Als Laura Dahlmeier klein war, kletterte sie manchmal auf ihr Stockbett und jubelte. Dabei gab es an sich gar keinen Anlass, alles passierte nur in ihrem Kopf. Sie hat damals durchgespielt, wie es sich wohl anfühlen würde, auf dem Podium zu stehen und die olympische Goldmedaille um den Hals gehängt zu bekommen. "In echt war es anstrengender und die Medaille habe ich auch noch nicht bekommen", sagte Laura Dahlmeier nun am Samstag.

Kurz zuvor stand sie auf dem Olympiapodest auf der Biathlonanlage von Alpensia ganz oben. Weil es die Medaillen bei diesen Spielen erst später gibt, in einer eigenen Zeremonie im Olympiastadion, musste sie mit einem Kuscheltier vorliebnehmen. Dennoch strahlte sie mit dem Schnee um die Wette, der vom abendlichen Flutlicht erhellt wurde. "Es ist ein unheimlich wichtiges Rennen für mich gewesen. Auf diesen Tag habe ich lange hingefiebert."

Laura Dahlmeier, die wegen der knackigen Kälte Stirnband und Haube trug, was sie wie ein Mütterchen aussehen ließ, hat den Biathlon-Sprint über 7,5 Kilometer gewonnen. Mit einem Vorsprung von 24,2 Sekunden, auf dieser Distanz eine kleine Welt. Es ist die erste deutsche Goldmedaille bei diesen Spielen. "Ist das so?", fragte sie. Ja, das ist so.

Die Goldmedaille für die Frau aus Garmisch-Partenkirchen war erwartbar und überraschend zugleich. Erwartbar, weil Dahlmeier bei der WM im vorigen Jahr fünfmal siegte und die Saison dominierte. Die Wahl zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewann sie mit einem nie dagewesenen Vorsprung. Weil sie schon längst der neue Darling der deutschen Biathlongemeinde ist, die etwa 82 Millionen Menschen umfasst und Magdalena Neuner kaum noch vermisst. Und weil Dahlmeyer die möglicherweise beste Biathletin ihrer Zeit ist.

Sie wollte Skifahrerin werden

Überraschend, weil Dahlmeier in dieser Saison schon zweimal krank war und ein paar Rennen auslassen musste. Aber auch, weil es viele Sportlerinnen und Sportler gibt, die zwar die Besten in ihrem Sport sind, die es aber, wenn es darauf ankommt, zum absoluten Höhepunkt der Karriere, nicht schaffen, diese Dominanz in Medaillen umzusetzen. Laura Dahlmeier weiß nun, dass sie das kann. Sie sagt: "Das ist das Schwere für den Sportler. Wenn jeder die Medaille erwartet. Wenn es Druck gibt von der Öffentlichkeit, auch von einem selber. Ich wollte das perfekte Rennen, nur so kann man bei Olympia gewinnen. Aber es ist nicht so einfach, wie es aussieht."

Es liegt wohl daran, dass sich die 24-Jährige, die eigentlich Alpin-Skifahrerin werden wollte, quälen kann wie kaum eine andere Biathletin. Zweimal ist sie nach Rennen schon kollabiert. "Sie arbeitet vielleicht noch ein wenig härter als alle anderen", sagt ihre Kollegin Denise Herrmann, die mit zwei Schießfehlern 21. wurde.