Berlin als globale Schacharena: Der nächste Herausforderer von Magnus Carlsen im Kampf um den Titel des Schachweltmeisters wird im kommenden März in der deutschen Hauptstadt ermittelt. Das hat jetzt Ilya Merenzon mitgeteilt, der Chef der Firma World Chess, die im Auftrag des Weltschachverbands Fide den Titelkampf ausrichtet. Zweieinhalb Wochen soll das Kandidatenturnier dauern, in dessen Verlauf sich einer von acht Teilnehmern das Recht erkämpft, gegen den Norweger anzutreten. 

Das Turnier soll am Freitag, dem 9. März, feierlich eröffnet werden. Vom 10. bis zum 27. März sollen dann vierzehn Runden gespielt werden. Jeder gegen jeden zweimal, einmal mit Weiß, einmal mit Schwarz.

Der Austragungsort ist noch nicht benannt. Die Rede ist vom "Zentrum der Stadt". Da schon vom 2. Oktober an Eintrittskarten verkauft werden sollen, wird die Bekanntgabe wohl bald folgen müssen. Die Firma World Chess, eine Tochter des Schachveranstalters Agon, ist bekannt für ihre Last-minute-Organisation. 

Von den acht Teilnehmern des Turniers steht erst einer fest: Es ist der Russe Sergej Karjakin, der im November 2016 Magnus Carlsen im WM-Kampf in New York knapp unterlag. Zwei weitere Teilnehmer werden gerade im georgischen Tiflis beim World Cup ermittelt, dem stärksten K.-o.-Turnier der Welt, in dem 128 Großmeister an den Start gehen. Nach drei gespielten Runden sind nur noch 16 im Feld. Die beiden Finalisten fahren nach Berlin.

Zwei weitere Teilnehmer sind die Punktbesten aus dem Grand Prix, einer Serie von starken Turnieren, die über Monate hinweg ausgetragen wird. Teilnehmer Nummer 6 und 7 schließlich sind die zwei – zu einem bestimmten Zeitpunkt – besten Spieler der Weltrangliste. Den achten Platz des Kandidatenturniers können die Veranstalter als Wildcard vergeben. Hier ist die Frage, ob ein deutscher Großmeister teilnehmen darf. Groß wären seine Aussichten auf einen Sieg nicht, leider zählt kein Deutscher zur Weltspitze.

Die Planungen haben begonnen

"Mehr als 23 Prozent der Deutschen spielen regelmäßig Schach", sagt Ilya Merenzon. "Der Sport ist in Deutschland immens populär. Deswegen freuen wir uns sehr, das Turnier in Berlin abzuhalten und den hiesigen Fans erstmals die Chance zu geben, es live zu erleben." Bei Merenzons Entscheidung mag die Weltblitzmeisterschaft 2015 in Berlin eine Rolle gespielt haben. Das Publikum stand stundenlang Schlange, um Einlass zu bekommen.

Der Deutsche Schachbund freut sich über die Vergabe: "Im kommenden Jahr ist die Weltspitze für zweieinhalb Wochen bei uns zu Gast!", sagt sein neuer Präsident Ullrich Krause. "Unsere Planungen für ein angemessenes Rahmenprogramm haben bereits begonnen."

Und wie steht es um Weltmeister Carlsen? Der 26-jährige Norweger muss gerade die größte Schlappe des Jahres wegstecken. Als einer von 128 war er in Tiflis beim World Cup an den Start gegangen. Spötter witzelten, wenn er den World Cup gewinnt und anschließend das Kandidatenturnier, kann er den nächsten WM-Kampf gegen sich selbst spielen.

Nun, es sollte anders kommen. Am Samstag unterlag er mit Weiß dem 31-jährigen Chinesen Bu Xiangzhi in einer spektakulären Partie. Die Revanche am Sonntag führte nur zu einem Remis; Carlsen ist ausgeschieden. Es wird ihn nicht trösten, dass es bei diesem Top-oder-Flop-Turnier auch andere Schwergewichte traf: Die Ex-Weltmeister Viswanathan Anand aus Indien und Wladimir Kramnik aus Russland hat es ebenso erwischt wie den ehrgeizigen Amerikaner Hikaru Nakamura.