Wer spielte wie gegen wen?

Sieger der Herzen diesmal Bremen. Werder bekam von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, mehr Liebe als die zwei deutschen Biathlonsieger zusammen in unserer olympischen Darlingswertung.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Dortmund gegen Hamburg. Beide Teams dürfen Hoffnungsvolles mitnehmen. Der HSV war gar nicht schlecht, hätte locker wieder ein Unentschieden erreichen können. Und die Borussia, inzwischen eine defensive, eine gestögerte Mannschaft, konnte sich erneut auf ihre starken Individualisten im Sturm verlassen. Marco Reus war nach gut acht Monaten Verletzungspause wieder auf dem Rasen, leitete auch ein Tor ein. Den letzten Punch setzten andere. Eine scharfe Vorlage von Christian Pulisic spitzelte, schon wieder, Michy Batshuayi ins Tor. Das zweite Tor war eins der Extraklasse, das die Bundesliga gerne wieder öfter zeigen darf. Verantwortlich dafür das deutsche Duo aus Rio, André Schürrle und Mario Götze. Schürrle gelang ein Dribbling, dann verzögerte er den Pass durch die Gasse, bei dem er Gefühl und Auge bewies. Götze schlich in den Strafraum, gar nicht mal langsam, und schnippte den Ball über den Keeper. Das hat man von den beiden lange nicht mehr gesehen, man hatte fast vergessen, dass die das auch können. Der Hamburger Abwehr konnte der Trainer Bernd Hollerbach bei den Toren gar keine großen Vorwürfe machen, es war einfach toll gemacht.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Leverkusen gegen Berlin. Alle Achtung, Hertha! In Leipzig gewonnen, gegen Bayern Unentschieden, jetzt in Leverkusen drei Punkte. Die Großen (Anführungszeichen lassen wir mal großzügig weg) scheinen den Berlinern zu liegen. Doch was war los mit Bayer? Der talentierte Jonathan Tah erstarrte beim zweiten Gegentor, als hätte er in diesem Moment einen Gedanken zu viel im Kopf. Leverkusens derzeit Besten, Leon Bailey, ließ Heiko Herrlich lange auf der Bank. Immerhin eine unterhaltsame Szene versöhnte mit dem Spiel: In der 70. Minute stoppte Rune Jarstein den Ball mit den Fingern, spielte ihn dann mit dem Fuß und nahm ihn mit der Hand auf. Der 33-jährige Berliner Keeper wusste nicht, dass das nicht erlaubt ist ("Ich hab das mein ganzes Leben gemacht, auch in dieser Spielzeit schon, der Schiri hat nie gepfiffen"). Indirekter Freistoß, elf Berliner auf der Torlinie. Es folgten vier Leverkusener Schüsse und Schussversuche in drei Sekunden aus kürzester Distanz, auf die verschiedensten Arten entschärft. Spieler prallten zusammen, blieben auf dem Boden liegen, Ersatzspieler hinter dem Tor rückten vor Aufregung näher, bis der Ball wieder in Jarsteins Armen landete. Ein Fußballwimmelbild.

Wer stand im Blickpunkt?

Ralf Fährmann. Der Schalker Keeper machte im Topspiel in München den Unterschied. Beim ersten Tor wehrte er einen festen, aber mittigen Fernschuss Thomas Müllers vor die Nase Robert Lewandowskis ab. Beim zweiten Münchner Tor versuchte erst der Libero Naldo durch Stehenbleiben zu verteidigen, bevor Fährmann Müller die kurze Ecke öffnete. Zu Fährmanns Verteidigung muss man sagen: Müller gab zu, dass er gar nicht schießen, sondern in die Mitte passen wollte. Jetzt treffen die Bayern sogar schon, wenn sie es gar nicht wollen. Das ist einfach ungerecht. Dennoch wären beide Münchner Treffer ohne Fährmanns Zutun nicht mal in der Rubrik Torchance aufgetaucht. Es war ein ausgeglichenes Spiel, Domenico Tedesco ließ seine Schalker ungewohnt offensiv antreten, im Mittelfeld waren sie mit Leon Goretzka und Max Meyer zwischenzeitlich überlegen. Gewonnen haben die Bayern, weil sie an diesem Tag den besseren Keeper hatten. Nach dem Spiel gab der Verein die Vertragsverlängerung von Sven Ulreich bekannt.

Im Rampenlicht stand diesmal Peter Hermann, der für den kranken Jupp Heynckes einsprang. Für den geborenen Co-Trainer hatten die Bayern eine Ablöse an Düsseldorf gezahlt. Der Sieg gegen Schalke ist ein schöner Anlass, erneut auf Hermanns größten Erfolge hinzuweisen: mit Bayer Leverkusen im Champions-League-Finale 2002, Aufstieg mit Nürnberg 2009, Triple mit den Bayern 2013. Wobei er überall den Eindruck hinterließ, mehr als ein Hütchenaufsteller zu sein.