Sie strecken am Bahnhof Schilder in die Luft, mit denen sie den Weg zum Shuttlebus Richtung Wettkampfarena weisen. Sie kontrollieren die Karten und das Gepäck an den Eingangsschleusen. Sie sorgen für Sicherheit in den Stadien. Sie bekommen viele blöde Fragen gestellt und lächeln trotzdem meist. Nicht umsonst rufen die Organisatoren Olympischer Spiele bei jeder großen Ansprache in die Mikrofone: "Vielen Dank an die Volunteers! Ohne euch wäre das alles gar nicht möglich!"

In Pyeongchang haben die warmen Worte nicht mehr alle Volunteers überzeugt. Von den 15.000 Freiwilligen, die sich zum Helfen angemeldet haben, um die Welt in ihrem Land willkommen zu heißen, hat etwa ein Sechstel wieder hingeschmissen. Es gebe keine Zeit für Essenspausen, und bei der Anreise zu den Einsatzorten erhielten sie kaum Unterstützung, lauten die Vorwürfe. Unter diesen Umständen, haben sich mittlerweile rund 2.400 Helfende gedacht, mögen sie nicht weiterhelfen. Die Show geht weiter, aber ohne sie.

Das kommt nicht überraschend. Mehr als 60 Petitionen hatten die Volunteers schon initiiert und an das Präsidentschaftshaus in Seoul geschickt. Neben Essen und Transport geht es auch um heiße Duschen und die Unterbringung. An entlegenen Einsatzorten, wo die Freiwilligen übernachten müssen, seien teilweise zehn Personen in einen Raum gesteckt worden, der höchstens für vier geeignet sei. Was das fettige und oft kalte Essen angeht, titelte die Tageszeitung Seoul Shinmun schon vorigen Monat: "Selbst Gefängnisnahrung ist besser als das hier".

Auf dem Olympiagelände in Gangneung, wo die Eissportwettbewerbe stattfinden, sagte ein Freiwilliger am Donnerstag: "Wie sie uns hier behandeln! Ich will mich eigentlich für mein Land einsetzen, aber das werde ich nicht mehr."

Das wirft kein gutes Licht auf die Organisatorinnen und Organisatoren der Spiele von Pyeongchang, ist jedoch keine südkoreanische Besonderheit. Die Arbeit olympischer Volunteers ist zentral geregelt, erklärt wird sie auf der Website des IOC. Demnach bewerben sich rund vier Personen pro verfügbarer Stelle. "Alle, was du brauchst, ist Enthusiasmus", steht da. "Die Chance, eine einzigartig herausragende Erfahrung zu machen, ist zum Greifen nahe." Voraussetzung ist nur das Mindestalter von 18 Jahren.

Man könnte auch sagen, das ganze ist eine herausragende Form der Ausbeutung. Von Geld ist keine Rede, was bei der Jobbezeichnung "Volunteer" zunächst nicht erstaunt. Bei den Umsätzen, die das IOC regelmäßig durch die Olympischen Spiele macht, muss es aber verwundern. Im Jahr 2016, als die Sommerspiele in Rio stiegen, nahm das IOC 3,56 Milliarden US-Dollar ein und sah sich Ausgaben von nur 2,85 Milliarden gegenüber. Das Problem ist ohnehin, dass die Austragungsorte für die Kosten Olympischer Spiele überwiegend aufkommen. Und die wollen sparen, wo es geht.

Bei den Paralympics braucht man sie auch noch

Es ist ein Muster, das auch bei anderen Sportveranstaltungen erprobt ist. Bei Fußballweltmeisterschaften lässt die Fifa ihre unverzichtbaren Volunteers ebenfalls gratis arbeiten, speist sie ähnlich wie das IOC mit schicken Anzügen ab, die die Helfer behalten dürfen. Tickets zu den Veranstaltungen wiederum müssen auch sie zahlen. Spiele oder Wettkämpfe sehen sie keine, solange ihr Einsatzbereich nicht zufällig in einer Arena ist. Viele Freiwillige nehmen für diese Wochen Urlaub von ihrem eigentlichen Job. Den hätten sie aber vor allem nach dem Spektakel nötig, weil sie oft den ganzen Tag arbeiten.

"Wenn ich überlege, wie viel Geld hier umgesetzt wird", sagte der Freiwillige in Gangneung noch, "frage ich mich schon, warum wir überhaupt keinen Lohn bekommen." Und dann nicht anständig verpflegt zu werden, findet er unverschämt. Einige der Petitionen habe er schon unterschrieben.

Angesichts der aufständischen Freiwilligen müssen die Organisatoren von Pyeongchang aufpassen, dass für die Paralympischen Spiele noch Helfer übrig bleiben. Die Veranstaltung läuft vom 9. bis zum 18. März, eingeplant sind 6.600 Volunteers. Sprängen ähnlich viele ab wie bei Olympia, würden die Organisatoren wahrhaftig erfahren, was sich aus ihren regelmäßigen Dankesstatements ableitet: Ein geschmeidiger Ablauf wäre kaum noch möglich.