Nach den rechtsradikalen Ausfällen deutscher Fußballfans beim WM-Qualifikationsspiel von Deutschland in Tschechien hat der Fußball-Weltverband Fifa eine Untersuchung gegen den DFB eingeleitet. Nach Angaben der Fifa werden verschiedene Vorfälle untersucht. Auch gegen den tschechischen Fußballverband wird ermittelt, da die Heimmannschaft für die Sicherheit der Zuschauer zuständig ist.

Deutsche Stadionbesucher hatten am vergangenen Freitag in Prag unter anderem eine Schweigeminute für zwei gestorbene tschechische Fußballfunktionäre gestört, Pyrotechnik gezündet und "Sieg"-Rufe nach dem Treffer zum 2:1 mit "Heil"-Rufen beantwortet. Dem DFB droht nun durch die Fifa eine Geldstrafe, im schlimmsten Fall auch härtere Sanktionen wie ein Fan-Ausschluss. 

Nationaltrainer Joachim Löw und auch mehrere Spieler hatten das Verhalten der "Chaoten" verurteilt. Das Bild Deutschlands im Ausland sei beschädigt worden. DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach sich für stärkere Kontrollen bei der Ticketvergabe in Europa aus. Die Krawallmacher hatten die Karten problemlos vor Ort gekauft.

Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) regte eine Aufklärung der Zwischenfälle beim Bundeskriminalamt und der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf an. Bei Letzterer liegt die Zuständigkeit für die Ermittlungen gegen unbekannte deutsche Straftäter im Zusammenhang mit Sportgroßveranstaltungen im Ausland. "Wir haben vor Ort und im Nachgang des Spiels dafür Sorge getragen, dass alle Informationen zusammengeführt und die notwendigen Schritte eingeleitet werden, damit mögliche Straftäter ermittelt und potenzielle Störer erkannt werden", sagte der Leiter der Informationsstelle, Jürgen Lankes. Nun würden alle Erkenntnisse von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf geprüft. 

Unter ZIS-Leitung war auch eine deutsche Polizeidelegation vor Ort, um den Einsatz der tschechischen Polizei zu unterstützen. "Nach unseren Erkenntnissen befanden sich in Prag am Spieltag rund 300 Personen, die wir der potenziell gewaltbereiten deutschen Störer-Szene zurechnen", sagte die Leiterin der Polizeidelegation, Heike Schultz. Auch die tschechischen Ermittlungsbehörden prüfen eine strafrechtliche Verfolgung der Störer. 

Die Einleitung von Strafverfahren und die Verdichtung von Erkenntnissen über einzelne Störer gebe der ZIS die Möglichkeit, für künftige Spiele auch polizeiliche Präventivmaßnahmen gegen diese Personen prüfen zu können. Das halte sie von Randale und Gewalttaten ab, sagte Lankes. Neben Ausreiseverboten und Meldeauflagen für bekannte Störer seien bundesweite Stadionverbote durch den DFB denkbar.