Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang deutlich mehr Dopingkontrollen veranlasst als noch vor vier Jahren in Sotschi. Insgesamt seien 16.000 Tests durchgeführt worden, teilte das IOC mit. Das entspreche im Vergleich zu Sotschi einem Plus von rund zwei Dritteln. In der Zeit von April 2017 bis Januar 2018 seien insgesamt 6.000 Wintersportler aus über 60 Ländern getestet worden, die als mögliche Starter für die Spiele in Südkorea infrage kamen.

"Es ging nicht um mehr und mehr und mehr, sondern darum, eine so hohe Qualität der Kontrollen zu haben wie möglich", sagte Richard Budgett, Medizinischer Direktor des Internationalen Olympischen Komitees. Im Fokus der Tests standen die besten 20 Athleten jeder Sportart. "Die russische Mannschaft wurde komplett getestet." In Sotschi soll der russische Gastgeber Dopingproben ausgetauscht und manipuliert haben, um positive Proben eigener Athleten zu vertuschen.

In Pyeongchang sollen rund 2.500 Kontrollen durchgeführt werden, davon 1.400 Tests im Training. Dies sind in etwa so viele wie in Sotschi. Koordiniert werden die Olympia-Kontrollen erstmals von einer unabhängigen Testbehörde (ITA). Verstärkt wurden als Folge des Betrugs in Sotschi auch die Sicherheitsmaßnahmen im Analyselabor in Seoul. Dort wird die Arbeit rund um die Uhr von Videokameras überwacht. Zum Laborteam gehören auch vier Leiter anderer Labore der Welt-Anti-Doping-Agentur.

Unsichere Testflaschen

Eine Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hatte nach den Vorfällen in Sotschi insgesamt 43 russische Wintersportler – darunter mehrere Olympiasieger und Medaillengewinner – lebenslang von künftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen. Das IOC sah es als erwiesen an, dass sie bei den Olympischen Winterspielen 2014 gedopt und damit von einem staatlichen Betrugssystem profitiert haben. 42 der betroffenen Sportler hatten vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch eingelegt. Dieser hatte zuletzt 39 Sperren wegen unzureichender Beweislage aufgehoben. 28 gelten als ab sofort aufgehoben, elf weitere Sportler bleiben noch für die Winterspiele in Pyeongchang ausgeschlossen. Über drei russische Biathletinnen, die ihre Laufbahn inzwischen beendet haben, wird der CAS voraussichtlich nach den Spielen in Südkorea entscheiden. 

Das IOC hatte sich zuletzt "sehr besorgt" über Probleme mit neuen Urinprobenflaschen für Dopingtests gezeigt. Zuvor war herausgekommen, dass sich die Flaschen beim Einfrieren manuell öffnen lassen – ohne dabei Spuren zu hinterlassen.

Olympische Spiele - Das Bemühen um einzigartige Winterspiele in Südkorea Die Region PyeongChang will ihre Winterspiele unverwechselbar machen. Dafür hat sie sogar den eigenen Namen geändert und ein Pop-up-Stadion errichtet. © Foto: JUNG YEON-JE/Getty Images