Wer spielte wie gegen wen?

Gladbach gewinnt die Herzchenwertung, dahinter folgen die Solidaritätslikes für Peter Stöger. Ginge es nach Ihnen, wäre Stöger noch im Amt.


Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Hoffenheim gegen Leipzig. Beide sind recht neu auf dem Markt der Spitzenkräfte. Auf den ersten Blick stehen beide Vereine für das gleiche Modell, doch die Leipziger sind noch ambitionierter, der Wert ihres Kaders ist rund doppelt so hoch wie der der Hoffenheimer. Nach 90 Minuten stand dennoch die höchste Niederlage der jungen Leipziger Bundesliga-Historie. Leipzig blieb somit gegen Bayern, Schalke und jetzt Hoffenheim ohne Punkte und Tore. Hoffenheim hat Bayern, Schalke, jetzt Leipzig besiegt, alle "zu Null". Die TSG tut sich diese Saison aber gegen die Kleinen schwerer.

Für Hoffenheim wurde erstmals Serge Gnabry zum Matchwinner. Zwar hatte er Pausen, aber entwischte einige Male den Leipziger Verteidigern. In Erinnerung wird sein mit Rückspin versehener Lob-Ball aus gut 40 Metern bleiben, nach dem der Keeper Gulácsi vergeblich hechtete. Hoffenheim verteidigte kühl und konterte kalt. Die Leipziger stürzten sich wie immer beim Pressing gemeinsam auf den Ballführenden, im festen Glauben an den Ballverlust des Gegners. Wenns klappt, ist das ein sehr, sehr gutes Mittel. Wenn nicht, wirkt es leichtgläubig. Mancher Gegner gibt den Ball nämlich gar nicht so einfach her, etwa der 19-jährige Hoffenheimer Dennis Geiger. Der ließ mit Pirouetten die Leipziger Häscher ins Nichts hasten. Geiger ist wie zwei andere aus der Hoffenheimer Startelf ein Eigengewächs. RB, noch ein Unterschied, kann übrigens keinen Spieler aus dem eigenen Stall vorweisen.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Freiburg gegen Hamburg, So sah das auch Matthias Sammer, der mit Leidenschaft und Gründlichkeit seinem Job als Eurosport-Experte nachgeht. Die Freiburger haben das Angreifen in diesem kargen Spiel, in dem beide Teams zu erfrieren schienen, wenigstens ab und an versucht. Daher nahm sich Sammer den HSV vor. Der sei "total passiv" gewesen, habe nur das 0:0 gewollt. "Ich kann das gar nicht akzeptieren." Der Kapitän der Hamburger, Gōtoku Sakai, erwiderte: "Mir ist scheißegal, was jemand anderes über unseren Fußball sagt." Und der Trainer Markus Gisdol bezichtigte Sammer "populistischer Aussagen". Dabei waren seine Sätze, gemessen an dem, was HSV-Fans und Spieler gewohnt sind, noch harmlos: "Die Hamburger wollen gar nicht richtig Fußball spielen." Falsch lag er damit auch nicht.

Wer stand im Blickpunkt?

Peter Stöger. Drei Punkte aus 14 Spielen, elf weniger als der Tabellenfünfzehnte HSV – der bislang von vielen hochgeschätzte Trainer ist in dieser Saison tief gefallen. Schon in den Vorjahren fiel Stöger nicht durch eine überanspruchsvolle Taktik auf. Eher durch grundsolide Menschen- und Mannschaftsführung. So viel schlechter sind die Kölner dieses Jahr gar nicht geworden. Oder anders: So viel besser waren sie die letzten Jahre nicht. Sie hatten halt ein bisschen mehr Glück und einen Torjäger Modeste. Man durfte sich nie von Platz 5, wie am Ende der Vorsaison, täuschen lassen. Das muss in dieser mediokren Bundesliga nicht viel heißen.

Doch es geht um mehr als Sportliches. Es ist mehr als eine gewöhnliche Trainerentlassung. Stöger übernahm vor viereinhalb Jahren den FC in der Zweiten Liga und führte den stets nervösen Verein mit ruhiger Hand nach Europa, erstmals seit einem Vierteljahrhundert. Die Kölner lieben den bescheiden auftretenden und humorvollen Österreicher.  Wie er sich von Spielern und Fans am Samstag im Stadion verabschiedete, ging allen ans Herz. Stöger hebt sogar das Kölsche Jrundjesetz aus den Angeln. In Artikel 4 heißt es: Wat fott es, es fott. Jammer den Dingen nicht nach! Doch in Köln wird man noch lange jammern. Vielleicht der schwerste Kölner Tag seit dem Tod von Willy Millowitsch. Maach et jot, Peter, mer sin uns widder.

Alte Kölner Boulevard-Qualitäten kommen nun auch wieder zum Vorschein. Stöger hatte sich vor Tagen öffentlich mehr Loyalität vom Verein erbeten. Ein etwas ungerechter Vorwurf, denn woanders wäre er längst entlassen worden. So beschlossen alle zusammen das Ende schon vor dem Spiel gegen Schalke. Nun geht Stöger ausgerechnet nach dem besten Ergebnis dieser Bundesliga-Saison, einem Remis beim Tabellendritten. Bis zur Winterpause übernimmt erst mal Stefan Ruthenbeck, der Trainer der U19. Wie sich herausstellte, hatte er seiner Mannschaft schon am Vormittag, also weit vor dem Anpfiff des letzten Stöger-Spiels, seinen Wechsel verraten. Und Alexander Wehrle, der Geschäftsführer, gerät unter Druck, weil er angeblich Horst Heldt aus Hannover abwerben will. Der FC sucht nach dem Abgang von Jörg Schmadtke ja auch einen Sportdirektor. Wehrle will diesen Verdacht nun entkräften und erzählte gemäß kicker von einem Vertrauten, der ihm vor einiger Zeit gesagt habe: "Pass auf, Alex, der Horst kommt mit dem Fahrrad nach Köln!" Wehrle will darauf geantwortet haben: "Dann soll er mal seine Reifen aufpumpen."