Die Staatsanwaltschaft in Wien beschäftigt sich mit einem Korruptionsverdacht gegen den Österreichischen Fußballbund (ÖFB). "Wir ermitteln wegen des Vorwurfs, dass Verantwortliche des ÖFB von Verantwortlichen der Fifa 100.000 Dollar im Zusammenhang mit der Wahl des Fifa-Präsidenten gefordert hätten", sagte eine Sprecherin der Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Die Zahlung sei 2015 kurz vor der Wiederwahl von Sepp Blatter zum FIFA-Chef auf einem Konto der Linzer Oberbank eingegangen. Medienberichten zufolge richten sich die Vorwürfen direkt gegen den ÖFB-Präsidenten Leopold Windtner.

Windtner, der seit 2009 ÖFB-Präsident ist, bestätigte in einem Interview mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) den Zahlungseingang in Höhe von 100.000 Dollar, wies aber die Anschuldigungen zurück, das Geld sei undurchsichtig verwendet worden. "Es ist alles transparent gelaufen und jeder Cent belegt. Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte der 67-Jährige der Nachrichtenagentur APA. "Ich habe Blatter weder ein Versprechen noch eine Zusage gegeben. Seine Nichtwahl war ein einstimmiger Präsidiumsbeschluss des ÖFB. Die Stimme bei der Wahl hat der Vorarlberger Landeschef Horst Lumper abgegeben."

Der Eisenbahnersportverein Wels hatte Windtner bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft angezeigt. Der ÖFB-Chef habe bei der Spende durch den Ex-Fifa-Boss Sepp Blatter "intransparent und rechtlich fragwürdig agiert". Das Geld sei einem sozialen Projekt in Afrika zugeordnet, dessen Schirmherrin Windtners Ehefrau sei, heißt es in der Anzeige.

Windtner bezeichnet die Anzeige als Rundumschlag des Vereins, der zuvor durch den Verband vom Meisterschaftsbetrieb ausgeschlossen worden sei.

Der langjährige Fifa-Präsident Blatter musste 2015 im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen seinen Posten räumen. Die Ethikkommission des Verbands verhängte gegen Blatter eine Sperre von sechs Jahren. Insgesamt wurden mehr als 40 Personen und Körperschaften in Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen und Provisionen von insgesamt über 200 Millionen Dollar angeklagt.