Katarina Witt

Das "schönste Gesicht des Sozialismus" war das Idol einer ganzen ostdeutschen Mädchengeneration und trug vielleicht mehr zur Annäherung zwischen Ost und West bei als Solidarność und Perestroika. Es verliebten sich nämlich auch haufenweise Kapitalisten in Katarina Witt, auch Robert De Niro, der ihr Rosen schickte, und Alberto Tomba ("Tomba la Bomba"), der italienische Slalommacho und dreifache Goldgewinner, der sie mit seinen Siegen und Medaillen betören wollte. 1984 siegte sie achtzehnjährig in Sarajevo. 1988 – und für einige ist es das größte Sportereignis des 20. Jahrhunderts – gewann Katarina Witt in Calgary gegen Debi Thomas im direkten Carmen-Duell und tanzte sich in die Herzen Gesamtdeutschlands, das es so noch gar nicht gab. Stets in einer wichtigen Nebenrolle: ihre Trainerin, die Matriarchin Jutta Müller. Nach der Karriere ließ die Witt Ausflüge in die Unterhaltungsbranche folgen, zum Film und in den Playboy. Ihr Exemplar war erst das zweite in der Geschichte des Magazins, das weltweit ausverkauft war. Das Covergirl davor: Marilyn Monroe.

Hermann Maier

Nur wenige Zeitlupen schmerzen noch immer so wie die von Hermann Maier in Nagano 1998. Erst flog sein Körper unkontrolliert durch die Luft, dann krachte er auf die eisige Piste und schleuderte vierzig Meter weit durch zwei Fangzäune. Wer ihn wieder aufstehen sah, wusste fortan, warum man ihn den Herminator nannte. Nur wenige Tage später gewann der Schwarzenegger der Piste zweimal Gold. Im Sommer 2001 dann verlor er bei einem Motorradunfall beinahe ein Bein. Nach achtzehn Monaten Pause gewann er in Kitzbühel sein Lieblingsrennen: den Super-G. In Turin 2006 gewann er Silber und Bronze. Maier ist der Maurer aus Flachau, der das größte Comeback im alpinen Skisport hinlegte.  

Markus Wasmeier

Als andere zu laufen lernten, stand Markus Wasmeier zum ersten Mal auf Skiern. Mit zwei Jahren hat er anfangen. Der Riesenslalom-Weltmeister von 1985 reifte zum Favoriten der Spiele 1988 von Calgary, doch im besten Gewinneralter von 24 scheiterte er am ersten Tor. In den anderen drei Rennen wurde er jeweils Fünfter. Vier Jahre später fuhr er im Training Bestzeiten, verletzte sich aber beim Fußball in der Halle und wurde Vierter. Erst als dem 30-jährigen 1994 in Lillehammer keiner mehr etwas zutraute, gewann er zweimal Gold, im Super-G und Riesenslalom. Seine Frau sagte ihm danach, dass sie schwanger sei.

Antje Misersky

Weil sie nicht mitdopen wollte, musste die Thüringerin Antje Misersky in der DDR ihre Karriere beenden. Unterbrechen, um genau zu sein, denn nach der Wiedervereinigung gewann sie 1992 in Albertville als erste Deutsche Gold im Biathlon und leitete einen bis heute anhaltenden Boom dieser Sportart in Deutschland ein. Bei der Schlussfeier trug sie die deutsche Fahne. Ihr Erfolg ist auch der ihres Vaters. Henner Misersky war als Skilanglauftrainer 1985 entlassen worden, weil er sich dem Staatsdoping der DDR verweigerte.

Miracle on Ice

Miracle on Ice klingt wie ein US-amerikanischer Film, ist es auch. Das Drama in drei Akten wurde verfilmt. Am 22. Februar 1980 empfing die Eishockeymannschaft der USA in der Finalrunde von Lake Placid den haushohen Favoriten aus der UdSSR. Begegnungen zwischen diesen beiden Nationen waren zu dieser Zeit Kalter Krieg auf dem Eis, zumal die Sowjetunion wenige Wochen zuvor in Afghanistan einmarschiert gewesen war. Das erste Drittel endete 2:2, das zweite dominierten die Sowjets, die sich aber nur mit einem Treffer belohnen konnten. Im letzten Drittel geschah das Unerwartete. Die College-Boys gingen gegen die großen Stars in Führung. Als die letzten zehn Sekunden anbrachen, war allen klar: Ein Wunder wird geschehen. Nach dem Sieg gegen die "Sbornaja" gewann die amerikanische Eishockeyauswahl auch noch das Finalspiel gegen Finnland und machte den Traum von Gold perfekt.


