Wer spielte wie gegen wen?


Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Mainz gegen Hoffenheim. Wer anstelle der Hamburger Sozialkomödie Jürgen, die in der ARD lief, lieber Bundesliga gucken wollte, bereute seine Entscheidung nicht. Es war beste Abendunterhaltung. Spaßmachen, das können sie in Mainz. Zumindest der Anfang und das Ende waren sehenswert, da ähnelt die Bundesliga ja dem deutschen Filmmainstream. Vier Tore fielen im ersten Abschnitt und nicht wenige hofften auf ein Revival aus der Vorsaison. Dort endete das gleiche Spiel 4:4. Es kam ein bisschen schmaler. Einen Schurken aber gab es, der hieß an diesem Abend Sandro Wagner. Wohl wenige interpretieren nach einem Ausgleichstor im fremden Stadion den Großkotz mit ausgestreckten Armen so überzeugend wie Hoffenheims Stürmer. Kurz vor dem Ende rangelten dann viele Spieler sechs Minuten lang nach einem Freistoßpfiff miteinander. Kurz hofften die Mainzer auf das retardierende Moment. Doch Mark Uth traf in der Nachspielzeit für Hoffenheim zum 3:2. Ein Sinsheimer Happy End, das ist die noch ganz junge deutsche Filmschule.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Köln gegen Frankfurt. Es war nicht schön, es war nicht gut, es war eben typisch Kölsch in diesem Herbst. In besseren Zeiten dreht der 1.FC Köln gerne mal witzige Filmchen. Darin nehmen sich die Kölner selbst auf die Schippe. Doch gerade wirken die Szenen vom Rhein, als hätte Lars von Trier Regie geführt. Für nicht wenige Deutsche sind die Bewegtbilder vom Karneval die apokalyptischen Zombieszenen, doch gerade liefert der Fußballclub der Stadt dieses Material. Manche glauben mittlerweile wirklich an Psychosen, anders lässt sich Kölns Pech nicht erklären. Erst das falsche Tor am Sonntag gegen Dortmund, jetzt der Frankfurter Elfmeter.

Anders als in Dortmund waren die Kölner dieses Mal auch nicht chancenlos. Videoschiedsrichter Wolfgang Stark hätte das einzige Tor des Tages zurücknehmen können, eher müssen. Selbst die Frankfurter rechneten damit. Doch Stark blieb stumm, Frankfurt verwandelte den Elfmeter. Genauso still war die Leitung zwischen Schiedsrichter und Videoassistent, als Kölns Leonardo Bittencourt im Strafraum umgestoßen wurde. Dieses Mal kein Elfmeter, wohl auch falsch. Und einen weiteren Frankfurter Elfmeter übersahen beide. Die Kritiker des Videobeweises, die lauter werden, schnitten eifrig mit. Köln verlor bisher jedes Spiel, die Niederlage gegen Frankfurt hätte die Technik vielleicht verhindern können. Allerdings spielen die Kölner auch weiterhin nicht wirklich so, als würden sie diesen Horror selbst beenden wollen.

Wer stand im Blickpunkt?

Nils Petersen. Nur wenige Arbeitnehmer in Deutschland verrichten ihre Arbeit dermaßen effizient. Am Band wäre er der Kollege, der erst zur Mittagspause die Stechuhr passiert, dann aber mehr Autos zusammenbaut, als die anderen in einer Woche schaffen. Würde Martin Schulz ihn jetzt noch auf irgendeinen Marktplatz zerren, könnte er das Ruder für die SPD im Bundestagswahlkampf vielleicht noch rumreißen. Im Fußball nennt man Arbeiter wie ihn, die eingewechselt werden und treffen, Joker. Darin ist er mittlerweile der Beste aller Zeiten. Zum 62. Mal wurde er eingewechselt, zum 20. Mal traf er. Dieses Mal war es das 1:1 für Freiburg gegen Hannover.

Was war sonst noch?

Dortmund bleibt ohne Gegentor Tabellenführer. Das wäre eine Nachricht, wäre der Gegner nicht der HSV gewesen. Und Herthas Matthew Leckie, derzeit der einzige Australier in Deutschland, der sich nicht auf einer Münchner Wiese Maßkrug um Maßkrug hinter die Binde kippt, traf schon wieder. Die Hertha gewann 2:1 gegen Leverkusen. Leckie war mittlerweile an acht von zehn Berliner Toren beteiligt. Ihm sollten Sie nicht erzählen, dass die Hauptstadt auch ein Oktoberfest hat. In seiner Form ist er gerade für jeden ernsthafte Konkurrenz.