Zwischen Bahnstrecke, Stadtpark, Jachtklub und dem Rhein liegt ein Industriedenkmal. Das Alte Rohrlager der Mainzer Stadtwerke vegetiert seit mehr als 30 Jahren weitestgehend ungenutzt vor sich hin. Das soll sich bald ändern. Hier soll einmal ein Jugendtreff entstehen, eine Veranstaltungshalle für Lesungen und Konzerte und ein Fankulturcafé, in dem Fußball geschaut, sich über Fankultur ausgetauscht und gefeiert werden soll. Auch ein kleines Schulungszentrum ist im Gespräch, in dem Bewerbungstrainings oder Deutschkurse für Migranten angeboten werden sollen. Kurzum: Alle sollen sich hier willkommen fühlen, nicht nur Fußballfans. 

Das Besondere: Die Fans werden nicht nur selbst mit renovieren, sondern auch einen erheblichen Teil der Kosten zahlen. 300.000 Euro hat der Förderverein des Mainzer Fanprojekts vorgeschossen, das dort auch bald einziehen soll. Mehr als 150.000 Euro aber haben die Fans selbst gesammelt. Mit dieser Summe kann das Haus nun tatäschlich hergerichtet werden, wegen alter Bausünden und aus Denkmalschutzgründen wurde nämlich alles teurer als geplant.

Interessant ist vor allem die Art, wie die Fans das Geld sammelten. Die Initiatoren haben sich an Crowdfanding gewandt, eine Crowdfunding-Plattform für Sportfans. Beim Crowdfunding finanzieren viele, viele Menschen über Plattformen im Internet mit kleinen Beträgen größere Projekte, die Spanne reicht von neuartigen Kaffeemaschinen bis zu Dokumentarfilmen. Einige solcher Plattformen haben sich auf Projekte im Sportbereich spezialisiert. Amateurvereine können sich mit ihrer Hilfe einen neuen Trikotsatz oder das Trainingslager finanzieren lassen. Auch einige Profisportler haben schon Crowdfunding-Modelle ausprobiert. Crowdfanding dagegen sieht sich als Plattform von Fans für Fans.

Immer nur ein Projekt

Geboren wurde die Idee aus der Not heraus. Es ging um die Südkurve im Stadion des thüringischen Fußball-Drittligisten Carl Zeiss Jena. In der Südkurve stehen sowohl die organisierten Jenaer Fans als auch die des Gästeteams. Solch eine örtliche Nähe ist ungewöhnlich. Wenn nun in Jena bald ein neues Stadion gebaut wird, sollen in dessen Südkurve deshalb keine Heimfans mehr stehen. Das sei schlicht zu teuer, hießt es, weil bei so viel Nähe höhere Sicherheitsmaßnamen nötig seien.

Die Fans entschlossen sich daher, Crowdfanding zu gründen. Mehr als 150.000 Euro nahmen sie ein. Der Fifa-Sicherheitschef Helmut Spahn wurde zudem als Mediator engagiert. Sein ursprünglich ausgehandelter Kompromiss sah vor, dass die Jenaer Fans auch im neuen Stadion an ihrem historischen Standort in der Südkurve stehen bleiben dürfen. Mittlerweile wird dies auf kommunaler Ebene wieder in Frage gestellt, obwohl auch die Thüringer Landespolitik den Kompromiss mitträgt.

Die Entscheidung geht in die nächste Runde, aus Crowdfanding ist mittlerweile jedoch ein eingetragener Verein geworden. Er führt ein sogenanntes Reward-basiertes Crowdfunding durch. Jeder Spender erhält abhängig von der Höhe seiner Spende eine Belohnung. In Mainz reichte das Spektrum vom Getränkegutscheinen über Retrotrikots bis zur Verewigung auf Plaketten im Fanhaus. Weil die Macher als eingetragener Verein im Gegensatz zu marktwirtschaftlich arbeitenden Angeboten keinen Gewinn machen müssen, konzentrieren sie sich immer nur auf ein Projekt. Andere Plattformen betreuen teilweise über 100 Projekte gleichzeitig.