Philipp Lahm stand auf der Bühne eines Messehotels in Frankfurt und vereinte den großen Gegensatz des deutschen Fußballs. Der Weltmeister und ehemalige Kapitän der deutschen Elf wurde auf dem außerordentlichen Bundestag zum Ehrenspielführer ernannt. In seiner Dankesrede würdigte er seine Vorgänger Beckenbauer, Klinsmann und Matthäus.

Auch seine Verbindung zum Amateurfußball drückte Lahm aus. Teile seiner Familie arbeiten schon lange ehrenamtlich beim FT Gern, wo auch Lahm das Kicken lernte. Und ausgerechnet der Präsident dieses Münchner Kreisligisten ist Mitglied der Initiative zur Rettung der Amateurvereine. Das ist eine DFB-kritische Bewegung unter der Leitung des ehemaligen Unterhachinger Präsidenten Engelbert Kupka, der zum Verlierer dieses Bundestags wurde.

Der Bundestag stand im Zeichen des Gegensatzes zwischen Groß und Klein. Kupka und seine Verbündeten wollten Beschlüsse verhindern, die die Amateurvereine finanziell benachteiligen – weiterhin benachteiligen, denn der DFB hat mit der DFL, dem Verband der Profis, schon vor Jahren eine nicht öffentliche Vereinbarung getroffen.

Wahrscheinlich mehr als 50 Millionen Euro ließ sich der DFB dadurch entgehen. Sogar die Staatsanwaltschaft Frankfurt teilte dem Kicker mit, der DFB verteile sein Geld "zu Lasten des Amateurfußballs". Dies alles geschah in geheimen Zusatzvereinbarungen, die die offiziellen Verträge aushebelten.

Die Verträge sind nun nicht mehr geheim, der DFB hat sie auf Druck der Öffentlichkeit transparent gemacht. Aber die Mindereinnahmen für die Amateure bleiben. Überzeugend entkräften konnte der DFB-Präsident Reinhard Grindel die Rechnungen der Kritiker auch in Frankfurt nicht. Aber wie erwartet folgten alle Delegierten dem Präsidenten.

Der DFB beugt sich damit der Macht des Profifußballs. Spätestens mit den jüngsten Beschlüssen verabschiedet er sich auch offiziell vom solidarischen Prinzip. Die Basis erhält feste Beträge und wird nicht linear am stetig steigenden Wachstum der Spitze beteiligt, wie das im Grundlagenvertrag von 2001 einmal vorgesehen war. Der DFB hat offenbar vergessen, wen er vertritt.

Eine zweite Frankfurter Entscheidung hat historischen Charakter. Auf einem Gelände in der Nähe des Frankfurter Flughafens baut der DFB eine Akademie. Es ist das Projekt Oliver Bierhoffs. Der Manager wünscht sich einen Thinktank, in dem sich Trainingslehre, Wissenschaft, Medizin und Praxis vereinen. Im Silicon Valley des deutschen Fußballs sollen die neuen Weltmeister entstehen. Die Akademie wird sehr teuer, veranschlagt sind mindestens 127 Millionen Euro. Auch sie dürfte eher der Fußballelite nutzen.

Wie üblich war der Bundestag umrahmt von Folklore der Sportdemokratie. Es gab PR-Filme, die von einem prominenten ARD-Reporter vertont wurden. Die Abstimmungen fielen fast alle einstimmig aus. Substanzielle Nachfragen stellte niemand. Die Redner ließen sich zu keinem Wort der Selbstkritik hinreißen, obwohl der DFB auf den vergangenen Bundestagen seinen Delegierten wichtige Vertragsinhalte nicht mitgeteilt hatte, sie aber darüber abstimmen ließ. Der Vizepräsident Rainer Koch sagte offenherzig, man wolle kein Parlament mit Opposition sein. "Wir wollen keinen Streit, keinen Ärger, sondern Harmonie."

Nur Engelbert Kupka aus Unterhaching bekam, in Abwesenheit, etwas zu hören. Viele Redner attackierten ihn heftig, es fielen Begriffe wie "Populismus", "Halbwahrheiten" und "selbst ernannter Retter der Amateure". Seine in vielen Fällen berechtigten Einwände, mit denen er sich bei der Ethikkommission beschwerte, seien ein "reines Medienphänomen", sagte der Schatzmeister. Nicht mal Kupkas Namen nannten die, die da schimpften. Ihre Botschaft kam an: So geht das System mit Kritikern um.