Russlands Präsident Wladimir Putin hat Spekulationen über einen russischen Boykott der Olympischen Winterspiele im kommenden Februar zurückgewiesen. "Wir werden mit Sicherheit keinerlei Boykott erklären", sagte Putin in Nischni Nowgorod. Russischen Athleten steht es demnach frei, unter neutraler Flagge teilzunehmen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte nach zahlreichen Dopingfällen russischer Athleten am Dienstag entschieden, keine russische Delegation bei den Spielen zuzulassen. Unbelastete russische Athleten können jedoch unter neutraler Flagge an den Wettkämpfen teilnehmen. Sie müssen statt Nationaltrikots Wettkampfanzüge tragen, auf denen "Olympiasportler aus Russland (OAR)" steht. Auch die russische Hymne wird nicht zu hören sein.

Härtere Strafen verhängte das IOC gegen die russischen Funktionäre. Witali Mutko, einst Sportminister, jetzt Vizeregierungschef, Präsident des Fußballverbandes und Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Sommer, ist lebenslang für Olympische Spiele gesperrt. Das Nationale Olympische Komitee ist erst einmal suspendiert. 

Olympische Winterspiele - Russland will Verbindungen zum IOC erhalten Nach dem Olympia-Ausschluss wegen Staatsdopings will Russland mit kühlem Kopf reagieren. Man wolle die Interessen der russischen Athleten schützen, sagte ein Kreml-Sprecher. © Foto: Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Alexander Schukow, verliert seine IOC-Mitgliedschaft. Russische Spitzenfunktionäre sind von Spielen im südkoreanischen Pyeongchang ausgeladen. Möglich ist ein Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof, um diese Entscheidungen anzufechten.  

Putin hatte vor der IOC-Entscheidung vor einer "ernsthaften Schädigung der olympischen Bewegung" gewarnt. Es gebe zwei Optionen: "Entweder Russland zu zwingen, unter neutraler Flagge anzutreten, oder es überhaupt nicht zu den Olympischen Spielen zuzulassen", sagte Putin. "Jede ist eine Erniedrigung für das Land."

Dem IOC liegen Beweise vor, wonach russischen Sportlern mit einem staatlich unterstützten Dopingprogramm zu Medaillengewinnen verholfen wurde. Zentrale Erkenntnisse finden sich im sogenannten McLaren-Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), der nach dem kanadischen Juristen Richard McLaren benannt ist.