Russland soll nach dem Willen der führenden nationalen Antidopingagenturen nicht an den Olympischen Winterspielen 2018 teilnehmen. Das russische Olympische Komitee müsse endlich das bisher zurückgehaltene Beweismaterial zu den zahlreichen russischen Dopingverdachtsfällen herausgeben, fordern die Agenturen. Zugleich kritisierten sie "die Untätigkeit" des Internationalen Olympischen Komitees in der Frage. Dies gefährde "die sauberen Athleten und die Zukunft der olympischen Bewegung", heißt es in einem Statement.

Bisher seien weniger als 100 der potenziellen Tausend russischen Dopingfälle abgeschlossen worden. Athleten auf der ganzen Welt fragten sich aufgrund der "falschen Behandlung der russischen Dopingkrise", ob die globalen Antidopingregularien noch wirksam seien und ihr Recht auf sauberen Sport noch eine Rolle spiele.

Ihre Forderung nach dem Ausschluss des russischen Nationalen Olympischen Komitees begründen die Agenturen zudem mit der "erwiesenen Korruption bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi und anhaltender Missachtung seiner Verpflichtungen für einen sauberen Sport". Sportfunktionäre und Organisationen eines Landes sollten keine Zulassung für Olympia bekommen, wenn sie vorsätzlich die Regeln verletzen, heißt es weiter.

Das IOC müsse seine Verzögerungstaktik aufgeben und wirksame Konsequenzen ziehen. Fünf Monate vor Beginn der Winterspiele in Pyeongchang in Südkorea äußerten die Antidopingagenturen "ernsthafte Zweifel daran", dass die Spiele 2018 sauber seien. Das IOC und die Welt-Antidopingagentur Wada müssten darauf drängen, dass Russland ihnen das entscheidende zusätzliche Beweismaterial übergibt. "Einen vollständigen Bericht und Gerechtigkeit für die sauberen Athleten kann es ohne diese Informationen nicht geben."

Der Dopingskandal wurde 2014 durch eine ARD-Fernsehreportage bekannt. Die russische Sportlerin Julia Stepanowa hatte dem Reporter Hajo Seppelt Audio- und Videomitschnitte zugespielt, die das organisierte Doping in Russland zeigten. Stepanowa hatte als Leichtathletin selbst gedopt, 2013 wurde sie deswegen gesperrt und wendete sich an die Öffentlichkeit. Kurz vor Veröffentlichung der Reportage verließ die Whistleblowerin Russland mit Mann und Kind, heute lebt sie zurückgezogen im Exil. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe nahm die Wada ihre Ermittlungen auf, mit Stepanowa als Kronzeugin. 2016 warf der Chefermittler von Wada, Richard McLaren, Russland in seinen beiden Berichten Staatsdoping vor und sprach von einer "institutionellen Verschwörung" über mehrere Jahre und sportliche Großereignisse hinweg. Es seien Beweise für die Vertuschung von Dopingfällen bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gefunden worden.

Bis heute weist die russische Regierung ihre Beteiligung an den Dopingfällen zurück. "In Russland hat es nie ein staatliches Dopingsystem oder Dopingunterstützung gegeben, das ist einfach unmöglich", hatte Präsident Wladimir Putin gesagt.