Am Freitag wurde wieder oft Konfuzius zitiert. Der chinesische Philosoph war ein kluger und fleißiger Mann. Von ihm stammen unzählige Aphorismen, das abgenutzte "Der Weg ist das Ziel" ebenso wie "Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel." Manchmal müssen es nicht einmal Maulwurfshügel sein, es reichen ein paar Fahnen.

Tibetische Fahnen, aufgehängt auf einem Provinzsportplatz in Mainz, waren genug, um das große China nervös zu machen. So nervös, dass es eine ganze Fußballmannschaft zurück nach Hause holte und seinen Gastgeber, den DFB, brüskierte. Eigentlich sollte Chinas U20 in diesen Monaten gegen Teams der Regionalliga Südwest spielen, Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln, lernen, wie man in harten Zweikämpfen auf tiefem, südwestdeutschem Rasen besteht. Doch daraus wurde nichts. Die Chinesen sind wieder abgereist, weil sie sich durch Tibet-Fahnen provoziert fühlten. Erst 2018 soll es weitergehen, wenn überhaupt.

"Kirmesliga"

Damit endet nach genau einem Spiel vorerst eine Geschichte, bei der sich nicht nur China, sondern auch der DFB blamiert hat. Die Chinesen, weil sie gezeigt haben, dass ihnen das Verständnis für das Land ihres Gastgebers fehlt – oder ihnen dessen demokratische Grundregeln herzlich egal sind. Der DFB, weil ihm womöglich das Verständnis für die Problematik der Aktion fehlte – oder ihm die berechtigte Kritik daran zu lange egal war. Er konnte oder wollte nicht verstehen, warum die Spiele mit China ein Problem sind. "Zum Bedauern aller Beteiligten hat das Projekt nicht die erwartete breite Zustimmung erhalten", schreibt der DFB in seiner jüngsten Pressemitteilung. Die erwartete breite Zustimmung – das ist wohl nicht ironisch gemeint.

Es gab auch Argumente, die dafür sprachen, Chinas Nachwuchskicker gegen Teams der Regionalliga Südwest spielen zu lassen. Die hat nur 19 Teams, je eine Mannschaft hat pro Wochenende spielfrei und gegen die sollten die Chinesen spielen. Davon hätten alle profitieren können. Die Chinesen werden besser, indem sie gegen stärkere Gegner spielen. Die Regionalligaclubs bleiben im Rhythmus, können unter Wettkampfbedingungen trainieren und bekommen obendrein noch 15.000 Euro.

Was der DFB nicht bedacht hat: die Wirkung der Zusammenarbeit. In Zeiten, in denen viele Fans sich über die allzu starke Kommerzialisierung ihres Sports sorgen, wird ein solches Engagement kritisch begleitet. Dem DFB, so ein Vorwurf, gehe es doch gar nicht um fußballerische Entwicklungshilfe, sondern ums Geldverdienen auf einem der potenziell größten Märkte der Welt. "Die Regionalliga wird zu einer Kirmesliga, damit der FC Bayern München mehr Trikots in China verkaufen kann", sagte etwa Hajo Sommers, der Präsident von RW Oberhausen.