Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben den umstrittenen Videobeweis erneut gegen Kritik verteidigt. "DFB und DFL sind absolut davon überzeugt, dass der Videobeweis das Spiel gerechter macht", sagte der DFL-Direktor Ansgar Schwenken. Weiter sei man überzeugt, dass der Videobeweis "das gerechte und richtige Instrument ist, um zu den richtigen Entscheidungen zu kommen".

In den 153 Spielen der Bundesliga-Hinrunde überprüften die Video-Schiedsrichter 1.041 Entscheidungen ihrer Kollegen auf den Plätzen. In 50 Fällen empfahl der Videoassistent dem Schiedsrichter auf dem Platz, seine Entscheidung zu korrigieren. 48 Male wurde die Entscheidung auch tatsächlich korrigiert, 37 Male erwies sich dieser Eingriff als richtig.

Konkret bedeutet dies: Laut DFB-Statistik wurden in der Hinrunde 37 Fehlentscheidungen durch den Einsatz des Videobeweises verhindert. Umgekehrt wurden aber auch elf Fehlentscheidungen auf diesem Wege erst herbeigeführt. "Diese elf Entscheidungen, die nicht korrekt waren, müssen in der Rückrunde gegen Null gehen", forderte Schwenken. "Denn sie führen zum Teil zu dem schlechten Bild, das es über den Videobeweis gibt."

Die Bundesliga hatte in dieser Saison testweise den sogenannten Videoassistenten eingeführt. Seitdem sitzen in einem Videocenter in Köln Schiedsrichter, die die Entscheidungen ihrer Kollegen überprüfen und im Falle einer klaren Fehlentscheidung eingreifen sollen.

Heynckes will Schiedsrichter auf dem Rasen stärken

Nach Schwierigkeiten in der ersten Testphase stockte der DFB die Anzahl der Video-Referees auf, seit November wird jedes Spiel von zwei Schiedsrichtern am Monitor beobachtet. Eingreifen sollen die Schiedsrichter nur bei spielentscheidenden Situationen – das sind laut Fifa Tore, Elfmeter, Rote Karten und Situationen, in denen Schiedsrichter Spieler verwechseln.

Während DFB-Funktionäre nach ersten fehlerhaften Entscheidungen für Geduld warben, mehrten sich im Verlauf der Hinrunde die Stimmen der Kritiker. Bayern-Trainer Jupp Heynckes forderte zwar nicht die Abschaffung des Verfahrens. Die Assistenten an den Fernsehern dürften aber nicht den Stellenwert der Schiedsrichter auf dem Platz schmälern, sagte Heynckes. "Es darf nicht so sein, dass den Schiedsrichtern Kompetenz weggenommen wird. Er ist derjenige, der entscheidet. Der Schiedsrichter muss die Verantwortung haben – und nicht die [Videoassistenten, Anm. d. Red.] in Köln", sagte der Trainer des FC Bayern am Donnerstag in München. "Im Grundsatz finde ich den Videobeweis gut, aber er muss anders gehandhabt werden", sagte Heynckes.