibt Gefühle, die kennen nur Fußballer. Zum Beispiel, wenn man einen Dropkick satt trifft. Wenn der Ball vor einem noch mal auftitscht und man im richtigen Augenblick den Vollspann durchzieht. Das Geräusch, das entsteht, klingt zwar dumpf. Die Gewissheit aber, die den Schützen im selben Augenblick überkommt, weil er schon weiß, wie perfekt er den Ball getroffen hat, ist Glückseligkeit. Noch besser, wenn man Linksfuß ist, den Ball aber mit rechts im eigenen Stadion mit über 100 Stundenkilometern in den Winkel befördert hat und man gerade ohnehin wieder bessere und verletzungsfreie Tage als Profi erlebt. Man kann sich gut vorstellen, wie sich Dortmunds Nuri Sahin nach seinem Tor zum 2:0 gefühlt haben muss.

Ähnlich muss es Holger Badstuber ergangen sein. Der spielt jetzt für Stuttgart. Den Bayern war sein Abschied im Mai nur kalte drei Zeilen wert, jetzt fliegen ihm die Herzen wieder zu. Denn neben diversen Pokalen und Meisterschaften holte er sich auch schon einige Risse im Kreuzband und im Oberschenkel. Die Saison 2013/14 verpasst er komplett. Von Mitte August 2012 bis heute machte er von 171 möglichen Spielen nur 28. Sein letztes Tor schoss er vor acht Jahren. Jetzt spielte er von Beginn an und traf auch beim 1:0-Sieg gegen Mainz. Und weil er nicht jubelte wie der HSV, blieb er auch verletzungsfrei.