Wer spielte wie gegen wen?

Sieh an, Hoffenheim fliegen inzwischen die Herzen zu. Könnte aber auch am Gegner gelegen haben.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Das Doppelspiel des Samstagabends: Erst Hoffenheim gegen München, und danach: Bayern gegen Bayern. Eigentlich ist es die Lieblingsjahreszeit für die Bayern. Das Oktoberfest kündigt sich mit bayerischen Haxen in Kühlungsborn und mit veganer Weißwurst sogar in Prenzlauer Berg an, auch die Tabellenführung ist Mitte September meist eine sichere Sache. Doch am Samstag verloren die Bayern 0:2 in Hoffenheim. Sie wechselten zwar mit Robben, Ribéry und Rodriguez mehr Weltfußball ein als Hoffenheim im Kader hat. Doch es gewann das Team mit dem an diesem Tag besseren Trainer und dem besseren Balljungen. Bayern ist sogar von ersatzgeschwächten Gegnern schlagbar, wie in unserem ausführlichen Report aus Sinsheim nachzulesen ist.

Und es rumort bei den Bayern. Paul Breitner kritisierte Trainer Carlo Ancelotti und sagte im Doppelpass: "Der FC Bayern hat mindestens einen Schritt nach hinten gemacht." Vor zwei Wochen schon hatte sich Thomas Müller beschwert. Noch weiter ging diesmal Robert Lewandowski. Der Stürmer nahm sich nicht den Trainer, sondern gleich die Vereinsführung und damit Uli Hoeneß vor. "Bayern muss sich etwas einfallen lassen und kreativ sein, wenn der Verein Weltklassespieler nach München lotsen will. Und wenn man ganz vorn mitspielen will, braucht man die Qualität dieser Spieler", sagte er im Spiegel, ohne das Interview mit dem Verein abgestimmt zu haben.  Hoeneß selbst hatte im August davon gesprochen, "den Transferwahnsinn nicht mitzumachen" und auf den Nachwuchs zu setzen. Karl-Heinz Rummenigge maßregelte Lewandowski öffentlich, sprach von "Stress mit mir persönlich". Popcorn, bitte. Ein Hauch von Klinsmann wabert durch die Säbener Straße.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Freiburg gegen Dortmund. Es war ein possierliches Spielchen erwartet worden, ein Herzchen-Duell. Traten doch zwei Teams gegeneinander an, denen der Bundesliga-Fan wohlgesonnen ist. Die gallischen Freiburger, die aus wenig so einiges machen, manchmal angeblich auch guten Fußball spielen. Dagegen die Dortmunder, die meist attraktive, weil torreiche Spiele bieten. Die Vorfreude wich der Ernüchterung, das Spiel ging 0:0 aus. Das  Arschloch unter den Fußballergebnissen. Auch entkräftete das Remis so manches positive Vorurteil: Die Freiburger, die netten Jungs von nebenan? Gegen Dortmund mitnichten. Zwar besitzt Christian Streich unter der Woche die Freundlichkeit von Papa Schlumpf, doch langten seine Spieler in einigen Situationen knallhart in die Beine der Borussen. Freiburgs Yoric Ravet trat Dortmunds Schmelzer ins Lazarett und sah nach Videobeweis früh den verdienten Platzverweis. Doch auch die Dortmunder brachen ein Versprechen. Statt des erquickenden Offensivspiels gab es Planlosigkeit im Angriff. Sechzig Minuten Überzahl reichten nicht, um die Freiburger zu schlagen. Ein Dämpfer für die keimenden Meisterschaftshoffnungen.

Wer stand im Blickpunkt?

Kevin-Prince Boateng. Es gibt wohl keinen Spieler, der Mailänder Scala und Berliner Wedding so einträchtig verkörpert. Nach einer Minute rollte ein abgefälschter Schuss der Eintracht auf das Gladbacher Tor zu. Der Ball wäre reingegangen, doch Boateng drückte den Ball  über die Linie. Nur im ersten Schein die gerissene Aktion eines Lausbubs. Saublöd nämlich, dass Boateng im Abseits stand, und so nicht nur dem Teamkameraden, sondern auch seiner Mannschaft das Tor klaute. In der 13. Minute machte er es besser. Aus gut fünf Metern schoss er regulär das 1:0, das einzige Tor des Spiels. Beim Trikotjubel zeigte der harte Knabe Herz, in dem er per Shirt Grüße an den schwer verletzten Ajax-Spieler Abdelhak Nouri schickte. Doch auch das war nicht die letzte Pointe des boatengischen Spiels. Kurz nach der Halbzeit musste Boateng raus, in einem Zweikampf hatte er sich eine Gehirnerschütterung zugezogen. Gute Zeiten, schlechte Zeiten.