Es gibt viele Orte in Nordamerika, denen ein Eishockeyteam gut stünde. Quebec City in Kanada zum Beispiel, wo Eishockey durch die Adern der Menschen fließt. Oder Seattle, wo die Sportfans nach Ersatz für die aufgelösten SuperSonics, ihr Basketballteam, lechzen und die sporthistorisch für das Eishockey bedeutender ist als mancher ahnt. 1927 gewannen dort die Metropolitans den ersten Stanley Cup für ein US-Team.

Beide Städte standen vor einiger Zeit tatsächlich davor, in die renommierte National Hockey League (NHL) zurückzukehren. Den Zuschlag bekam aber eine andere Stadt. Las Vegas, gelegen in der brutheißen Wüste Nevadas. Ein Ort, in dem das Glücksspiel dominiert, manchmal noch das Boxen. In der das Pokern als Sportart gilt. In der das Eis eigentlich dazu da ist, Margaritas zu mixen.

Für Hockey-Puristen war die Geburt der Vegas Golden Knights ein Albtraum. Dieses Team, hineingestopft in eine abgegriffene Stadt der Sünde, die nur glänzt, wenn es dunkel ist. Ein Team, eine Stadt ohne Sporttradition. Dazu bekam das Franchise einen schrägen Namen verpasst, die Goldenen Ritter. Zudem wurden den Spielern absurd unschöne Trikots übergestülpt. Die sportlichen Erwartungen waren deprimierend.

Ein Resultat des 1. Oktobers

"Wir dachten, sie spielen nur, um ein paar Trikots zu verkaufen und gute Draft-Rechte zu sammeln, in dem sie schlecht abschneiden", sagt David Schoen, der Reporter für das Las Vegas Review-Journal. Und womöglich wäre Las Vegas der verpönte Fleck auf der Hockey-Landkarte geblieben, wenn nicht etwas Schreckliches passiert wäre.

Dann kam der 1. Oktober. Ein Waffennarr tötete bei einem Attentat 58 Menschen und verletzte mehr als 500 teils schwer. Mitten in der Innenstadt von Las Vegas, bei einem Country-Festival. Ein Abend, der die Stadt in Blut tunkte, in Entsetzen und Wut zerriss, vor allem aber Furcht streute.

Das geschah fünf Tage vor dem ersten Spiel der Golden Knights in der NHL. Nun hatte man Mitleid mit jedem, der aus der Stadt kam. Sogar mit den Eishockeyspielern.

Ein Vierteljahr später ist das Mitleid Respekt gewichen. Die Golden Knights gewannen sechs ihrer sieben ersten Heimspiele, siegten zuletzt acht Mal in Serie und stehen auf einer Top-Position in der Western Conference. Gegnerische Trainer loben die Mannschaft, deren Erfolg schwer zu erklären ist. "Das alles ist auch ein Resultat des 1. Oktobers", sagt der Reporter Schoen. "Ganz sicher!" Er reist mit dem Team durch das Land, schreibt über immer neue Siege. Früher berichtete Schoen nur über Highschool-Sport und Poker.