Deutschland glaubt gerne, die Fußballnation Nummer eins zu sein. Im Sommer gewann die Nationalelf den Confed Cup, die U21, die Europameisterschaft. Weltmeister und Olympia-Zweiter ist der DFB eh schon. Deutschland investiert wie kein zweites Land in den Nachwuchs, hat daher eine Vielzahl an Talenten.

Doch die wahre Qualität des Fußballs zeigt sich im Vereinsfußball. Dort feilen Trainer an System und Ordnung, dort entwickeln Sportdirektoren Mannschaften. Dort ist das Niveau deutlich höher als in den Länderteams. Wenn am Dienstag die Champions League und am Donnerstag die Europa League beginnt, stellt sich die Frage: Schafft es endlich wieder ein Bundesligist ins Finale? 2013 war das letztmalig der Fall, damals duellierten sich in Wembley gar zwei deutsche Teams, Bayern und Dortmund.

Seitdem ist den deutschen Vereinen nicht mehr viel geglückt. Zwar gibt es für sie in der Champions League keine Klatschen mehr wie noch in den nuller Jahren, die Bundesliga hat aufgeholt. Es kommt sogar mal vor, dass sich ein Team wie Wolfsburg ins Viertelfinale (2016) verirrt, ein Jahr zuvor gewann Schalke ein Achtelfinalspiel in Madrid. Und die Bayern scheiterten zuletzt stets spät, knapp und gegen starke Teams aus Spanien, der dominierenden Nation.

Doch mit Spitzenleistung tut sich die Bundesliga schwer. Das Halbfinale der Europa League erreichte zuletzt 2010 ein deutscher Club, der HSV. Und man muss ihr nicht gleich sieben Jahre Dürre prophezeien wie Josef dem Pharao, aber wenn nicht vieles täuscht, ist auch dieses Jahr kein Titel drin. Sogar die Bayern sind im Abwärtstrend.

Verfolgt man die Aussagen der Branche in letzter Zeit, scheint der deutsche Fußball mit einer schwachen Saison, gar einer schwachen Epoche zu rechnen. Dem Misserfolg wird rhetorisch vorgebaut. Die Bundesliga macht sich klein, als wollte bloß niemand die Frage nach dem Können deutscher Trainer und Führungskräfte stellen. Nicht erst Robert Lewandowski hat mit seinem Spiegel-Interview, in dem er von seinem Verein teurere Transfers fordert, das Thema Geld auf die Agenda gesetzt. Die anderen haben mehr, geben mehr aus. Das stimmt, aber nur zum Teil. Nicht alles lässt sich mit Kohle erklären. Manche, gegen die deutsche Clubs zuletzt verloren, verfügen keineswegs über mehr Ressourcen, schon gar nicht einen ähnlich großen Talentepool. Auf den folgenden zwei Seiten finden Sie die deutschen Teams im Einzelcheck.