Immer wenn es etwas zu feiern gibt, verteilen sie im Deutschen Haus schwarz-rot-goldene Fähnchen. Dann werden die Gäste, wichtige Menschen aus Wirtschaft, Politik, Medien und Sport, die sich gerade noch an Weizenbier und koreanischem Barbecue labten, zum Spalier gebeten. Fast jeder deutsche Sportler, der eine Medaille gewinnt, lässt sich abends hier auf die Schulter klopfen. Im Birch Hills Golf Club, dessen Clubhaus die Deutschen während der Spiele gemietet haben, wird geklatscht und gejohlt und die Lichtanlage gibt ihr Bestes. In der Ecke glitzert die deutsche Bäckerei, gesponsert vom "offiziellen Brot-Partner" des Teams Deutschland. Wer möchte in Südkorea schon auf sein Kornspitz verzichten?

Was aber, wenn dem Veranstalter bald die Fähnchen ausgehen? In den ersten drei Tagen dieser Spiele wurde schon so viel gewedelt und Spalier gestanden, dass man sich darüber Sorgen machen muss. Sieben Medaillen, davon vier goldene. Platz eins im Medaillenspiegel. Ein Start so gut wie lange nicht. Allein am Montag kommt ein kompletter Medaillensatz hinzu. Gold und Bronze für die Biathleten Laura Dahlmeier und Benedikt Doll, Silber für die Skispringerin Katharina Althaus.

Es läuft, die Stimmung ist prächtig. Benedikt Doll erzählt, dass er schon vor seinem Wettkampf vorhatte, zur Siegerehrung zu gehen, nur so, aus Neugier. "Jetzt lohnt es sich gleich viel mehr", sagt er. Das Haus lacht. Die Wintersportnation Deutschland ist hier ganz bei sich. Stolz ist sie. Schließlich zeigt ein Blick auf den ewigen Medaillenspiegel, wer die Wintersportnation schlechthin ist. Genau. Und das soll auch möglichst lange so bleiben.

Rein kommt nur, wer reinkommen soll

"Wir haben unser Zeug zusammen", ist einer der Sätze, den der Skispringer Andreas Wellinger sagt. Er meint: Nervenstärke zum Beispiel und ein wenig Glück. Das hatte der Rodler Johannes Ludwig, der mit 0,002 Sekunden Vorsprung Bronze gewann. Zwei Tausendstel, nach vier Läufen wohlgemerkt, das ist auch im Sekundenbruchteilsport Rodeln nichts. Andere Medaillen kamen weniger überraschend. Wer vorher auf Gold für Laura Dahlmeier und Silber für Katharina Althaus gewettet hat, wäre nicht reich geworden.

Auch das ist eine Qualität von Sportlerinnen und Sportlern, vielleicht sogar die größte: Bei den Spielen gewinnt nicht immer der Beste, sondern der, der in genau diesem Wettkampf der Beste ist. In dem Moment, in dem es drauf ankommt, nicht im Training, nicht im Weltcup in Hintertupfingen, sondern bei den Olympischen Spielen, der größten Bühne des Sports.

Bis auf Felix Loch, der in Führung liegend in seinem letzten Lauf gegen die Wand rodelte und bedröppelt durchs Haus schleicht, schaffen die deutschen Sportler das gerade. Das ist der Unterschied zu Sotschi vor vier Jahren. Damals patzten viele Favoriten. Es folgte das mit Abstand schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung (8 Gold, 6 Silber, 6 Bronze). Ein Ausrutscher, hoffen sie auch im gekaperten Golfclub, der übrigens nicht für Hinz und Kunz offen steht. Rein kommt nur, wer reinkommen soll.