Nach Schüssen auf Deniz Naki steht der Profifußballer unter Polizeischutz. "Deniz hält sich jetzt an einem geheimen Ort auf. Die Polizei schützt ihn", sagte sein Anwalt Soran Haldi Mizrak. Der 28-Jährige war nahe dem rheinischen Düren auf der Autobahn A4 aus einem fahrenden Wagen beschossen worden. Sein Anwalt sagt, Naki gehe es gut, allerdings fürchte er um sein Leben. "Er ist nicht sicher in Deutschland momentan", sagte Mizrak. Dennoch wolle er sich nicht unterkriegen lassen und mit seiner Familie in die Türkei zurückkehren.

Derzeit ermittelt die Aachener Staatsanwaltschaft wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt. Es werde weiter "in alle Richtungen" ermittelt, sagte ein Sprecher. Der Fußballspieler mit kurdischen Wurzeln sieht sich als Opfer eines politisch motivierten Mordanschlags. So sagte er der Welt und bento, dass er rechtsradikale Türken oder den türkischen Geheimdienst hinter der Tat vermutet. Bereits früher wurde der Fußballprofi körperlich attackiert. Zudem erhält er regelmäßig Morddrohungen aus Deutschland.

Naki, der beim türkischen Drittligisten Amed SK aus Diyarbakır spielt, gilt als scharfer Kritiker der türkischen Regierung. Wegen angeblicher "Terrorpropaganda" für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verurteilte ihn ein türkisches Gericht im vergangenen Jahr zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe. Grund dafür waren kritische Äußerungen auf Twitter und Facebook gegen das Vorgehen des türkischen Militärs im kurdisch geprägten Südosten.

Seit dem gescheiterten Putschversuch im Sommer 2016 sind die in Deutschland lebenden Türken in Anhänger und Kritiker Erdoğans gespalten. Wie der nordrhein-wesfälische Innenminister Herbert Reul jüngst dem Düsseldorfer Landtag berichtete, ist der türkische Geheimdienst auch in Nordrhein-Westfalen aktiv. Aufforderungen Erdoğans, "Regierungsfeinde" zu melden, stoßen dem CDU-Minister zufolge in "türkisch-nationalistischen Vereinen" auf Gehör.