Italien hat die Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft in Russland verpasst. Das K.O-Spiel in Mailand am Montagabend gegen Schweden endete 0:0. Zum ersten Mal seit 60 Jahren findet eine WM ohne die Azzuri statt. Italienische Medien sind geschockt, auch die internationale Presse kann es schwer fassen. Im Fokus steht der Rücktritt von Torhüter Gianluigi Buffon.

"Das ist die Apokalypse", kommentierte die italienische Gazzetta dello Sport. Das Aus in der WM-Qualifikation sei eine der "schwärzesten Episoden unserer Sportgeschichte", schreibt die Zeitung, eine "Stunde Null" für Italien.

"Fußball-Beben" und Trainerfrage

Die italienische Tageszeitung La Stampa findet das Ergebnis verdient: "Das azurblaue Desaster ist Wirklichkeit. So viel Enttäuschung und so viel Ärger. (...) Schweden fährt nach Russland – und das verdient. Der Rest zählt nicht." Nun sei Zeit, sich ohne Panik Gedanken über einen Neuanfang zu machen. "Die Nacht von San Siro ist schwarz wie Kohle. Es wird viel Zeit vergehen, bis der nächste Morgen graut."

Bereits vor dem Spiel kritisierten Medien den Chef des italienischen Fußballverbands, Carlo Tavecchio. Nach dem Aus wollte dieser sich 48 Stunden Zeit nehmen, um Konsequenzen aus der verpassten Qualifikation zu verkünden. Dass es der bisherige Trainer Ventura sein wird, der die Mannschaft bis zur Europameisterschaft 2020 wieder aufbaut, gilt als unwahrscheinlich. Die Zeitung Corriere della Sera spekuliert schon über einen Nachfolger für Ventura: Carlo Ancelotti. Der hätte seit seinem Rausschmiss beim FC Bayern zumindest Zeit.

Von einem "unauslöschlichen Fleck" schreibt der Corriere dello Sport. "Es ist vorbei. Apokalypse, Tragödie, Katastrophe. Nennen Sie es, wie Sie möchten.(...) Unser Fußball befindet sich in einer ernsten Krise."

Fußballweltmeisterschaft - Fans enttäuscht über Italiens Aus Im Weltmeisterqualifikationsspiel hat Italien gegen Schweden 0:0 gespielt und damit die Teilnahme an der WM 2018 verpasst. Nationaltorwart Buffon gab nach dem Spiel seinen Rücktritt bekannt. © Foto: Marco Luzzani/Reuters

"Zeichen von Müdigkeit"

"Das ist ein Fußball-Beben", schreibt die Bild-Zeitung. Nach den Niederlanden sei die zweite Top-Mannschaft an der Qualifikation gescheitert. "Die Attraktivität des Turniers in Russland leidet stark." Außerdem zollt die Zeitung Buffon Respekt. Der 39-Jährige stand 20 Jahre lang im Tor der Azzuri. "Nachdem er seine weinenden Mitspieler getröstet hat, eilt er zu den schwedischen Spielern, um ihnen zum Weiterkommen zu gratulieren. Dann kommen auch ihm die Tränen." An Buffon sei das Weiterkommen nicht gescheitert.

Die französische Sportzeitung L’Équipe analysiert, wie es zu der "Katastrophe" kommen konnte. Italien musste in die Playoffs gegen Schweden, weil das Team in seiner Vorrundengruppe nur Zweiter wurde – hinter den starken Spaniern, mit denen Italien in eine Gruppe gelost worden war. "Eine unglaubliche Situation, die Fragen aufwirft über das System zur Qualifikation." Zudem bemängelt die Zeitung das hohe Alter des italienischen Teams. Einige der Alt-Stars, Bonucci, Barzagli, Chiellini, Buffon oder De Rossi, hätten "Zeichen von Müdigkeit" gezeigt. Die Jungen hätten sich trotzdem nicht durchsetzen können.