Carlo Ancelottis Stil ist seit vielen Jahren bekannt: Stell ihm einen Ferrari hin, dann fährt er Bestzeiten. Mit einer Fußballelf aus Stars gewinnt er große Titel, was entgegen Stammtischweisheiten alles andere als einfach ist. Einen ordentlichen zu einem schnellen Rennwagen zu entwickeln, ist hingegen nicht so sein Ding.

In München hat Ancelotti gemacht, was er immer macht. Schon lange galt der Bayern-Trainer deshalb intern als umstritten, trotz des Meistertitels in der Vorsaison. Nach der Niederlage in der Champions League gegen Paris St.-Germain hat der Verein nun die erstbeste Gelegenheit genutzt, um sich von Ancelotti zu trennen.

Vielleicht kannten die Verantwortlichen des FC Bayern Ancelottis Profil nicht, als sie ihn vor knapp zwei Jahren engagierten. Wahrscheinlicher ist, dass die Führung damals einem Irrtum unterlag und ihm noch immer unterliegt. Der Trainer war gar nicht das größte Problem des FC Bayern. Unter dem Verwalter Ancelotti ist das Niveau der Bayern zwar nach und nach gesunken. Was aber vor allem an seinem Vorgänger lag. Und daran, dass die Spieler nicht genügend Klasse haben für höchste Ziele. Der FC Bayern ist kein Ferrari.

Ancelotti übernahm Bayern in einem undankbaren Moment. Das hat einerseits mit Pep Guardiola zu tun. Mit dem hochversierten und enorm fleißigen Spanier war Bayern eines der drei großen Teams Europas. Allerdings, das bestätigen Spieler und Umfeld, war sein Anteil an den starken Leistungen außergewöhnlich hoch. Auf den ersten Blick war das nicht sofort ersichtlich, seine großartige Arbeit verdeckte die Mängel der Elf, die es schon damals gab.

Andererseits übernahm Ancelotti eine Mannschaft, die ihren Zenit überschritten hatte. Er soll überrascht gewesen sein, als er die wahre Stärke der Bayern-Spieler erkannte. Die wiederum verglichen ihn mit Guardiola. Die Mäuschen aus der Kabine erzählen, dass sie sein Laissez-faire störte.

Und so büßten die Bayern in Ancelottis erstem Jahr einiges an Qualität ein. Allerdings riss sich der gealterte Kern der großen Mannschaft ein letztes Mal zusammen. Ihr gelangen Sternstunden gegen Leipzig (3:0 und 5:4) und Dortmund (4:1), Real Madrid hätten die Bayern fast aus dem Europapokal geworfen. Gegen Ingolstadt, Freiburg oder Darmstadt mussten hingegen schon Glückssiege her.