Hackl Schorsch

Wer nicht das Privileg hat, aus Bayern zu stammen, dem wird der Hackl Schorsch wohl wie ein Fremdling vorgekommen sein. Ein kleiner kompakter Kerl, der entweder in hautengen Rodelanzügen oder in bayerischer Tracht verdutzten TV-Zuschauern im harten Berchtesgadener Dialekt den Härtegrad seiner Kufen genauso erklärte wie die Sitzposition. Niemand tüftelte so akribisch an seinem Schlitten herum wie er. Er ist in einer deutschen Disziplin, dem Rennrodeln, der beste und gewann drei Mal olympisches Gold. Hätte er vermutlich auch, wenn er mit dem Weißbier in der Hand die Rinne runtergesaust wäre.

Lillehammer 1994


1994 erlangt ein norwegisches Dorf, rund 200 Kilometer von Oslo entfernt, internationales Interesse. In Lillehammer wurden die 17. Olympischen Winterspiele ausgetragen. Norwegen ist die Heimat vieler Wintersportarten, die Spiele wurden zur Idylle im Schnee, selbst die größten Olympia-Kritiker denken wehmütig an Lillehammer zurück. Es kamen doppelt so viele Zuschauer, als das norwegische Örtchen Einwohner hat. Die Spiele standen im Zeichen der Solidarität, es gab Initiativen, die der im Bosnienkrieg zerstörten Stadt Sarajevo zugute kamen. In Lillehammer selbst ging es vor allem um den Sport. Sportler aus aller Welt lieferten sich faire Wettkämpfe. Vielleicht lag es auch an der Anwesenheit der Königsfamilie, dass diese Spiele als märchenhaft in die Geschichte eingehen.

Cool Runnings & Eddie the Eagle

Michael Edwards war weitsichtig und mäßig talentiert, trotzdem wurde er als Eddie the Eagle zum Skisprung-Star der Spiele in Calgary 1988. Sowohl auf der Groß- als auch der Normalschanze landete der britische Adler auf dem letzten Platz, trotzdem riefen bei der Abschlussfeier 100.000 Zuschauer seinen Namen. Mittlerweile hat Hollywood seine Geschichte verfilmt. Genau wie die des jamaikanischen Bobteams aus dem gleichen Jahr. Die Zuschauer schließen die Außenseiter ins Herz. Dann gab es noch: Kenianische Skilangläufer, ägyptische Abfahrer, Prinz Albert von Monaco im Bob – im Winter sind die Chancen größer, den Traum eines jeden von uns zu leben, vielleicht doch Olympionike zu werden. Selbst Stefan Raab wollte mal als moldawischer Langläufer starten, was zum Glück für Raab und Moldawien nicht geklappt hat.

Rosi Mittermaier

Gold in der Abfahrt, Gold im Slalom, Silber im Riesenslalom – dieser Medaillensatz von Innsbruck 1976 brachte Rosa Katharina Mittermaier den Spitznamen "Gold-Rosi" ein. Sie wurde der Ski-Star der deutschen Herzen. Vor anschließender Fanpost inklusive Heiratsanträgen konnte sich die Oberbayerin nicht mehr retten. Der Gewinner stand aber schon lange fest: Christian Neureuther, der sechs Slalom-Weltcups gewann. Aus der Ehe ging Felix Neureuther hervor.

Jayn Torville & Christopher Dean

Die Kür des englischen Eistanzduos in Sarajevo 1984 lockte in ihrer Heimat mehr Zuschauer vor den Fernseher als ein Fußballspiel. Sie tanzten zu Maurice Ravels hypnotisierendem Bolero. Die Welt hielt den Atem an, als das Paar die ersten dreißig Sekunden auf dem Eis kniete und sich langsam erhob. In der B-Note erhielten sie von allen neun Richtern die 6,0, die damalige Idealnote im Eiskunstlauf. Einmalig in der Sportgeschichte und entgegen allen sportpolitischen Gepflogenheiten im Kalten Krieg. Aufs Eis regnete es Blumen.