Es war wieder einiges los. Polizisten hatten am Dienstag die Fußballhalle in Berlin-Wedding abgeriegelt, überall Sicherheitsleute. Drinnen tickte ein Countdown, eine Lichtshow leuchtete, Tänzer tanzten. Es gab viel Blitzlichter, einen Rapper und mittendrin die deutschen Nationalspieler, die nicht etwa im Voraus den WM-Titel feierten, wie man fast vermuten konnte, sondern: ein Hemd.

Wenn am Freitagabend Joachim Löws Auswahl im Testspiel gegen England zum ersten Mal das neue WM-Trikot aufträgt, ist das Shirt der Star. Das Trikot ist das Allerheiligste der Fußballfanartikel. Wer es trägt, signalisiert Zugehörigkeit. Mehr als mit einem Schal oder einer Mütze, weil es eben genau dieses Trikot ist, in dem die Spieler auch auf dem Platz Heldentaten vollbringen. Eine größere Nähe gibt es kaum und so manchem Träger verleiht es während eines Spiels das Gefühl, jederzeit eingewechselt werden zu können, auch wenn das Hemd am Bauch etwas spannt.

Über das neue Heimtrikot, das die Nationalspieler während der WM 2018 in Russland bei jedem Heimspiel (klingt etwas komisch, aber auch ein Spiel fern der Heimat kann qua Ansetzung ein Heimspiel sein) tragen werden, wurde wieder viel geredet. Wie immer, wenn ein neues Outfit mit viel PR-Bohei auf den Markt geschmissen wird. Zuallererst sehen die Hemden alle gleich aus, haben zwei Ärmel und ein Loch, durch das der Kopf gesteckt wird, aber die Details sind stets unterschiedlich. Schließlich braucht es Gründe, alle zwei Jahre an die Ladentheke zu bitten. Hier mal eine Applikation hinzu, da mal ein Streifen weg, was profan klingt, beschäftigt viele Designer Monate.

Einigen gefällt es, anderen nicht

Das neue Trikot ist eine Reminiszenz an die Vergangenheit. Ein Ring von Rauten zieht sich quer über die Spielerbrüste, so wie 1990, als Andy Brehme, Lothar Matthäus und die anderen in Rom Weltmeister wurden. Damals war der Brustring schwarz-rot-golden, nun ist er etwas dezenter gehalten, in Grautönen, was einigen Fans gefällt, anderen nicht. Geschmackssache eben. Auch AfD-Politiker haben sich wieder zu Wort gemeldet und wittern im fehlenden Schwarz-Rot-Gold Vaterlandsverrat. Ihnen sei ein Blick auf die schlichten weißen Trikots der Weltmeisterteams von 1954 und 1974 empfohlen.

Neben dem Design auch zuverlässig neu ist eines: der Preis. 89,95 Euro kostet das Replica-Trikot. So teuer war das DFB-Shirt noch nie. Peter Rohlmann von der Marketinggesellschaft PR Marketing beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit Merchandising. Er rechnet vor, dass sich der Preis des DFB-Trikots von 2006 bis 2018 um 38,5 Prozent erhöht hat. Zur Heim-WM 2006 kostete das Shirt 64,95 Euro. Das Kindertrikot wurde im selben Zeitraum gar 45,9 Prozent teuerer. Aber warum?

Die Inflation allein reicht nicht aus, um den teureren Preis zu erklären. Der Preisindex für die allgemeine Lebenshaltung hat sich von 2006 bis 2017 nämlich nur um 16,4 Prozent erhöht. Das Erwachsenentrikot müsste demnach heute etwa 75 Euro kosten, das Kindertrikot 56 Euro. Beide sind aber deutlich teurer. Der Preis für das Kindertrikot ist sogar dreimal so stark gestiegen wie die Preise im Alltag.

Adidas erklärt auf Anfrage die Preise mit höheren Beschaffungskosten "etwa durch erhöhte Rohstoff-, Lohn- und Transportkosten". Gleichzeitig würden die Produktentwickler daran arbeiten, Herstellung und Vertrieb effizienter zu gestalten, "um diese wachsenden Kosten auszugleichen". Für den Experten Rohlmann steht dagegen etwas anderes im Vordergrund: "Die Preissteigerung hat vor allem mit der Sponsoringbeziehung zwischen Adidas und dem DFB zu tun", sagt er. Dazu muss man wissen, dass der Ausrüster Adidas dem DFB jährlich einen Millionenbetrag zahlt. Der Vertrag räumt der Sportartikelfirma das Recht ein, den DFB mit Trikots auszustatten.