Sehr stilvoll sei die Trennung von Peter Bosz abgelaufen, schrieb der BVB am Sonntag. Das ist, gemessen an der vorherigen Trainerentlssung im Mai, ein Fortschritt. Ansonsten scheint Dortmund unter Peter Bosz stehen geblieben zu sein, eher ging es rückwärts. Anspruch und Wahrheit, in Dortmund ist das eine längst dem anderen enteilt. 

Peter Bosz wurde am Sonntag als BVB-Trainer entlassen, es war eine der kürzesten Anstellungen beim BVB. Peter Stöger, erst vor einer Woche sieglos als Tabellenletzter in Köln entlassen worden, sitzt bereits am Dienstag für den BVB auf der Trainerbank.

Womöglich degradiert sich der BVB gerade selbst. Zwar kannte man in Deutschland Peter Bosz kaum. Doch beinahe hätte er im Mai die Europa League mit Ajax Amsterdam gewonnen. Bosz sollte nicht nur in der Bundesliga glänzen. Vielleicht sah Hans-Joachim Watzke in ihm einen kommenden großen Trainer. Falls das irgendwann noch passieren sollte, Dortmund wird auf diesem Weg nicht viel beigetragen haben. Peter Stöger ist nun eine durchschnittliche Übergangslösung. Dem BVB geht es wie den Bayern: Er hat einen neuen Trainer, sucht aber schon einen Nachfolger. Die beiden großen deutschen Vereine verlieren Zeit im Kampf mit der inernationalen Konkurrenz.

Borussia Dortmund - BVB trennt sich von Trainer Bosz Nach acht sieglosen Spielen in Folge zieht der BVB die Konsequenz und entlässt Trainer Peter Bosz. Sein Nachfolger ist der frühere Köln-Trainer Peter Stöger, er soll bis Juni 2018 im Amt bleiben. © Foto: Leon Kuegeler/Reuters

Dabei ging es gut los: Der BVB hatte den besten Saisonstart der Vereinsgeschichte. Doch es folgte eine Sieglosserie. Sie verteidigen noch luftiger als unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. In der Champions League sah man, dass der Mannschaft das Format fehlt. Nur zwei Punkte holte der BVB in seiner Gruppe, gewann nicht mal gegen Apoel Nikosia. Bosz ließ sorglos nach vorne spielen. Dortmund hat starke Angreifer, hinten übertölpelten selbst Hannover und Stuttgart den BVB. Oft rannten die Verteidiger hinterher oder leisteten sich spektakuläre Einzelfehler. Roman Bürki hat viele gute und einige schlechte Tage, ein Rückhalt ist er nicht. Am Samstag spielte in der Innenverteidigung Neven Subotić, der selbst den Kölnern vor der Saison nicht mehr gut genug war. Bosz übernahm eine Mannschaft, der Abwehrspieler fehlten. Er behob den Makel allerdings auch nicht. Bemerkte er ihn überhaupt?   

Auch die Struktur fehlt. Marcel Schmelzer blieb Kapitän, Nuri Şahin Sprachrohr. Eine Rangfolge, unabdingbar für Profiteams im Sport, war allerdings nicht auszumachen. Auch das übernahm Bosz von Tuchel, dessen Hierachiepyramide man sich wie eine norddeutsche Ebene vorstellen muss. So ging der BVB führungslos in die Saison. Zwar gezuckert mit vielen Millionen aus dem Verkauf von Ousmane Dembélé, aber auch mit der erneuten Erkenntnis: Wer wirklich was kann, der geht. Jedes Jahr verliert der BVB seine besten Spieler.

Am Samstag scheiterte Bosz gegen Bremen mit dem 4-3-3, jenem System, das in seiner Heimat Holland alle Teams von der Jugend an durchlaufen. Es war sein letzter Rückzugsversuch in das Gewohnte. Boszs Idee hatte eine, vielleicht eineinhalb Dimensionen. Zu wenig für einen Club, der in drei Wettbewerben antritt.